Allgemeine Rechtslehre

  • Rechtsdurchsetzung

    Rechtsdurchsetzung bezeichnet die tatsächliche Verwirklichung rechtlicher Gebote, Verbote und Ansprüche. Sie umfasst freiwillige Befolgung ebenso wie behördliche Maßnahmen, gerichtliche Entscheidungen und staatlichen Zwang. Im Privatrecht muss der Berechtigte seinen Anspruch häufig selbst geltend machen; im öffentlichen Recht handeln zuständige Behörden vielfach von Amts wegen. Effektive Rechtsdurchsetzung ist ein Wesensmerkmal des Rechtsstaats, muss jedoch ihrerseits gesetzlich…

  • Zugang zum Recht

    Zugang zum Recht bezeichnet die tatsächliche Möglichkeit, rechtliche Informationen, Beratung, Behörden und Gerichte zu erreichen und bestehende Rechte wirksam geltend zu machen. Formale Rechtsansprüche genügen dafür allein nicht. Kosten, Sprache, Entfernung, Verfahrenskomplexität, fehlende Kenntnis, Behinderung oder Angst vor Nachteilen können praktische Barrieren bilden. Der Begriff verbindet rechtsstaatliche Verfahrensgarantien mit der rechtssoziologischen Frage, für wen Rechtsschutz…

  • Mobilisierung des Rechts

    Mobilisierung des Rechts bezeichnet den Vorgang, durch den ein Betroffener aus einem Konflikt oder Nachteil eine rechtliche Angelegenheit macht und staatliche oder andere rechtliche Verfahren nutzt. Dazu muss er das Problem als rechtsrelevant erkennen, einen Anspruch formulieren, Beratung suchen und gegebenenfalls eine Behörde oder ein Gericht einschalten. Der Begriff stammt aus der Rechtssoziologie und erklärt,…

  • Justiznutzung

    Justiznutzung bezeichnet die tatsächliche Inanspruchnahme von Gerichten und justiziellen Verfahren durch Bürger, Unternehmen, Verbände oder staatliche Stellen. Untersucht werden insbesondere Häufigkeit, Anlass, Verfahrensart, beteiligte Gruppen, Verlauf und Ergebnis. Der Begriff ist vor allem rechtssoziologisch und rechtstatsächlich geprägt. Er macht sichtbar, dass die Zahl gerichtlicher Verfahren nicht nur vom Umfang rechtlicher Konflikte, sondern auch von Kosten,…

  • Rechtsbedürfnis

    Rechtsbedürfnis bezeichnet das individuelle oder gesellschaftliche Bedürfnis nach rechtlicher Ordnung, Klärung, Schutz oder Durchsetzung. Es entsteht, wenn Unsicherheit, Konflikte oder wahrgenommene Ungerechtigkeit nicht allein durch informelle Regeln bewältigt werden können. Der rechtssoziologische Begriff ist vom prozessrechtlichen Rechtsschutzbedürfnis zu unterscheiden: Rechtsbedürfnis beschreibt eine tatsächliche Nachfrage nach Recht, während das Rechtsschutzbedürfnis eine Zulässigkeitsvoraussetzung gerichtlicher Verfahren sein kann….

  • Soziale Norm

    Eine soziale Norm ist eine innerhalb einer Gemeinschaft bestehende Verhaltenserwartung. Sie bestimmt, welches Verhalten als üblich, angemessen, geboten oder missbilligenswert gilt. Soziale Normen können als Sitte, Moral, Brauch, beruflicher Standard oder Gruppenregel auftreten und müssen nicht staatlich gesetzt sein. Sie werden durch Zustimmung, Kritik, Anerkennung oder Ausschluss stabilisiert. Rechtsnormen sind eine besondere Form verbindlicher Normen,…

  • Normbefolgung

    Normbefolgung bezeichnet ein Verhalten, das mit einer geltenden rechtlichen oder sozialen Norm übereinstimmt. Sie kann aus Überzeugung, Gewohnheit, Pflichtbewusstsein, sozialer Anerkennung oder Furcht vor Sanktionen erfolgen. Für die Wirksamkeit einer Rechtsordnung ist entscheidend, dass Normen nicht nur formell gelten, sondern im Alltag überwiegend beachtet werden. Die Rechtssoziologie untersucht deshalb, welche persönlichen, institutionellen und gesellschaftlichen Bedingungen…

  • Normabweichung

    Normabweichung ist ein Verhalten, das einer rechtlichen oder sozialen Norm widerspricht. Der Begriff ist weiter als Rechtsverletzung oder Straftat, weil auch informelle Erwartungen betroffen sein können. Ob ein Verhalten als abweichend gilt, hängt von Zeit, Ort, Gruppe und geltendem Recht ab. Rechtssoziologie und Kriminologie untersuchen Ursachen, Zuschreibungen und Reaktionen auf Normabweichung. Dabei interessieren sowohl individuelles…

  • Soziale Kontrolle

    Soziale Kontrolle umfasst alle gesellschaftlichen Mechanismen, mit denen normgerechtes Verhalten gefördert und Normabweichungen begrenzt werden. Sie kann informell durch Familie, Kollegen, Öffentlichkeit oder soziale Anerkennung wirken und formell durch Behörden, Gerichte oder organisierte Verfahren erfolgen. Mittel reichen von Lob und Kritik bis zu rechtlichen Sanktionen und Zwang. Der Begriff beschreibt nicht nur staatliche Überwachung, sondern…

  • Sanktion

    Eine Sanktion ist eine an ein bestimmtes Verhalten geknüpfte nachteilige oder vorteilhafte Folge, durch die eine Norm bestätigt und ihre Befolgung gefördert werden soll. Im Recht sind vor allem Strafen, Bußgelder, Zwangsmittel, Schadensersatz oder der Verlust einer Rechtsposition gemeint. Sanktionen können repressiv auf einen Verstoß reagieren oder präventiv künftiges Verhalten beeinflussen. Ihre Verhängung setzt regelmäßig…