Allgemeine Rechtslehre

  • Rechtskultur

    Rechtskultur bezeichnet die historisch und gesellschaftlich geprägte Art, wie eine Gemeinschaft Recht versteht, gestaltet, anwendet und bewertet. Dazu gehören Rechtsvorstellungen, institutionelle Traditionen, Verfahrensstile, berufliche Selbstbilder und der alltägliche Umgang mit Konflikten. Rechtskultur ist weiter als die Gesamtheit geltender Normen. Sie erklärt, weshalb ähnliche Gesetze in verschiedenen Staaten oder sozialen Gruppen unterschiedlich interpretiert, genutzt und akzeptiert…

  • Rechtspluralismus

    Rechtspluralismus bezeichnet das gleichzeitige Bestehen mehrerer normativer Ordnungen innerhalb eines sozialen Raums. Neben staatlichem Recht können etwa Völkerrecht, Unionsrecht, religiöse Regeln, Gewohnheitsrecht, indigene Ordnungen oder private Regelwerke Verhalten steuern und Konflikte bearbeiten. Der Begriff beschreibt sowohl rechtlich anerkannte Mehrschichtigkeit als auch faktische Normkonkurrenz. Er wird vor allem in Rechtssoziologie, Rechtstheorie, Rechtsvergleichung und Völkerrecht verwendet. Begriff…

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    Entstehung des Grundgesetzes

    Entstehung des Grundgesetzes bezeichnet den verfassungspolitischen Prozess, der 1948 und 1949 zur Ausarbeitung, Zustimmung und Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland führte. Unter dem Eindruck von nationalsozialistischer Diktatur, Krieg und Besatzung schufen die westdeutschen Länder eine freiheitliche, rechtsstaatliche und föderale Ordnung. Der Parlamentarische Rat erarbeitete den Text. Nach Genehmigung durch die westlichen Militärgouverneure und…

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    Parlamentarischer Rat

    Der Parlamentarische Rat war das von den westdeutschen Landtagen gewählte Gremium, das von September 1948 bis Mai 1949 in Bonn das Grundgesetz ausarbeitete. Ihm gehörten 65 stimmberechtigte Mitglieder sowie nicht stimmberechtigte Berliner Vertreter an. Präsident war Konrad Adenauer; der Hauptausschuss wurde von Carlo Schmid geprägt. Der Rat verband historische Erfahrungen, Vorgaben der Besatzungsmächte und unterschiedliche…

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    Justiz im Nationalsozialismus

    Justiz im Nationalsozialismus bezeichnet die Gerichte, Staatsanwaltschaften und sonstigen Rechtspflegeorgane zwischen 1933 und 1945 sowie ihre Einbindung in die nationalsozialistische Herrschaft. Zahlreiche Juristen wandten diskriminierende Gesetze an, deuteten bestehendes Recht ideologisch um oder unterstützten staatliches Unrecht. Die Justiz verlor damit wesentliche rechtsstaatliche Bindungen. Ihre Geschichte umfasst zugleich einzelne, seltene Fälle von Widerspruch und die schwierige…

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    Nürnberger Gesetze

    Nürnberger Gesetze ist die Sammelbezeichnung für zentrale nationalsozialistische Gesetze, die am 15. September 1935 erlassen wurden. Besonders das Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre entzogen jüdischen Deutschen wesentliche Rechte und verboten bestimmte Eheschließungen und Beziehungen. Die Vorschriften machten rassistische Ideologie zum staatlichen Recht und bildeten eine Grundlage für…

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    Entnazifizierung

    Entnazifizierung bezeichnet die nach 1945 unternommenen Maßnahmen der Alliierten und deutscher Stellen, um nationalsozialistische Organisationen, Ideen und belastete Personen aus Staat, Gesellschaft und Wirtschaft zu entfernen. Dazu gehörten die Auflösung nationalsozialistischer Einrichtungen, strafrechtliche Verfolgung, Berufsverbote, Spruchkammerverfahren und politische Bildungsmaßnahmen. Durchführung und Intensität unterschieden sich zwischen den Besatzungszonen. Die Ergebnisse blieben insbesondere bei der personellen Erneuerung…

  • Rechtssoziologie

    Rechtssoziologie ist die wissenschaftliche Untersuchung des Rechts als gesellschaftliches Phänomen. Sie fragt nicht nur, welche Normen gelten, sondern wie Recht entsteht, tatsächlich angewendet, befolgt oder umgangen wird und welche sozialen Wirkungen es entfaltet. Dabei betrachtet sie Gerichte, Verwaltung, Rechtsberufe, Bürger und Organisationen. Die Rechtssoziologie verbindet juristische Fragestellungen insbesondere mit Methoden und Erkenntnissen der Soziologie und…

  • Rechtstatsachenforschung

    Rechtstatsachenforschung untersucht die tatsächlichen Voraussetzungen, Abläufe und Wirkungen des Rechts mit empirischen Methoden. Ihr Gegenstand ist das Recht in der gesellschaftlichen Praxis: etwa die Häufigkeit bestimmter Verfahren, das Entscheidungsverhalten von Gerichten, die Nutzung rechtlicher Ansprüche oder die Folgen neuer Gesetze. Sie ergänzt die normative Rechtswissenschaft, indem sie überprüfbare Daten bereitstellt. Der Begriff wird häufig als…

  • Rechtsbewusstsein

    Rechtsbewusstsein bezeichnet die Vorstellungen, Kenntnisse, Bewertungen und Erwartungen, die ein Mensch oder eine gesellschaftliche Gruppe mit Recht und Gerechtigkeit verbindet. Es umfasst sowohl Wissen über rechtliche Regeln als auch Einstellungen zu ihrer Legitimität, Befolgung und Durchsetzung. Rechtsbewusstsein kann vom geltenden Recht abweichen und verändert sich durch Erfahrung, Bildung, öffentliche Debatten und sozialen Wandel. Der Begriff…