Gutachterkommission

Eine Gutachterkommission ist eine bei einer Ärztekammer eingerichtete, unabhängige Stelle zur außergerichtlichen Prüfung vermuteter ärztlicher Behandlungsfehler. Sie bewertet auf Antrag anhand der Behandlungsunterlagen und regelmäßig mit medizinischen Sachverständigen, ob ein Fehler vorliegt und einen Gesundheitsschaden verursacht haben kann. Das Verfahren ist für Patienten häufig kostenfrei und kann eine sachliche Klärung ermöglichen. Die Entscheidung ersetzt jedoch kein gerichtliches Urteil und bindet die Beteiligten grundsätzlich nicht. im konkreten Einzelfall.

Rechtliche Bedeutung

Gutachterkommissionen dienen der außergerichtlichen Streitklärung im Arzthaftungsrecht. Zuständigkeit und Verfahren richten sich nach den Regelungen der jeweiligen Landesärztekammer.

Voraussetzungen und Folgen

Vorausgesetzt werden regelmäßig ein Antrag, die Zuständigkeit der Kommission und die Mitwirkung der Beteiligten. Bei bereits anhängigen Gerichtsverfahren oder bestimmten Verjährungslagen kann eine Prüfung ausgeschlossen sein.

Beispiel

Ein Patient vermutet nach einer Operation einen Behandlungsfehler. Die Gutachterkommission lässt die Unterlagen medizinisch bewerten und erstellt eine abschließende Stellungnahme.

Häufige Fragen

Ist das Gutachten für ein Gericht bindend?

Nein. Es kann im späteren Prozess berücksichtigt werden, entfaltet aber grundsätzlich keine Bindungswirkung.

Hemmt das Verfahren die Verjährung?

Das kann unter gesetzlichen Voraussetzungen der Fall sein; die konkrete Fristlage muss gesondert geprüft werden.

Verwandte Begriffe

Arzthaftungsrecht, Sachverständiger, Alternative Streitbeilegung

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Facharztstandard

    Der Facharztstandard bezeichnet das fachliche Können und Wissen, das von einem gewissenhaften Arzt des betreffenden medizinischen Fachgebiets in der konkreten Behandlungssituation erwartet werden kann. Er ist der zentrale Maßstab für die Beurteilung eines Behandlungsfehlers. Maßgeblich ist grundsätzlich der anerkannte Stand der medizinischen Wissenschaft zum Zeitpunkt der Behandlung, nicht die individuelle Erfahrung des Behandlers. Auch ein…

  • Medizinischer Standard

    Der medizinische Standard bezeichnet den fachlichen Maßstab, den ein gewissenhafter und erfahrener Behandelnder im Zeitpunkt der Behandlung einhalten muss. Er richtet sich nach dem gesicherten Stand der medizinischen Wissenschaft und der anerkannten ärztlichen Praxis. Maßgeblich sind nicht persönliche Gewohnheiten des Arztes, sondern die objektiv erforderliche Sorgfalt des jeweiligen Fachgebiets unter Berücksichtigung der konkreten Behandlungssituation. Rechtliche…

  • Heilbehandlung

    Heilbehandlung bezeichnet medizinische Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, Krankheiten oder Verletzungen zu erkennen, zu heilen, ihre Folgen zu lindern oder eine Verschlimmerung zu verhindern. Dazu können Diagnostik, ärztliche Therapie, Arzneimittel, Operationen, Rehabilitation sowie Heil- und Hilfsmittel gehören. Der Begriff wird im Zivilrecht, Sozialversicherungsrecht, Schadensrecht und Steuerrecht verwendet und kann je nach Regelungszusammenhang unterschiedlich weit verstanden…

  • |

    Geburtsschaden

    Ein Geburtsschaden ist eine gesundheitliche Beeinträchtigung des Kindes oder der Mutter, die im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Entbindung oder unmittelbarer Nachsorge entsteht. Rechtlich ist zwischen schicksalhaften Komplikationen und Schäden infolge eines Behandlungs-, Diagnose-, Überwachungs- oder Organisationsfehlers zu unterscheiden. Nur wenn eine zurechenbare Pflichtverletzung vorliegt und den Schaden verursacht hat, kommen insbesondere Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld…

  • Krankenhausrecht

    Krankenhausrecht umfasst die Rechtsvorschriften über Planung, Zulassung, Finanzierung, Organisation und Betrieb von Krankenhäusern sowie deren Beziehungen zu Patienten, Beschäftigten, Kostenträgern und Aufsichtsbehörden. Es ist eine Querschnittsmaterie aus öffentlichem Recht, Zivilrecht, Sozialrecht, Arbeitsrecht und Medizinrecht. Neben bundesrechtlichen Vorgaben spielen die Krankenhausgesetze und Krankenhauspläne der Länder eine wesentliche Rolle. Rechtliche Bedeutung Zum Krankenhausrecht gehören unter anderem Krankenhausplanung,…

  • |

    Befunderhebungsfehler

    Ein Befunderhebungsfehler liegt vor, wenn ein Behandelnder medizinisch gebotene Befunde nicht rechtzeitig erhebt oder sichert. Anders als beim Diagnosefehler fehlt damit eine erforderliche Untersuchungsgrundlage. Typische Fälle sind unterlassene Labor-, Bildgebungs-, Kontroll- oder Nachuntersuchungen. Der Fehler kann besondere Beweiserleichterungen auslösen, wenn der hypothetisch erhobene Befund wahrscheinlich reaktionspflichtig gewesen wäre und das Unterlassen der gebotenen Reaktion grob…