Allgemeine Rechtslehre

  • Rechtsprofession

    Rechtsprofession bezeichnet die Gesamtheit der beruflich spezialisierten Tätigkeiten, die Recht auslegen, anwenden, gestalten oder vermitteln. Dazu zählen insbesondere Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Notare und weitere juristische Berufe. Kennzeichnend sind eine geregelte Ausbildung, fachliche Standards, berufliche Rollen und besondere Verantwortung für Rechtsstaat und Rechtsschutz. Die Rechtssoziologie untersucht Organisation, Selbstverständnis, Zugang, Macht und gesellschaftliche Funktionen dieser Berufsgruppen. Grundlagen…

  • Juristische Sozialisation

    Juristische Sozialisation bezeichnet den Prozess, in dem angehende und praktizierende Juristen fachliche Denkweisen, Sprache, Wertvorstellungen und berufliche Rollen erlernen. Sie beginnt meist im Studium, setzt sich im Vorbereitungsdienst und in der Berufspraxis fort und wird durch Prüfungen, Institutionen und Kollegen geprägt. Der Begriff untersucht, wie juristische Methoden und professionelle Selbstbilder entstehen und wie sie Wahrnehmung,…

  • Empirische Rechtsforschung

    Empirische Rechtsforschung untersucht Recht mit systematischen Methoden der Datenerhebung und -auswertung. Sie fragt, wie Normen angewendet werden, welche Wirkungen Gesetze entfalten, wie Gerichte entscheiden und wie Bürger oder Organisationen Recht wahrnehmen und nutzen. Verwendet werden quantitative und qualitative Verfahren wie Statistiken, Aktenanalysen, Befragungen, Interviews, Beobachtungen und Experimente. Sie ergänzt die normative Rechtswissenschaft, ersetzt aber nicht…

  • Mobilisierung des Rechts

    Mobilisierung des Rechts bezeichnet den Vorgang, durch den ein Betroffener aus einem Konflikt oder Nachteil eine rechtliche Angelegenheit macht und staatliche oder andere rechtliche Verfahren nutzt. Dazu muss er das Problem als rechtsrelevant erkennen, einen Anspruch formulieren, Beratung suchen und gegebenenfalls eine Behörde oder ein Gericht einschalten. Der Begriff stammt aus der Rechtssoziologie und erklärt,…

  • Justiznutzung

    Justiznutzung bezeichnet die tatsächliche Inanspruchnahme von Gerichten und justiziellen Verfahren durch Bürger, Unternehmen, Verbände oder staatliche Stellen. Untersucht werden insbesondere Häufigkeit, Anlass, Verfahrensart, beteiligte Gruppen, Verlauf und Ergebnis. Der Begriff ist vor allem rechtssoziologisch und rechtstatsächlich geprägt. Er macht sichtbar, dass die Zahl gerichtlicher Verfahren nicht nur vom Umfang rechtlicher Konflikte, sondern auch von Kosten,…

  • Rechtsbedürfnis

    Rechtsbedürfnis bezeichnet das individuelle oder gesellschaftliche Bedürfnis nach rechtlicher Ordnung, Klärung, Schutz oder Durchsetzung. Es entsteht, wenn Unsicherheit, Konflikte oder wahrgenommene Ungerechtigkeit nicht allein durch informelle Regeln bewältigt werden können. Der rechtssoziologische Begriff ist vom prozessrechtlichen Rechtsschutzbedürfnis zu unterscheiden: Rechtsbedürfnis beschreibt eine tatsächliche Nachfrage nach Recht, während das Rechtsschutzbedürfnis eine Zulässigkeitsvoraussetzung gerichtlicher Verfahren sein kann….

  • Soziale Norm

    Eine soziale Norm ist eine innerhalb einer Gemeinschaft bestehende Verhaltenserwartung. Sie bestimmt, welches Verhalten als üblich, angemessen, geboten oder missbilligenswert gilt. Soziale Normen können als Sitte, Moral, Brauch, beruflicher Standard oder Gruppenregel auftreten und müssen nicht staatlich gesetzt sein. Sie werden durch Zustimmung, Kritik, Anerkennung oder Ausschluss stabilisiert. Rechtsnormen sind eine besondere Form verbindlicher Normen,…

  • Normbefolgung

    Normbefolgung bezeichnet ein Verhalten, das mit einer geltenden rechtlichen oder sozialen Norm übereinstimmt. Sie kann aus Überzeugung, Gewohnheit, Pflichtbewusstsein, sozialer Anerkennung oder Furcht vor Sanktionen erfolgen. Für die Wirksamkeit einer Rechtsordnung ist entscheidend, dass Normen nicht nur formell gelten, sondern im Alltag überwiegend beachtet werden. Die Rechtssoziologie untersucht deshalb, welche persönlichen, institutionellen und gesellschaftlichen Bedingungen…

  • Normabweichung

    Normabweichung ist ein Verhalten, das einer rechtlichen oder sozialen Norm widerspricht. Der Begriff ist weiter als Rechtsverletzung oder Straftat, weil auch informelle Erwartungen betroffen sein können. Ob ein Verhalten als abweichend gilt, hängt von Zeit, Ort, Gruppe und geltendem Recht ab. Rechtssoziologie und Kriminologie untersuchen Ursachen, Zuschreibungen und Reaktionen auf Normabweichung. Dabei interessieren sowohl individuelles…

  • Soziale Kontrolle

    Soziale Kontrolle umfasst alle gesellschaftlichen Mechanismen, mit denen normgerechtes Verhalten gefördert und Normabweichungen begrenzt werden. Sie kann informell durch Familie, Kollegen, Öffentlichkeit oder soziale Anerkennung wirken und formell durch Behörden, Gerichte oder organisierte Verfahren erfolgen. Mittel reichen von Lob und Kritik bis zu rechtlichen Sanktionen und Zwang. Der Begriff beschreibt nicht nur staatliche Überwachung, sondern…