Entrechtlichung
Entrechtlichung bezeichnet die Zurücknahme oder Lockerung rechtlicher Regelungen und formeller Verfahren in einem gesellschaftlichen Bereich. Aufgaben können stärker privater Vereinbarung, Selbstregulierung, Ermessen, Mediation oder informeller Steuerung überlassen werden. Ziel ist häufig mehr Flexibilität, geringere Bürokratie oder schnellere Konfliktlösung. Entrechtlichung darf jedoch nicht dazu führen, dass Grundrechte, Mindestschutz, Gleichbehandlung oder effektiver Rechtsschutz verloren gehen.
Grundlagen
Entrechtlichung kann durch Aufhebung von Vorschriften, Deregulierung, Privatisierung oder den Vorrang außergerichtlicher Lösungen erfolgen. Sie ist nicht notwendig ein vollständiger Rückzug des Rechts, sondern oft eine Veränderung der Regelungsform.
Bedeutung
Ob Entrechtlichung sinnvoll ist, hängt von Machtverhältnissen und Schutzbedürfnissen ab. Wo Beteiligte ungleich stark sind, können zwingende Regeln erforderlich bleiben. Staatliche Gewährleistungsverantwortung kann auch bei privaten Lösungen fortbestehen.
Beispiel
Ein Genehmigungsverfahren wird durch eine Anzeigepflicht und private Zertifizierung ersetzt. Der Aufwand sinkt, zugleich müssen Kontrolle und Haftung weiterhin wirksam geregelt sein.
Häufige Fragen
Wovon hängt Entrechtlichung ab?
Sie hängt von politischen Zielen, Verwaltungsaufwand, Funktionsfähigkeit privater Regelungen und bestehenden Schutzrisiken ab.
Warum ist der Begriff rechtlich bedeutsam?
Sie verändert Reichweite und Intensität staatlicher Bindung und kann den Zugang zu Rechtsschutz beeinflussen.
Verwandte Begriffe
Verrechtlichung, Rechtswandel, Rechtspluralismus, Zugang zum Recht
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.