Allgemeine Rechtslehre

  • Normabweichung

    Normabweichung ist ein Verhalten, das einer rechtlichen oder sozialen Norm widerspricht. Der Begriff ist weiter als Rechtsverletzung oder Straftat, weil auch informelle Erwartungen betroffen sein können. Ob ein Verhalten als abweichend gilt, hängt von Zeit, Ort, Gruppe und geltendem Recht ab. Rechtssoziologie und Kriminologie untersuchen Ursachen, Zuschreibungen und Reaktionen auf Normabweichung. Dabei interessieren sowohl individuelles…

  • Soziale Kontrolle

    Soziale Kontrolle umfasst alle gesellschaftlichen Mechanismen, mit denen normgerechtes Verhalten gefördert und Normabweichungen begrenzt werden. Sie kann informell durch Familie, Kollegen, Öffentlichkeit oder soziale Anerkennung wirken und formell durch Behörden, Gerichte oder organisierte Verfahren erfolgen. Mittel reichen von Lob und Kritik bis zu rechtlichen Sanktionen und Zwang. Der Begriff beschreibt nicht nur staatliche Überwachung, sondern…

  • Sanktion

    Eine Sanktion ist eine an ein bestimmtes Verhalten geknüpfte nachteilige oder vorteilhafte Folge, durch die eine Norm bestätigt und ihre Befolgung gefördert werden soll. Im Recht sind vor allem Strafen, Bußgelder, Zwangsmittel, Schadensersatz oder der Verlust einer Rechtsposition gemeint. Sanktionen können repressiv auf einen Verstoß reagieren oder präventiv künftiges Verhalten beeinflussen. Ihre Verhängung setzt regelmäßig…

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    Justiz im Nationalsozialismus

    Justiz im Nationalsozialismus bezeichnet die Gerichte, Staatsanwaltschaften und sonstigen Rechtspflegeorgane zwischen 1933 und 1945 sowie ihre Einbindung in die nationalsozialistische Herrschaft. Zahlreiche Juristen wandten diskriminierende Gesetze an, deuteten bestehendes Recht ideologisch um oder unterstützten staatliches Unrecht. Die Justiz verlor damit wesentliche rechtsstaatliche Bindungen. Ihre Geschichte umfasst zugleich einzelne, seltene Fälle von Widerspruch und die schwierige…

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    Nürnberger Gesetze

    Nürnberger Gesetze ist die Sammelbezeichnung für zentrale nationalsozialistische Gesetze, die am 15. September 1935 erlassen wurden. Besonders das Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre entzogen jüdischen Deutschen wesentliche Rechte und verboten bestimmte Eheschließungen und Beziehungen. Die Vorschriften machten rassistische Ideologie zum staatlichen Recht und bildeten eine Grundlage für…

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    Entnazifizierung

    Entnazifizierung bezeichnet die nach 1945 unternommenen Maßnahmen der Alliierten und deutscher Stellen, um nationalsozialistische Organisationen, Ideen und belastete Personen aus Staat, Gesellschaft und Wirtschaft zu entfernen. Dazu gehörten die Auflösung nationalsozialistischer Einrichtungen, strafrechtliche Verfolgung, Berufsverbote, Spruchkammerverfahren und politische Bildungsmaßnahmen. Durchführung und Intensität unterschieden sich zwischen den Besatzungszonen. Die Ergebnisse blieben insbesondere bei der personellen Erneuerung…

  • Rechtssoziologie

    Rechtssoziologie ist die wissenschaftliche Untersuchung des Rechts als gesellschaftliches Phänomen. Sie fragt nicht nur, welche Normen gelten, sondern wie Recht entsteht, tatsächlich angewendet, befolgt oder umgangen wird und welche sozialen Wirkungen es entfaltet. Dabei betrachtet sie Gerichte, Verwaltung, Rechtsberufe, Bürger und Organisationen. Die Rechtssoziologie verbindet juristische Fragestellungen insbesondere mit Methoden und Erkenntnissen der Soziologie und…

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    Entstehung des Grundgesetzes

    Entstehung des Grundgesetzes bezeichnet den verfassungspolitischen Prozess, der 1948 und 1949 zur Ausarbeitung, Zustimmung und Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland führte. Unter dem Eindruck von nationalsozialistischer Diktatur, Krieg und Besatzung schufen die westdeutschen Länder eine freiheitliche, rechtsstaatliche und föderale Ordnung. Der Parlamentarische Rat erarbeitete den Text. Nach Genehmigung durch die westlichen Militärgouverneure und…

  • Rechtstatsachenforschung

    Rechtstatsachenforschung untersucht die tatsächlichen Voraussetzungen, Abläufe und Wirkungen des Rechts mit empirischen Methoden. Ihr Gegenstand ist das Recht in der gesellschaftlichen Praxis: etwa die Häufigkeit bestimmter Verfahren, das Entscheidungsverhalten von Gerichten, die Nutzung rechtlicher Ansprüche oder die Folgen neuer Gesetze. Sie ergänzt die normative Rechtswissenschaft, indem sie überprüfbare Daten bereitstellt. Der Begriff wird häufig als…

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    Parlamentarischer Rat

    Der Parlamentarische Rat war das von den westdeutschen Landtagen gewählte Gremium, das von September 1948 bis Mai 1949 in Bonn das Grundgesetz ausarbeitete. Ihm gehörten 65 stimmberechtigte Mitglieder sowie nicht stimmberechtigte Berliner Vertreter an. Präsident war Konrad Adenauer; der Hauptausschuss wurde von Carlo Schmid geprägt. Der Rat verband historische Erfahrungen, Vorgaben der Besatzungsmächte und unterschiedliche…