Soziale Norm

Eine soziale Norm ist eine innerhalb einer Gemeinschaft bestehende Verhaltenserwartung. Sie bestimmt, welches Verhalten als üblich, angemessen, geboten oder missbilligenswert gilt. Soziale Normen können als Sitte, Moral, Brauch, beruflicher Standard oder Gruppenregel auftreten und müssen nicht staatlich gesetzt sein. Sie werden durch Zustimmung, Kritik, Anerkennung oder Ausschluss stabilisiert. Rechtsnormen sind eine besondere Form verbindlicher Normen, unterscheiden sich aber durch staatliche Geltung und organisierte Durchsetzbarkeit.

Begriff und Funktion

Soziale Normen koordinieren Verhalten und machen Reaktionen anderer vorhersehbarer. Sie entstehen häufig informell und verändern sich mit gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Ihre Befolgung beruht auf Gewohnheit, Überzeugung, sozialer Anerkennung oder der Erwartung negativer Reaktionen.

Rechtliche und gesellschaftliche Bedeutung

Für die Rechtssoziologie ist bedeutsam, wie soziale und rechtliche Normen zusammenwirken. Eine gesellschaftliche Erwartung kann später gesetzlich geregelt werden; umgekehrt kann eine Rechtsnorm praktisch wirkungslos bleiben, wenn sie dauerhaft keine soziale Unterstützung findet.

Beispiel

Die Erwartung, in öffentlichen Verkehrsmitteln älteren oder beeinträchtigten Personen einen Sitzplatz anzubieten, ist regelmäßig eine soziale, aber keine rechtlich erzwingbare Norm.

Häufige Fragen

Ist jede soziale Norm eine Rechtsnorm?

Nein. Erst staatliche Anerkennung, rechtliche Verbindlichkeit und institutionalisierte Durchsetzung machen eine Norm zur Rechtsnorm.

Können soziale Normen Recht beeinflussen?

Ja. Gesellschaftliche Wertungen können Gesetzgebung, Auslegung und Rechtswandel erheblich prägen.

Verwandte Begriffe

Normbefolgung, Normabweichung, Soziale Kontrolle, Recht und Moral

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

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