Risikoverringerung

Risikoverringerung bezeichnet im Strafrecht eine Fallgruppe, in der der Täter eine bereits bestehende Gefahr für ein Rechtsgut nicht erhöht, sondern vermindert oder in einen weniger schweren Verlauf umlenkt. Trotz naturwissenschaftlicher Mitverursachung wird der Erfolg regelmäßig nicht objektiv zugerechnet, weil das Verhalten kein rechtlich missbilligtes Risiko geschaffen oder gesteigert hat. Maßgeblich ist ein Vergleich der Gefahrenlage vor und nach dem Eingriff aus objektiver Sicht.

Rechtliche Einordnung

Die Risikoverringerung ist ein Ausschlussgrund innerhalb der objektiven Zurechnung bei Erfolgsdelikten. Sie betrifft nicht bereits die Kausalität, sondern die normative Bewertung des durch das Verhalten beeinflussten Geschehens.

Voraussetzungen und Bedeutung

Prüfungsmaßstab

Zu vergleichen sind Art, Wahrscheinlichkeit und Ausmaß des drohenden Schadens. Eine bloße Veränderung des Kausalverlaufs genügt nicht; die neue Gefahr muss gegenüber der Ausgangsgefahr tatsächlich geringer sein.

Rechtsfolge

Ist das Risiko insgesamt verringert, wird der eingetretene Erfolg dem Handelnden grundsätzlich nicht als vollendetes Erfolgsdelikt zugerechnet. Andere Delikte oder eine Versuchsstrafbarkeit können gesondert zu prüfen sein.

Beispiel

Ein Passant stößt einen Fußgänger zur Seite, damit ihn ein herabfallender schwerer Gegenstand nicht am Kopf trifft; der Fußgänger erleidet dadurch lediglich eine Prellung. Der Passant hat die Gefahr eines schwereren Schadens vermindert.

Häufige Fragen

Ist Risikoverringerung dasselbe wie rechtfertigender Notstand?

Nein. Die Risikoverringerung betrifft bereits die objektive Zurechnung; der rechtfertigende Notstand setzt grundsätzlich erst bei der Rechtswidrigkeit an.

Genügt jede gut gemeinte Hilfe?

Nein. Entscheidend ist die objektive Verringerung des Risikos, nicht allein die Absicht des Handelnden.

Bleibt die Kausalität bestehen?

Sie kann bestehen. Der Zurechnungsausschluss beruht auf der fehlenden Schaffung oder Steigerung eines missbilligten Risikos.

Weiterführende Hinweise

Passende Wörterbuchartikel: Kausalität, Objektive Zurechnung, Straftat. Weiterführende, nicht werbliche Informationen bieten strafrecht-faq.de und das Strafgesetzbuch.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Urteilsabsetzungsfrist

    Die Urteilsabsetzungsfrist ist die gesetzliche Frist, innerhalb deren ein strafgerichtliches Urteil nach seiner Verkündung vollständig schriftlich zu den Akten gebracht werden muss. Ihre Dauer richtet sich nach der Länge der Hauptverhandlung und beträgt grundsätzlich fünf Wochen. Bei längeren Verhandlungen verlängert sie sich stufenweise. Die Frist sichert eine zeitnahe, auf dem Beratungsergebnis beruhende Begründung. Ihre nicht…

  • Urkundenfälschung

    Urkundenfälschung nach § 267 StGB begeht, wer zur Täuschung im Rechtsverkehr eine unechte Urkunde herstellt, eine echte Urkunde verfälscht oder eine unechte beziehungsweise verfälschte Urkunde gebraucht. Urkunde ist eine verkörperte menschliche Gedankenerklärung, die zum Beweis im Rechtsverkehr geeignet und bestimmt ist und ihren Aussteller erkennen lässt. Geschützt werden Echtheit und Zuverlässigkeit des Rechtsverkehrs. Nicht jede…

  • |

    Objektive Zurechnung

    Objektive Zurechnung liegt vor, wenn der Täter eine rechtlich missbilligte Gefahr geschaffen hat, die sich im tatbestandlichen Erfolg verwirklicht. Bedeutung Die objektive Zurechnung begrenzt bei Erfolgsdelikten die rein naturwissenschaftliche Kausalität. Nicht jeder verursachte Erfolg wird dem Täter auch rechtlich zugerechnet. Voraussetzungen Erforderlich sind grundsätzlich eine rechtlich missbilligte Gefahr und deren Verwirklichung im konkreten Erfolg. Die…

  • |

    Strafbefehl

    Strafbefehl ist eine gerichtliche Entscheidung im schriftlichen Strafbefehlsverfahren. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft kann das Gericht bei einfach gelagerten Fällen ohne Hauptverhandlung bestimmte Rechtsfolgen festsetzen. Der Betroffene kann innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen; dann wird grundsätzlich eine Hauptverhandlung durchgeführt. Bedeutung und Voraussetzungen Die rechtliche Einordnung richtet sich nach dem jeweiligen Verfahrensrecht und dem konkreten Einzelfall….

  • |

    Strengbeweisverfahren

    Das Strengbeweisverfahren ist die gesetzlich geregelte Form der Beweisaufnahme über Tatsachen, die im Strafprozess Schuld, Tatbestand und Rechtsfolgen betreffen. Das Gericht darf seine Feststellungen grundsätzlich nur auf die in der Strafprozessordnung vorgesehenen Beweismittel stützen: Zeugen, Sachverständige, Urkunden, Augenschein und Einlassung des Angeklagten. Die Erhebung erfolgt in der Hauptverhandlung unter Beachtung von Mündlichkeit, Unmittelbarkeit und Beteiligungsrechten….

  • | |

    Kriegsverbrechen

    Kriegsverbrechen sind schwere Verletzungen des humanitären Völkerrechts, für die natürliche Personen strafrechtlich verantwortlich sind. Sie können in internationalen und nichtinternationalen bewaffneten Konflikten begangen werden. Dazu zählen unter anderem vorsätzliche Angriffe auf Zivilpersonen, Folter, Geiselnahme, bestimmte rechtswidrige Vertreibungen und der Missbrauch geschützter Zeichen. Erforderlich ist ein hinreichender Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt. Verantwortlichkeit kann unmittelbare Täter,…