Actio tutelae

Die Actio tutelae ist die römischrechtliche Klage aus der Verwaltung einer Vormundschaft. Mit der direkten Klage konnte der frühere Mündel nach Ende der maßgeblichen Verwaltung insbesondere Rechenschaft, Herausgabe des verwalteten Vermögens und Ersatz für pflichtwidrige Verwaltung verlangen. Eine Gegenklage ermöglichte dem Vormund die Verfolgung berechtigter eigener Ansprüche. Die Klage gehört zur Geschichte des Vormundschaftsrechts und ist von Verfahren zur Entfernung eines verdächtigen Vormunds während laufender Verwaltung zu unterscheiden.

Rechenschaft über die Verwaltung

Justinians Institutionen beschreiben die Rechenschaft des Vormunds im Tutela-Verfahren nach Eintritt der Pubertät. Die Actio tutelae wird zu den Klagen nach Treu und Glauben gerechnet. Zeitpunkt, Umfang und Haftung sind anhand der historischen Rechtsordnung zu bestimmen; heutige Vormundspflichten richten sich nach geltendem Recht.

Beispiel

Ein römischer Vormund verwaltet das Vermögen eines Mündels. Nach Abschluss der Vormundschaft fehlt ein Teil des Vermögens. Der frühere Mündel verlangt Abrechnung und Ersatz einer pflichtwidrigen Verwendung.

FAQ

Wozu dient die direkte Klage?

Zur Verfolgung der Ansprüche des Mündels aus der Vormundschaftsverwaltung.

Ist die Entfernung des Vormunds dasselbe Verfahren?

Nein. Das Vorgehen gegen einen verdächtigen Vormund ist gesondert zu beurteilen.

Regelt die Actio tutelae heutige Vormundschaften?

Nein. Sie ist ein historisches Institut.

Verwandte Begriffe

Römisches Recht · Rechtsgeschichte · Corpus Iuris Civilis · Anspruch · Familienrecht

Quellen und weiterführende Informationen

Justinian, Institutionen, Buch 1 · Justinian, Institutionen, Buch 4 · Familienrecht heute: Überblick

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Sozialistengesetz

    Das Sozialistengesetz war die gebräuchliche Bezeichnung für das Reichsgesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie von 1878. Es erlaubte Verbote sozialdemokratischer Vereine, Versammlungen und Druckschriften sowie Aufenthaltsbeschränkungen und Ausweisungen. Die sozialdemokratische Partei als Wahlorganisation und ihre Reichstagskandidaturen wurden nicht vollständig verboten. Das mehrfach verlängerte Ausnahmegesetz galt bis 1890, unterdrückte die Bewegung erheblich, verhinderte ihren politischen…

  • |

    Römisches Recht

    Römisches Recht ist die Rechtsordnung des antiken Rom, deren Begriffe und Systematik das europäische Privatrecht bis heute nachhaltig prägen. Seine historische Bedeutung erschließt sich aus dem Zusammenhang mit politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen. Historischer Kontext Der Begriff gehört zur Rechtsgeschichte und steht in Beziehung zu Römischem Recht, Gemeinem Recht und modernen Kodifikationen. Bedeutung Er verdeutlicht,…

  • |

    Deutsche Bundesakte

    Die Deutsche Bundesakte vom 8. Juni 1815 war der völkerrechtliche Gründungsvertrag des Deutschen Bundes. Sie verband souveräne deutsche Fürsten und freie Städte zu einem dauerhaften Staatenbund, schuf den Bundestag in Frankfurt am Main und regelte Grundzüge gemeinsamer Sicherheit. Ein deutscher Bundesstaat oder eine unmittelbar gewählte Volksvertretung entstand nicht. Artikel 13 kündigte landständische Verfassungen in den…

  • |

    Lehnrecht

    Lehnrecht bezeichnet die historischen Rechtsregeln über die Vergabe eines Lehens durch einen Lehnsherrn an einen Vasallen. Der Vasall erhielt ein nutzbares Recht an Land, Ämtern oder Einkünften und schuldete dafür regelmäßig Treue, Rat und militärische oder andere Dienste. Das Lehnsverhältnis beruhte auf persönlichen Bindungen und dinglich geprägten Herrschaftspositionen. Ausgestaltung, Erblichkeit und Beendigung wandelten sich stark;…

  • |

    Unerträglichkeitsformel

    Unerträglichkeitsformel Unerträglichkeitsformel bezeichnet den Teil der Radbruchschen Formel, nach dem ein positives Gesetz seine Rechtsqualität verliert, wenn sein Widerspruch zur Gerechtigkeit ein unerträgliches Maß erreicht. Die Schwelle liegt bewusst sehr hoch, damit Rechtssicherheit grundsätzlich Vorrang behält. Die Formel reagiert auf extremes gesetzliches Unrecht und erlaubt Gerichten ausnahmsweise, einer formal gültigen Norm die Anwendung zu versagen….

  • |

    Rezeption des römischen Rechts

    Rezeption des römischen Rechts bezeichnet die Aufnahme und wissenschaftliche Verarbeitung des römischen Rechts in den europäischen Rechtsordnungen seit dem Mittelalter. Seine historische Bedeutung erschließt sich aus dem Zusammenhang mit politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen. Historischer Kontext Der Begriff gehört zur Rechtsgeschichte und steht in Beziehung zu Römischem Recht, Gemeinem Recht und modernen Kodifikationen. Bedeutung Er…