|

Freibeweisverfahren

Das Freibeweisverfahren ist eine Form strafprozessualer Tatsachenfeststellung, bei der das Gericht nicht an die förmlichen Beweismittel und den streng geregelten Ablauf der Beweisaufnahme gebunden ist. Es dient vor allem der Klärung verfahrensrechtlicher Fragen, etwa von Prozessvoraussetzungen, Zuständigkeit oder Verwertbarkeit eines Beweises. Das Gericht muss dennoch zuverlässig aufklären, rechtliches Gehör gewähren und seine Überzeugung auf tragfähige Erkenntnisse stützen. Für die Schuld- und Straffrage gilt grundsätzlich das Strengbeweisverfahren.

Rechtliche Bedeutung

Im Freibeweis können etwa Aktenauskünfte, dienstliche Erklärungen, Telefonate oder schriftliche Stellungnahmen verwertet werden.

Voraussetzungen und Folgen

Welche Aufklärungsform zulässig ist, richtet sich nach dem Gegenstand der Feststellung. Betrifft die Tatsache unmittelbar Schuld oder Rechtsfolge, reichen freie Erkenntnismittel regelmäßig nicht aus.

Beispiel

Das Gericht klärt durch eine dienstliche Erklärung, ob ein Richter bei einer früheren Entscheidung mitgewirkt hat. Eine förmliche Zeugenvernehmung ist dafür regelmäßig nicht nötig.

Häufige Fragen

Gilt freie Beweiswürdigung auch hier?

Ja. Die Erkenntnisse müssen verständig und widerspruchsfrei gewürdigt werden.

Dürfen Schuldtatsachen im Freibeweis festgestellt werden?

Grundsätzlich nein. Dafür gelten die förmlichen Regeln des Strengbeweises.

Sind Beteiligungsrechte ausgeschlossen?

Nein. Rechtliches Gehör und ein faires Verfahren bleiben zu beachten.

Weiterführende Hinweise

Siehe auch Ermittlungsverfahren, Beschuldigter, Angeklagter, Hauptverhandlung und Beweisverwertungsverbot. Vertiefend: Strafrecht FAQ und gesetzliche Grundlage.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Aberratio ictus

    Aberratio ictus bezeichnet das Fehlgehen der Tat, bei dem der Angriff ein anderes als das anvisierte Objekt trifft. Der Begriff gehört zum Allgemeinen Teil des Strafrechts und bestimmt Voraussetzungen, Zurechnung oder persönliche Verantwortlichkeit einer Straftat. Seine Einordnung entscheidet häufig darüber, ob und wegen welcher Beteiligungs- oder Begehungsform ein Täter strafbar ist. Maßgeblich sind das Strafgesetzbuch…

  • Anerkenntnis

    Anerkenntnis ist die prozessuale Erklärung des Beklagten, den vom Kläger geltend gemachten Anspruch ganz oder teilweise als begründet anzuerkennen. Auf dieser Grundlage kann das Gericht ein Anerkenntnisurteil erlassen, ohne den Anspruch umfassend materiell zu prüfen. Das prozessuale Anerkenntnis ist von einem materiell-rechtlichen Schuldanerkenntnis zu unterscheiden. Kostenfolgen richten sich nach den Umständen, insbesondere danach, ob der…

  • |

    Scheidungsverbund

    Scheidungsverbund bezeichnet die gemeinsame Verhandlung und Entscheidung über die Scheidung sowie bestimmte rechtzeitig anhängig gemachte Folgesachen. Dazu können Versorgungsausgleich, Unterhalt, Ehewohnung, Haushaltsgegenstände und güterrechtliche Ansprüche gehören. Der Verbund soll widersprüchliche Entscheidungen vermeiden und die wirtschaftlichen Folgen der Trennung geordnet klären. Grundsätzlich darf die Scheidung erst ausgesprochen werden, wenn die entscheidungsreifen Verbundsachen gleichzeitig entschieden werden können….

  • |

    Säumnisverfahren

    Säumnisverfahren bezeichnet die besonderen Regeln des Zivilprozesses für den Fall, dass eine Partei im Termin nicht erscheint oder eine erforderliche Prozesshandlung nicht vornimmt. Auf Antrag kann gegen die säumige Partei ein Versäumnisurteil ergehen. Gegen den Beklagten setzt dies voraus, dass die Klage schlüssig ist; gegen den Kläger wird sie grundsätzlich abgewiesen. Das Verfahren verbindet effektive…

  • Qualifikation im Strafrecht

    Qualifikation im Strafrecht ist ein selbständiger Straftatbestand, der sämtliche Merkmale eines Grunddelikts enthält und zusätzliche strafschärfende Merkmale voraussetzt. Er ordnet eine bestimmte Fallgestaltung in das System strafrechtlicher Verantwortlichkeit ein und grenzt sie von verwandten Konstellationen ab. Seine Anwendung kann Tatbestand, Rechtsfolge oder Verfahren und damit das Ergebnis der strafrechtlichen Prüfung beeinflussen. Maßgeblich sind die gesetzlichen…

  • Betrug

    Betrug ist eine Straftat gegen das Vermögen. Er liegt vor, wenn der Täter einen anderen durch Täuschung über Tatsachen zu einem Irrtum und dadurch zu einer Vermögensverfügung veranlasst, die einen Vermögensschaden verursacht. Zusätzlich muss der Täter vorsätzlich und in der Absicht handeln, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen. Der Grundtatbestand ist in…