Radbruchsche Formel

Radbruchsche Formel ist eine rechtsphilosophische Lehre Gustav Radbruchs zum Verhältnis von positivem Recht und Gerechtigkeit. Danach hat gesetztes Recht grundsätzlich Vorrang, selbst wenn es inhaltlich ungerecht oder unzweckmäßig ist. Erreicht der Widerspruch zur Gerechtigkeit jedoch ein unerträgliches Maß oder verleugnet das Gesetz die Gleichheit bewusst, kann es seinen Rechtscharakter verlieren.

Grundgedanke

Die Formel verbindet Rechtssicherheit mit einer äußersten Gerechtigkeitsgrenze. Der Begriff gehört zur Rechtsphilosophie und steht in engem Zusammenhang mit Rechtsbegriff, Gerechtigkeit und Geltung des Rechts.

Bedeutung für das Recht

Der Begriff hilft, geltendes Recht von tatsächlicher Wirksamkeit und moralischer Bewertung zu unterscheiden. Er beeinflusst Auslegung, Kritik und Begründung rechtlicher Regeln.

Beispiel

Bei der Aufarbeitung staatlichen Unrechts kann geprüft werden, ob eine Vorschrift als extrem ungerechtes Nichtrecht zu behandeln ist.

Häufige Fragen

Hebt jede Ungerechtigkeit die Rechtsgeltung auf?

Nein. Die Schwelle der Formel ist bewusst sehr hoch.

Welche praktische Bedeutung hat der Begriff?

Er strukturiert die rechtliche Argumentation und macht unterschiedliche Maßstäbe für Geltung, Rechtfertigung und Bewertung sichtbar.

Verwandte Begriffe

Rechtsphilosophie, Rechtspositivismus, Naturrecht, Recht und Moral, Legitimität, Legalität

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

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