Fehlgeschlagener Versuch

Fehlgeschlagener Versuch liegt vor, wenn der Täter nach seiner Vorstellung den tatbestandlichen Erfolg mit den bereits eingesetzten oder anderen ohne erhebliche zeitliche Zäsur verfügbaren Mitteln nicht mehr erreichen kann. Ein strafbefreiender Rücktritt ist dann ausgeschlossen, weil das bloße Aufgeben keine freiwillige Umkehr mehr darstellt. Ob der Versuch fehlgeschlagen ist, richtet sich nach dem Rücktrittshorizont und einer Gesamtbetrachtung des unmittelbar zusammenhängenden Tatgeschehens.

Rechtliche Einordnung

Der Fehlschlag ist eine ungeschriebene Grenze des Rücktritts nach § 24 StGB. Er wird vor der Unterscheidung zwischen unbeendetem und beendetem Versuch geprüft.

Voraussetzungen und Bedeutung

Prüfungsmaßstab

Entscheidend ist, ob der Täter im maßgeblichen Zeitpunkt noch eine ihm bekannte und ohne wesentliche Unterbrechung einsetzbare Möglichkeit zur Tatvollendung sieht. Abzustellen ist auf seine tatsächliche Vorstellung.

Rechtsfolge

Beim fehlgeschlagenen Versuch kann der Täter nicht mehr strafbefreiend zurücktreten. Er bleibt wegen Versuchs strafbar, sofern dessen sonstige Voraussetzungen erfüllt sind.

Beispiel

Der Täter schießt mit seiner einzigen Patrone auf das Opfer und verfehlt es. Eine weitere sofortige Angriffsmöglichkeit sieht er nicht. Aus seiner Sicht ist die geplante Tötung fehlgeschlagen.

Häufige Fragen

Ist jeder erfolglose Tatakt fehlgeschlagen?

Nein. Besteht nach Tätervorstellung noch eine sofort nutzbare Vollendungsmöglichkeit, kann die Tat fortsetzbar sein.

Zählt der ursprüngliche Tatplan?

Er ist ein Indiz; maßgeblich ist aber die Vorstellung nach dem letzten Ausführungsakt.

Kann ein fehlgeschlagener Versuch durch Hilfeleistung rücktrittsfähig werden?

Nein. Hilfe kann strafmildernd wirken oder andere Pflichten erfüllen, beseitigt den bereits eingetretenen Fehlschlag aber nicht.

Weiterführende Hinweise

Passende Wörterbuchartikel: Versuch, Rücktritt vom Versuch, Vorsatz. Weiterführende, nicht werbliche Informationen bieten strafrecht-faq.de und das Strafgesetzbuch.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Raub

    Raub nach § 249 StGB ist die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache unter Einsatz von Gewalt gegen eine Person oder einer Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben, um die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen. Das Nötigungsmittel muss gerade der Wegnahme dienen. Raub verbindet daher Merkmale von Diebstahl und qualifizierter Nötigung. Wegen…

  • |

    Prozessvoraussetzung im Strafverfahren

    Eine Prozessvoraussetzung im Strafverfahren ist eine rechtliche Bedingung, die erfüllt sein muss, damit ein Gericht über den staatlichen Strafanspruch sachlich entscheiden darf. Hierzu gehören unter anderem deutsche Gerichtsbarkeit, sachliche und örtliche Zuständigkeit, wirksame Anklage, ordnungsgemäßer Eröffnungsbeschluss sowie das Fehlen entgegenstehender Rechtskraft. Das Gericht prüft Prozessvoraussetzungen grundsätzlich von Amts wegen in jeder Lage des Verfahrens. Fehlt…

  • |

    Ablehnungsgesuch

    Ablehnungsgesuch ist der förmliche Antrag eines Verfahrensbeteiligten, einen Richter wegen Besorgnis der Befangenheit oder aus einem gesetzlichen Ausschlussgrund von der Mitwirkung am Strafverfahren auszuschließen. Das Gesuch muss den abgelehnten Richter und den Grund bezeichnen sowie regelmäßig glaubhaft gemacht werden. Es ist unverzüglich anzubringen, sobald der Ablehnungsgrund bekannt ist. Über das Gesuch entscheiden andere Richter ohne…

  • Hausfriedensbruch

    Hausfriedensbruch begeht nach § 123 StGB, wer gegen den Willen des Berechtigten in eine Wohnung, Geschäftsräume, das befriedete Besitztum eines anderen oder abgeschlossene, dem öffentlichen Dienst oder Verkehr gewidmete Räume eindringt. Strafbar ist auch, trotz fehlender Aufenthaltsbefugnis einer Aufforderung zum Verlassen nicht nachzukommen. Geschützt wird das Hausrecht, nicht nur Eigentum. Maßgeblich sind der konkrete räumliche…

  • |

    Revisionsantrag

    Der Revisionsantrag bezeichnet das konkrete Ziel, das ein Revisionsführer mit seinem Rechtsmittel gegen ein Strafurteil verfolgt. Er soll erkennen lassen, in welchem Umfang das Urteil angefochten und welche Entscheidung des Revisionsgerichts begehrt wird, etwa Aufhebung des Schuld- oder Rechtsfolgenausspruchs. Der Antrag ist Bestandteil der Revisionsbegründung. Seine Auslegung richtet sich nach dem gesamten Vorbringen; eine unklare…

  • Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

    Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort nach § 142 StGB begeht ein Unfallbeteiligter, der nach einem Unfall im Straßenverkehr den Unfallort verlässt, bevor er die erforderlichen Feststellungen ermöglicht oder eine angemessene Zeit gewartet hat. Wer sich nach Ablauf der Wartezeit oder berechtigt beziehungsweise entschuldigt entfernt, muss die Feststellungen unverzüglich nachträglich ermöglichen. Der Tatbestand setzt Vorsatz voraus; eine…