Völkerrecht

Begriffe des Völkerrechts und der internationalen Rechtsordnung.

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    Schutzverantwortung

    Schutzverantwortung ist ein politisch-völkerrechtliches Konzept, nach dem jeder Staat seine Bevölkerung vor Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnischen Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schützen soll. Die internationale Gemeinschaft soll Staaten dabei unterstützen und bei offenbarem Versagen rechtzeitig kollektiv handeln. Zwangsmaßnahmen müssen im Einklang mit der UN-Charta stehen; militärische Gewalt setzt grundsätzlich eine Ermächtigung des Sicherheitsrates voraus. Das…

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    Territoriale Integrität

    Territoriale Integrität ist der völkerrechtliche Schutz des Staatsgebiets vor gewaltsamer Beeinträchtigung, Abtrennung oder Besetzung durch andere Staaten. Artikel 2 Nummer 4 UN-Charta verbietet Gewalt gegen territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit. Der Grundsatz steht neben Souveränität, Interventionsverbot und Selbstbestimmungsrecht. Grenzänderungen sind durch wirksame Vereinbarung möglich; gewaltsamer Gebietserwerb wird grundsätzlich nicht anerkannt. Innerstaatliche Autonomiekonflikte sind nicht ohne…

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    Vertragsauslegung im Völkerrecht

    Vertragsauslegung im Völkerrecht ist die Ermittlung von Bedeutung und Reichweite völkerrechtlicher Vertragsbestimmungen. Ausgangspunkt sind Wortlaut, Zusammenhang sowie Ziel und Zweck des Vertrags, ausgelegt nach Treu und Glauben. Einzubeziehen sind Präambel, Anlagen, spätere Übereinkünfte und einschlägige Völkerrechtssätze. Vorbereitungsarbeiten und Abschlussumstände dienen ergänzend der Bestätigung oder Klärung, wenn die allgemeine Auslegung mehrdeutig, dunkel oder offensichtlich unvernünftig bleibt….

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    Persistent Objector

    Persistent Objector ist ein Staat, der einer sich herausbildenden Norm des Völkergewohnheitsrechts von Beginn an klar, öffentlich und beharrlich widerspricht. Unter engen Voraussetzungen wird die neue Gewohnheitsrechtsnorm ihm gegenüber nicht verbindlich. Der Widerspruch muss während der Normbildung aufrechterhalten und durch konsistentes Verhalten bestätigt werden. Gegen bereits bestehendes Gewohnheitsrecht oder zwingendes Völkerrecht kann ein späterer Einwand…

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    Repressalie

    Eine Repressalie ist eine an sich völkerrechtswidrige Zwangsmaßnahme, mit der ein Staat auf einen vorausgegangenen Völkerrechtsverstoß eines anderen Staates reagiert. Im modernen Recht wird für zulässige Reaktionen überwiegend der Begriff Gegenmaßnahme verwendet. Bewaffnete Repressalien sind wegen des Gewaltverbots grundsätzlich unzulässig. Im humanitären Völkerrecht bestehen zusätzliche, weitreichende Verbote, insbesondere zum Schutz von Zivilpersonen, Verwundeten, Gefangenen und…

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    Embargo

    Ein Embargo ist eine staatliche oder internationale Beschränkung des Handels oder sonstiger wirtschaftlicher Beziehungen mit einem bestimmten Staat, Gebiet, Unternehmen oder Personenkreis. Es kann insbesondere Ausfuhren, Einfuhren, Finanzierungen, Waffen oder strategische Güter betreffen. Embargos werden als außenpolitische Gegenmaßnahme, als Sanktion des Sicherheitsrates oder auf Grundlage regionalen Rechts eingesetzt. Ihre Rechtmäßigkeit hängt von Zuständigkeit, Rechtsgrundlage, Verhältnismäßigkeit…

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    Blockade im Völkerrecht

    Eine Blockade im Völkerrecht ist die organisierte Abriegelung von Küsten, Häfen, Verkehrswegen oder Gebieten, um den Zugang und die Versorgung eines Gegners zu unterbinden. Eine militärische Seeblockade ist eine Methode der Kriegführung und unterliegt dem Gewaltverbot, dem Recht bewaffneter Konflikte sowie besonderen Anforderungen an Bekanntgabe, Wirksamkeit, Gleichbehandlung und humanitären Schutz. Friedenszeitliche Abriegelungen können rechtswidrige Gewalt…

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    Aggression im Völkerrecht

    Aggression im Völkerrecht ist der besonders schwere Einsatz bewaffneter Gewalt eines Staates gegen Souveränität, territoriale Unversehrtheit oder politische Unabhängigkeit eines anderen Staates. Typische Handlungen sind Invasion, Bombardierung, Blockade oder der Einsatz bewaffneter Banden von erheblichem Gewicht. Die Bewertung richtet sich nach der UN-Charta, der Aggressionsdefinition der Generalversammlung und für individuelle strafrechtliche Verantwortung nach dem Römischen…

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    Kriegsgefangener

    Kriegsgefangener ist ein Angehöriger bestimmter Personengruppen, der in einem internationalen bewaffneten Konflikt in die Gewalt der gegnerischen Partei gerät und nach dem humanitären Völkerrecht besonderen Schutz genießt. Er darf wegen seiner bloßen rechtmäßigen Teilnahme an Feindseligkeiten grundsätzlich nicht bestraft werden, bleibt aber für Kriegsverbrechen verantwortlich. Maßgeblich sind vor allem die Dritte Genfer Konvention und ergänzende…

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    Uti-possidetis-Prinzip

    Uti-possidetis-Prinzip ist ein völkerrechtlicher Grundsatz, nach dem frühere interne Verwaltungsgrenzen bei Erlangung staatlicher Unabhängigkeit grundsätzlich zu internationalen Grenzen werden. Er soll nach Dekolonisation oder Staatszerfall Stabilität sichern und gewaltsame Grenzkonflikte vermeiden. Maßgeblich sind die rechtlichen Grenztitel im Zeitpunkt der Unabhängigkeit; tatsächliche Herrschaft kann ergänzende Bedeutung haben. Das Prinzip entscheidet nicht notwendig über Eigentum oder individuelle…