| |

Verfahrenskostenhilfe

Verfahrenskostenhilfe ist die staatliche Kostenhilfe für Beteiligte in familiengerichtlichen Verfahren und Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, die die Verfahrenskosten nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen nicht, nur teilweise oder nur in Raten aufbringen können. Zusätzlich muss die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung hinreichende Aussicht auf Erfolg bieten und darf nicht mutwillig erscheinen. Das Gericht kann einen Rechtsanwalt beiordnen und Zahlungen aus Einkommen oder Vermögen festsetzen.

Rechtliche Einordnung

§ 76 FamFG verweist für die Verfahrenskostenhilfe weitgehend auf die Regeln der Zivilprozessordnung über Prozesskostenhilfe. Der Antragsteller muss seine persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen und Belege einreichen. Über den Antrag entscheidet das zuständige Gericht.

Rechtsfolgen und praktische Bedeutung

Die Bewilligung kann Gerichtskosten und die Vergütung des beigeordneten Rechtsanwalts erfassen. Sie schützt nicht automatisch vor einem möglichen Kostenerstattungsanspruch des Gegners. Das Gericht kann die wirtschaftlichen Verhältnisse später nachprüfen und die Zahlungsanordnung ändern.

Abgrenzung

Verfahrenskostenhilfe entspricht funktional der Prozesskostenhilfe, wird aber insbesondere im Familiengericht und in FamFG-Verfahren so bezeichnet. Für außergerichtliche Beratung gibt es Beratungshilfe.

Beispiel

Ein Elternteil kann die Kosten eines gerichtlichen Sorgerechtsverfahrens nicht tragen. Er legt seine Einkommensunterlagen vor. Das Familiengericht prüft Bedürftigkeit, Erfolgsaussicht und Mutwilligkeit und ordnet gegebenenfalls einen Rechtsanwalt bei.

Häufige Fragen

Muss Verfahrenskostenhilfe zurückgezahlt werden?

Das Gericht kann Raten anordnen und die Verhältnisse nachträglich prüfen; eine vollständige Zahlungspflicht besteht nicht automatisch.

Zahlt sie den gegnerischen Rechtsanwalt?

Ein eigener Kostenerstattungsanspruch des Gegners wird durch die Bewilligung grundsätzlich nicht beseitigt.

Ist immer ein Rechtsanwalt beigeordnet?

Nein. Die Beiordnung richtet sich nach gesetzlichen Voraussetzungen und dem jeweiligen Verfahren.

Verwandte Begriffe und Quellen

§ 76 FamFG, info-familienrecht.de und anwaltsrecht-faq.de

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • | |

    Abgeschlossenheitsbescheinigung

    Abgeschlossenheitsbescheinigung Abgeschlossenheitsbescheinigung ist die behördliche Bestätigung, dass Wohnungen oder sonstige Räume, an denen Sondereigentum begründet werden soll, baulich hinreichend von anderen Einheiten getrennt sind. Sie wird auf Grundlage des Aufteilungsplans erteilt und ist regelmäßig Voraussetzung für die Eintragung von Wohnungs- oder Teileigentum. Die Bescheinigung trifft grundsätzlich keine abschließende Aussage über Baurecht, Nutzungszulässigkeit oder privatrechtliche Sondereigentumsfähigkeit…

  • |

    Erbschein

    Der Erbschein ist ein amtliches Zeugnis des Nachlassgerichts darüber, wer Erbe geworden ist und welchen Beschränkungen sein Erbrecht unterliegt. Er dient dem Erben als Nachweis im Rechtsverkehr, etwa gegenüber Banken, Behörden oder Vertragspartnern. Der Erbschein begründet die Erbenstellung nicht, sondern gibt sie nur wieder. Ist die Erbfolge bereits durch eine öffentliche Verfügung von Todes wegen…

  • |

    Sachrüge

    Die Sachrüge ist eine Form der Revisionsbegründung im Strafverfahren, mit der beanstandet wird, dass das angefochtene Urteil materielles Recht verletzt. Sie eröffnet dem Revisionsgericht die Prüfung, ob die schriftlichen Urteilsgründe die Verurteilung oder den Rechtsfolgenausspruch rechtlich tragen. Eine nähere Begründung ist grundsätzlich nicht erforderlich; die allgemeine Rüge der Verletzung sachlichen Rechts genügt. Neue Tatsachen oder…

  • | | |

    EGMR-Urteil

    Ein EGMR-Urteil ist eine gerichtliche Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte über die Begründetheit einer Staaten- oder Individualbeschwerde. Darin stellt der Gerichtshof fest, ob ein Vertragsstaat die Europäische Menschenrechtskonvention oder ein Zusatzprotokoll verletzt hat. Das Urteil kann außerdem eine gerechte Entschädigung nach Art. 41 EMRK zusprechen. Endgültige Urteile sind nach Art. 46 EMRK für den…

  • |

    Beweislastumkehr im Arzthaftungsrecht

    Die Beweislastumkehr im Arzthaftungsrecht bewirkt, dass nicht der Patient, sondern der Behandelnde bestimmte für die Haftung bedeutsame Tatsachen widerlegen muss. Sie greift nur in gesetzlich oder richterrechtlich anerkannten Fallgruppen ein. Besonders wichtig ist § 630h BGB: Bei einem groben Behandlungsfehler kann vermutet werden, dass der Fehler für den eingetretenen Gesundheitsschaden ursächlich war, sofern er grundsätzlich…

  • Räumungsschutz

    Räumungsschutz umfasst gerichtliche Möglichkeiten, eine bevorstehende Zwangsräumung vorübergehend aufzuschieben oder einzustellen. Neben einer Räumungsfrist kann insbesondere Vollstreckungsschutz nach § 765a ZPO beantragt werden, wenn die Vollstreckung wegen besonderer Umstände eine sittenwidrige Härte bedeuten würde. Die Anforderungen sind hoch; bloße Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche genügen nicht stets. Interessen des Gläubigers, Gesundheitsgefahren und zumutbare Schutzmaßnahmen werden sorgfältig…