|

Verteidigerausschluss

Verteidigerausschluss ist die gerichtliche Entfernung eines Verteidigers aus einem Strafverfahren unter besonders engen gesetzlichen Voraussetzungen. Er kommt insbesondere in Betracht, wenn der Verteidiger dringend verdächtig ist, an der untersuchten Tat beteiligt zu sein, den Verkehr mit einem inhaftierten Beschuldigten für Straftaten zu missbrauchen oder bestimmte Gefährdungen zu fördern. Der Ausschluss greift tief in die freie Verteidigerwahl ein und verlangt ein förmliches Verfahren, qualifizierten Verdacht sowie eine Entscheidung des zuständigen Gerichts.

Rechtliche Bedeutung

Die Maßnahme schützt die Integrität des Strafverfahrens, darf aber legitime engagierte Verteidigung nicht sanktionieren.

Voraussetzungen und Folgen

Der gesetzliche Ausschlussgrund muss konkret belegt sein. Verteidiger und Beschuldigter erhalten grundsätzlich Gelegenheit zur Äußerung; Rechtsmittel sind vorgesehen.

Beispiel

Ermittlungen ergeben konkrete Hinweise, dass ein Verteidiger Nachrichten zur Fortsetzung der angeklagten Organisation übermittelt. Das zuständige Gericht prüft seinen Ausschluss.

Häufige Fragen

Kann das Tatgericht allein ausschließen?

Die Zuständigkeit richtet sich nach den besonderen Vorschriften der Strafprozessordnung und liegt häufig bei einem höheren Gericht.

Genügt ein Konflikt mit dem Richter?

Nein. Erforderlich ist ein gesetzlich bestimmter Ausschlussgrund.

Was geschieht mit dem Beschuldigten?

Seine Verteidigung muss, besonders bei notwendiger Verteidigung, anderweitig sichergestellt werden.

Weiterführende Hinweise

Siehe auch Ermittlungsverfahren, Beschuldigter, Angeklagter, Hauptverhandlung und Beweisverwertungsverbot. Vertiefend: Strafrecht FAQ und gesetzliche Grundlage.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Gerichtsvollzieher

    Der Gerichtsvollzieher ist ein Justizbeamter, der vor allem Maßnahmen der Zwangsvollstreckung in das bewegliche Vermögen des Schuldners durchführt. Zu seinen Aufgaben zählen insbesondere Sachpfändungen, die Abnahme der Vermögensauskunft, Zustellungen und bestimmte Räumungsvollstreckungen. Er handelt auf Antrag des Gläubigers und innerhalb der gesetzlichen Grenzen. Zugleich muss er die Rechte des Schuldners und Dritter beachten sowie unpfändbare…

  • Bestechung

    Bestechung ist das Anbieten, Versprechen oder Gewähren eines Vorteils an einen Amtsträger als Gegenleistung für eine pflichtwidrige Diensthandlung. Der Begriff gehört zum Strafrecht und dient dem Schutz bestimmter individueller oder allgemeiner Rechtsgüter. Für eine Strafbarkeit müssen die gesetzlichen objektiven und subjektiven Voraussetzungen sowie grundsätzlich Rechtswidrigkeit und Schuld vorliegen. Maßgeblich sind die einschlägigen Strafgesetze und ihre…

  • Tätigkeitsdelikt

    Tätigkeitsdelikt ist eine Straftat, deren Tatbestand bereits durch die beschriebene Tätigkeit vollendet wird, ohne einen davon abtrennbaren Erfolg zu verlangen. Er ordnet eine bestimmte Fallgestaltung in das System strafrechtlicher Verantwortlichkeit ein und grenzt sie von verwandten Konstellationen ab. Seine Anwendung kann Tatbestand, Zurechnung, Rechtswidrigkeit oder Schuld und damit das Ergebnis der Strafbarkeitsprüfung beeinflussen. Maßgeblich sind…

  • |

    Verbandsklage

    Verbandsklage bezeichnet eine Klage, die ein Verband im eigenen Namen zur gerichtlichen Kontrolle fremder oder überindividueller Interessen erhebt. Anders als bei der üblichen Klage muss nicht notwendig eine eigene individuelle Rechtsverletzung des Verbands vorliegen. Eine Verbandsklage ist nur zulässig, wenn ein Gesetz sie ausdrücklich eröffnet und der Verband die jeweiligen Anerkennungs-, Tätigkeits- und Verfahrensvoraussetzungen erfüllt….

  • |

    Verfahrensbeistand

    Verfahrensbeistand ist ein vom Familiengericht bestellter Interessenvertreter eines minderjährigen Kindes in einer Kindschaftssache. Er ermittelt die Interessen, Wünsche und Bindungen des Kindes und bringt sie eigenständig in das gerichtliche Verfahren ein. Der Verfahrensbeistand ist weder gesetzlicher Vertreter noch Rechtsanwalt des Kindes und entscheidet nicht anstelle des Gerichts. Eine Bestellung ist insbesondere erforderlich, wenn Kindesinteressen erheblich…

  • Sachpfändung

    Die Sachpfändung ist eine Form der Zwangsvollstreckung in bewegliche körperliche Gegenstände des Schuldners. Der Gerichtsvollzieher nimmt dabei pfändbare Sachen in Besitz oder kennzeichnet sie als gepfändet. Mit der Pfändung entsteht ein staatliches Pfändungspfandrecht; die Sache kann später verwertet werden, um die Forderung des Gläubigers zu befriedigen. Unpfändbare Gegenstände, insbesondere notwendige Haushalts- und Berufssachen, bleiben zum…