|

Blutentnahme

Blutentnahme ist die Gewinnung einer Blutprobe für strafprozessuale Untersuchungen, insbesondere zur Bestimmung von Alkohol, Betäubungsmitteln, Medikamenten oder genetischen Merkmalen. Der Eingriff darf ohne Einwilligung des Beschuldigten angeordnet werden, wenn er für das Verfahren erforderlich ist und kein Nachteil für seine Gesundheit zu befürchten ist. Die Entnahme muss grundsätzlich durch einen Arzt nach den Regeln ärztlicher Kunst erfolgen. Bei bestimmten Verkehrsdelikten sieht das Gesetz besondere Anordnungskompetenzen ohne vorherige Richterentscheidung vor.

Rechtliche Bedeutung

Die Probe ist ein körperliches Beweismittel; Entnahme und spätere Analyse benötigen jeweils eine tragfähige gesetzliche Grundlage.

Voraussetzungen und Folgen

Tatverdacht, Beweisbedeutung und Verhältnismäßigkeit müssen vorliegen. Zwang darf nur im erforderlichen Umfang angewandt werden.

Beispiel

Nach einer auffälligen Autofahrt ordnet die Polizei wegen Verdachts der Trunkenheit eine ärztliche Blutentnahme zur Bestimmung der Alkoholkonzentration an.

Häufige Fragen

Darf die Polizei anordnen?

Bei bestimmten Verkehrs- und anderen gesetzlich geregelten Delikten ja; sonst gelten die allgemeinen Zuständigkeitsregeln.

Kann der Beschuldigte sich weigern?

Er muss eine rechtmäßige Entnahme dulden, braucht aber nicht freiwillig mitzuwirken.

Wer analysiert die Probe?

Ein geeignetes Labor nach den für den Untersuchungszweck geltenden fachlichen und rechtlichen Regeln.

Weiterführende Hinweise

Siehe auch Ermittlungsverfahren, Beschuldigter, Angeklagter, Hauptverhandlung und Beweisverwertungsverbot. Vertiefend: Strafrecht FAQ und gesetzliche Grundlage.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Kapitulation

    Kapitulation ist die völkerrechtlich relevante Erklärung oder Vereinbarung, mit der Streitkräfte ihre Kampfhandlungen einstellen und sich dem Gegner ergeben. Sie kann einzelne Verbände, einen befestigten Ort oder die gesamten Streitkräfte betreffen. Die Bedingungen dürfen nicht gegen zwingendes humanitäres Völkerrecht verstoßen. Eine Kapitulation beendet nicht zwingend den Kriegszustand zwischen den Staaten; sie löst jedoch insbesondere Pflichten…

  • |

    Sitzungsprotokoll im Strafprozess

    Sitzungsprotokoll im Strafprozess ist die gesetzlich vorgeschriebene Niederschrift über Ablauf und wesentliche Förmlichkeiten der Hauptverhandlung. Es dokumentiert insbesondere Ort und Zeit, Besetzung, Beteiligte, Verfahrenshandlungen, Anträge, Beschlüsse und die Urteilsverkündung. Für bestimmte wesentliche Förmlichkeiten besitzt das Protokoll besondere Beweiskraft: Ihr Vorliegen oder Fehlen kann grundsätzlich nur durch das Protokoll nachgewiesen werden. Inhalt, Fertigstellung und Berichtigung unterliegen…

  • Rechtswidrigkeit im Strafrecht

    Rechtswidrigkeit im Strafrecht bezeichnet die rechtliche Missbilligung einer tatbestandsmäßigen Handlung mangels Rechtfertigungsgrund. Der Begriff gehört zum Allgemeinen Teil des Strafrechts und bestimmt Voraussetzungen, Zurechnung oder persönliche Verantwortlichkeit einer Straftat. Seine genaue Einordnung entscheidet häufig darüber, ob und wegen welcher Beteiligungs- oder Begehungsform ein Täter strafbar ist. Maßgeblich sind das Strafgesetzbuch und die hierzu entwickelte strafgerichtliche…

  • |

    Gegenstandswert

    Gegenstandswert ist der in Geld ausgedrückte Wert des Gegenstands einer anwaltlichen oder gerichtlichen Tätigkeit. Er dient häufig als Berechnungsgrundlage für Rechtsanwaltsgebühren und kann je nach Verfahren zugleich dem Streitwert entsprechen. Maßgeblich sind die einschlägigen Wertvorschriften, der wirtschaftliche Umfang des Auftrags und gegebenenfalls eine gerichtliche Festsetzung. Ein hoher Gegenstandswert bedeutet nicht, dass dieser Betrag gezahlt wird;…

  • Prozessrecht

    Prozessrecht ist die Gesamtheit der Regeln über gerichtliche Verfahren. Es bestimmt insbesondere Zuständigkeit, Beteiligte, Verfahrensablauf, Beweisaufnahme, Entscheidungen, Rechtsmittel und Vollstreckung. Anders als das materielle Recht legt es nicht primär fest, welche Ansprüche oder Verbote bestehen, sondern wie diese vor Gericht festgestellt und durchgesetzt werden. Zum Prozessrecht gehören unter anderem Zivilprozessrecht, Strafprozessrecht, Verwaltungsprozessrecht sowie die Verfahrensordnungen…

  • |

    Deckungsklage

    Die Deckungsklage ist eine Klage, mit der der Versicherungsnehmer gerichtlich feststellen oder durchsetzen lässt, dass der Versicherer für einen bestimmten Versicherungsfall Versicherungsschutz gewähren muss. Sie kommt insbesondere nach einer abgelehnten Deckungsanfrage in der Haftpflicht-, Rechtsschutz-, Berufs- oder Sachversicherung in Betracht. Streitpunkte sind häufig Risikoausschlüsse, Obliegenheitsverletzungen, zeitliche Einordnung des Versicherungsfalls und Umfang der geschuldeten Leistung. Rechtliche…