|

Hausdurchsuchung

Die Hausdurchsuchung ist die gezielte Suche staatlicher Ermittlungsorgane in Wohnungen, Geschäftsräumen oder anderen geschützten Räumen nach Personen, Beweismitteln oder Gegenständen. Sie greift in die Unverletzlichkeit der Wohnung aus Art. 13 GG ein und bedarf grundsätzlich einer richterlichen Anordnung. Nur bei Gefahr im Verzug dürfen Staatsanwaltschaft oder ihre Ermittlungspersonen unter gesetzlichen Voraussetzungen handeln. Anlass, Ziel, Umfang und Durchführung müssen verhältnismäßig sein.

Voraussetzungen

Bei einem Beschuldigten setzt die Durchsuchung insbesondere den Verdacht voraus, dass sie zur Ergreifung oder zum Auffinden von Beweismitteln führen wird. Bei unbeteiligten Dritten gelten strengere Voraussetzungen. Der Beschluss muss Tatvorwurf und Suchziel hinreichend begrenzen.

Durchführung und Rechte

Betroffene dürfen den Beschluss einsehen und sollten auf eine genaue Dokumentation beschlagnahmter Gegenstände achten. Sie müssen die Maßnahme grundsätzlich dulden, sind aber nicht verpflichtet, aktiv an ihrer eigenen Überführung mitzuwirken.

Beispiel

Ein Gericht ordnet wegen eines konkret begründeten Betrugsverdachts die Suche nach Geschäftsunterlagen und Datenträgern in den Büroräumen des Beschuldigten an.

Häufige Fragen

Darf nachts durchsucht werden?

Nur unter besonderen gesetzlichen Voraussetzungen; für nächtliche Durchsuchungen bestehen erhöhte Hürden.

Kann die Durchsuchung überprüft werden?

Ja. Gegen Anordnung und Durchführung kommen je nach Lage gerichtliche Rechtsbehelfe in Betracht.

Verwandte Begriffe

Strafanzeige, Ermittlungsverfahren, Beschlagnahme, Richtervorbehalt, Verhältnismäßigkeit.

Weitere Informationen bietet strafrecht-faq.de.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Augenschein

    Augenschein ist ein Beweismittel, bei dem das Gericht oder die zuständige Stelle einen Gegenstand, Ort, Zustand oder Vorgang selbst wahrnimmt. Er kann durch Besichtigung eines Grundstücks, einer Sache, einer Bild- oder Tonaufnahme oder eines digitalen Inhalts erfolgen. Der Augenschein ermöglicht einen unmittelbaren Eindruck und ergänzt häufig Zeugen- oder Sachverständigenbeweis. Sein Gewicht bestimmt das Gericht im…

  • |

    Hauptverfahren im Strafprozess

    Das Hauptverfahren im Strafprozess beginnt mit dem gerichtlichen Beschluss, das Hauptverfahren zu eröffnen. Es schließt an das Zwischenverfahren an und umfasst insbesondere die Vorbereitung und Durchführung der Hauptverhandlung. Dort erhebt das Gericht die entscheidungserheblichen Beweise und entscheidet über den angeklagten Tatvorwurf. Der Angeklagte kann sich verteidigen, schweigen und Beweisanträge stellen. Das Hauptverfahren endet regelmäßig durch…

  • Sachverständigenbeweis

    Der Sachverständigenbeweis dient der Aufklärung von Tatsachen, deren Beurteilung besondere Fachkenntnisse erfordert. Ein Sachverständiger vermittelt dem Gericht Erkenntnisse aus einem wissenschaftlichen, technischen, medizinischen oder sonstigen Fachgebiet. Er entscheidet den Rechtsstreit nicht selbst; die rechtliche Würdigung bleibt Aufgabe des Gerichts. Das Gutachten ist ein Beweismittel, dessen Überzeugungskraft das Gericht kritisch und eigenverantwortlich würdigen muss. Funktion und…

  • |

    Internationale Rechtshängigkeit

    Internationale Rechtshängigkeit beschreibt die prozessuale Lage, dass derselbe oder ein eng zusammenhängender Streit vor Gerichten verschiedener Staaten anhängig ist. Koordinierungsregeln sollen widersprüchliche Entscheidungen und parallele Verfahren vermeiden. Im Anwendungsbereich der Brüssel-Ia-Verordnung setzt das später angerufene Gericht bei identischen Ansprüchen zwischen denselben Parteien sein Verfahren grundsätzlich aus, bis die Zuständigkeit des zuerst angerufenen Gerichts feststeht. Für…

  • | |

    Sorgerechtsentzug

    Sorgerechtsentzug ist die familiengerichtliche Entziehung einzelner Teile oder der gesamten elterlichen Sorge zum Schutz eines gefährdeten Kindes. Er setzt eine konkrete Gefährdung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls voraus, die Eltern nicht abwenden können oder wollen. Das Gericht muss den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz beachten und vorrangig mildere Hilfen oder Teilmaßnahmen prüfen. Entzogene Befugnisse werden einem Pfleger oder…

  • Gerichtskosten

    Gerichtskosten sind die gesetzlich bestimmten Gebühren und Auslagen, die für die Tätigkeit eines Gerichts entstehen. Ihre Höhe richtet sich nach dem jeweiligen Kostenrecht, häufig nach Streitwert, Verfahrensart und Verfahrensverlauf. Zu den Auslagen zählen etwa Entschädigungen von Zeugen oder Sachverständigen. Wer die Kosten endgültig trägt, bestimmt das Gericht regelmäßig in der Kostenentscheidung; häufig folgt die Kostenlast…