Postulationsfähigkeit

Postulationsfähigkeit ist die Fähigkeit, vor einem bestimmten Gericht selbst wirksam Prozesshandlungen vorzunehmen. Sie richtet sich nach der jeweiligen Verfahrensordnung und dem Instanzenzug. Wo Anwaltszwang besteht, kann eine Partei trotz Partei- und Prozessfähigkeit nicht selbst wirksam auftreten, sondern benötigt einen zugelassenen Rechtsanwalt. Die Postulationsfähigkeit betrifft damit die zulässige Vertretung vor Gericht und soll insbesondere in höheren Instanzen eine sachkundige Prozessführung gewährleisten.

Funktion im Verfahren

Sie bestimmt, wer vor dem konkreten Gericht Anträge stellen, Erklärungen abgeben und Rechtsmittel wirksam führen darf.

Prüfung und Rechtsfolge

Die Voraussetzungen und Rechtsfolgen richten sich nach der jeweils anwendbaren Verfahrensordnung. Das Gericht prüft prozessuale Anforderungen grundsätzlich in der gesetzlich vorgesehenen Reihenfolge und berücksichtigt dabei rechtliches Gehör sowie effektiven Rechtsschutz.

Beispiel

Vor dem Landgericht müssen sich Parteien im Zivilprozess grundsätzlich durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen.

Häufige Fragen

Ist der Begriff in allen Gerichtsbarkeiten identisch?

Nein. Grundgedanke und Funktion sind vergleichbar, Einzelheiten können sich jedoch nach ZPO, VwGO, StPO und weiteren Verfahrensordnungen unterscheiden.

Prüft das Gericht dies von Amts wegen?

Viele grundlegende Verfahrensvoraussetzungen werden von Amts wegen geprüft; einzelne Tatsachen müssen die Beteiligten jedoch vortragen oder nachweisen.

Verwandte Begriffe

Prozessvollmacht, Parteifähigkeit, Prozessfähigkeit

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Gerichtskosten

    Gerichtskosten sind die gesetzlich bestimmten Gebühren und Auslagen, die für die Tätigkeit eines Gerichts entstehen. Ihre Höhe richtet sich nach dem jeweiligen Kostenrecht, häufig nach Streitwert, Verfahrensart und Verfahrensverlauf. Zu den Auslagen zählen etwa Entschädigungen von Zeugen oder Sachverständigen. Wer die Kosten endgültig trägt, bestimmt das Gericht regelmäßig in der Kostenentscheidung; häufig folgt die Kostenlast…

  • Versäumnisurteil

    Ein Versäumnisurteil ist eine gerichtliche Entscheidung, die im Zivilprozess wegen Säumnis einer Partei ergehen kann. Erscheint der Beklagte nicht oder verteidigt er sich nicht rechtzeitig, prüft das Gericht das schlüssige Vorbringen des Klägers nur eingeschränkt; bei Säumnis des Klägers wird die Klage grundsätzlich abgewiesen. Gegen das Urteil ist regelmäßig Einspruch möglich. Das Verfahren soll beschleunigt…

  • |

    Strafanzeige

    Die Strafanzeige ist die Mitteilung eines Sachverhalts an Polizei, Staatsanwaltschaft oder Amtsgericht, aus dem sich der Verdacht einer Straftat ergeben kann. Sie kann grundsätzlich von jedermann mündlich, schriftlich oder elektronisch erstattet werden und setzt keine persönliche Betroffenheit voraus. Die Behörde prüft anschließend, ob ein Anfangsverdacht besteht und Ermittlungen einzuleiten sind. Von der Strafanzeige zu unterscheiden…

  • Begründetheit einer Klage

    Begründetheit einer Klage bedeutet, dass das mit der Klage verfolgte Begehren nach dem maßgeblichen materiellen Recht Erfolg haben muss. Erst wenn die Klage zulässig ist, prüft das Gericht grundsätzlich, ob der behauptete Anspruch besteht oder der angegriffene Hoheitsakt rechtswidrig ist und den Kläger in eigenen Rechten verletzt. Maßstab und Prüfungsaufbau richten sich nach Klageart und…

  • | | |

    Einseitige Erklärung vor dem EGMR

    Eine einseitige Erklärung vor dem EGMR ist eine Erklärung des beschwerdegegnerischen Staates, mit der dieser eine Konventionsverletzung anerkennt und eine angemessene Wiedergutmachung anbietet. Sie kommt besonders in Betracht, wenn eine gütliche Einigung nicht zustande kommt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kann eine Beschwerde auf dieser Grundlage auch gegen den Willen des Beschwerdeführers aus seinem Register…

  • Prozessvoraussetzungen

    Prozessvoraussetzungen sind die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit ein Gericht in einem Verfahren sachlich entscheiden darf. Dazu können insbesondere Gerichtsbarkeit, Zuständigkeit, ordnungsgemäße Klageerhebung, Partei- und Prozessfähigkeit, Prozessführungsbefugnis und Rechtsschutzbedürfnis gehören. Welche Voraussetzungen gelten, richtet sich nach der jeweiligen Verfahrensordnung. Fehlt eine unverzichtbare Prozessvoraussetzung, ist die Klage regelmäßig unzulässig, ohne dass das Gericht ihre materielle…