|

Finanzgericht

Ein Finanzgericht ist ein besonderes Verwaltungsgericht, das in erster Instanz über öffentlich-rechtliche Streitigkeiten in Abgabenangelegenheiten entscheidet. Dazu gehören vor allem Klagen gegen Entscheidungen der Finanzämter. Regelmäßig muss zuvor ein außergerichtliches Einspruchsverfahren durchgeführt werden. Gegen Urteile des Finanzgerichts kann unter gesetzlichen Voraussetzungen Revision oder Beschwerde zum Bundesfinanzhof eingelegt werden.

Zuständigkeit

Die Zuständigkeit richtet sich nach der Finanzgerichtsordnung. Typische Verfahren betreffen Einkommen-, Umsatz-, Körperschaft- oder Gewerbesteuer sowie Kindergeld und bestimmte Zollangelegenheiten.

Verfahren

Das Finanzgericht ermittelt den Sachverhalt grundsätzlich von Amts wegen. Es ist an das Vorbringen der Beteiligten nicht in derselben Weise gebunden wie ein Zivilgericht. Gleichwohl bestehen Mitwirkungspflichten.

Beispiel

Weist das Finanzamt den Einspruch gegen einen Steuerbescheid zurück, kann der Steuerpflichtige innerhalb der Klagefrist Anfechtungsklage beim zuständigen Finanzgericht erheben.

Häufige Fragen

Gehört das Finanzgericht zur Finanzverwaltung?

Nein. Es ist ein unabhängiges Gericht.

Braucht man dort einen Anwalt?

Vor dem Finanzgericht besteht grundsätzlich kein Vertretungszwang; vor dem Bundesfinanzhof gelten strengere Regeln.

Verwandte Begriffe

Finanzgerichtsbarkeit, Bundesfinanzhof, Einspruch, Anfechtungsklage, Finanzgerichtsordnung

Weitere Informationen bietet steuerrecht-faq.de.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Zwangsverwaltung

    Die Zwangsverwaltung ist eine Form der Zwangsvollstreckung in Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte. Anders als bei der Zwangsversteigerung wird das Grundstück nicht veräußert; ein gerichtlich bestellter Verwalter zieht vielmehr die laufenden Erträge, etwa Mieten, ein und verwendet sie nach den gesetzlichen Regeln zur Befriedigung der Gläubiger. Sie kann neben einer Zwangsversteigerung angeordnet werden und wird vom…

  • Gerichtskosten

    Gerichtskosten sind die gesetzlich bestimmten Gebühren und Auslagen, die für die Tätigkeit eines Gerichts entstehen. Ihre Höhe richtet sich nach dem jeweiligen Kostenrecht, häufig nach Streitwert, Verfahrensart und Verfahrensverlauf. Zu den Auslagen zählen etwa Entschädigungen von Zeugen oder Sachverständigen. Wer die Kosten endgültig trägt, bestimmt das Gericht regelmäßig in der Kostenentscheidung; häufig folgt die Kostenlast…

  • Wiedereinsetzung in den vorigen Stand

    Die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ermöglicht es einem Verfahrensbeteiligten, die Folgen einer unverschuldet versäumten gesetzlichen Frist zu beseitigen. Wird sie gewährt, wird das Verfahren so behandelt, als wäre die versäumte Handlung rechtzeitig vorgenommen worden. Voraussetzung sind regelmäßig ein fristgerechter Antrag, die glaubhafte Darlegung des fehlenden Verschuldens und das rechtzeitige Nachholen der versäumten Handlung. Einzelheiten…

  • Steuerpflichtiger

    Steuerpflichtiger ist, wer nach den Steuergesetzen eine Steuer schuldet, für eine Steuer haftet, eine Steuer für Rechnung eines Dritten einzubehalten und abzuführen hat oder eine Steuererklärung abgeben, Bücher führen oder andere steuerliche Pflichten erfüllen muss. Der Begriff ist damit weiter als der des Steuerschuldners und wird in § 33 der Abgabenordnung definiert. Gesetzliche Bedeutung Die…

  • |

    Arzthaftungsprozess

    Der Arzthaftungsprozess ist ein gerichtliches Zivilverfahren über Ansprüche wegen einer fehlerhaften medizinischen Behandlung oder unzureichenden Aufklärung. Der Patient verlangt typischerweise Schadensersatz und Schmerzensgeld vom Behandelnden oder Krankenhausträger. Kennzeichnend sind medizinisch komplexe Tatsachenfragen, die regelmäßig durch Sachverständigengutachten geklärt werden, sowie besondere Beweisregeln der §§ 630a bis 630h BGB und der hierzu entwickelten Rechtsprechung. Rechtliche Bedeutung Im…