Abwesenheitsverfahren
Abwesenheitsverfahren bezeichnet strafprozessuale Konstellationen, in denen ohne Anwesenheit des Angeklagten verhandelt oder entschieden wird. Grundsätzlich darf eine Hauptverhandlung gegen einen ausgebliebenen Angeklagten nicht stattfinden, weil persönliche Anwesenheit, rechtliches Gehör und unmittelbare Sachaufklärung gesichert werden sollen. Die Strafprozessordnung kennt jedoch begrenzte Ausnahmen, etwa bei eigenmächtiger Entfernung, bestimmten geringfügigen Vorwürfen oder ausdrücklicher Entbindung. Voraussetzungen und Reichweite sind eng auszulegen; notwendige Verteidigung und nachträglicher Rechtsschutz können hinzukommen.
Rechtliche Bedeutung
Der Begriff umfasst mehrere Ausnahmen vom Anwesenheitsgrundsatz, nicht ein einheitliches Verfahren mit identischen Regeln.
Voraussetzungen und Folgen
Die konkrete Norm bestimmt Ladung, Belehrung, Vertretung, Strafrahmen und zulässige Verfahrenshandlungen. Unentschuldigtes Fernbleiben allein genügt nicht immer.
Beispiel
Ein Angeklagter ist bei einem geringfügigen Vorwurf auf Antrag vom persönlichen Erscheinen entbunden und wird in der Hauptverhandlung durch seinen Verteidiger vertreten.
Häufige Fragen
Ist Abwesenheit der Regelfall?
Nein. Die Anwesenheit des Angeklagten ist im Strafprozess grundsätzlich vorgeschrieben.
Kann bei Flucht verhandelt werden?
Nur unter den besonderen gesetzlichen Voraussetzungen; häufig wird das Verfahren ausgesetzt oder die Festnahme angeordnet.
Gibt es nachträglichen Rechtsschutz?
Je nach Verfahrensart kommen Wiedereinsetzung, Einspruch oder Rechtsmittel in Betracht.
Weiterführende Hinweise
Siehe auch Ermittlungsverfahren, Beschuldigter, Angeklagter, Hauptverhandlung und Beweisverwertungsverbot. Vertiefend: Strafrecht FAQ und gesetzliche Grundlage.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.