| |

Internationales Familienrecht

Internationales Familienrecht umfasst die Regeln für familienrechtliche Sachverhalte mit Bezug zu mehreren Staaten. Es beantwortet insbesondere, welches Gericht international zuständig ist, welches nationale Recht anzuwenden ist und unter welchen Voraussetzungen ausländische Entscheidungen anerkannt oder vollstreckt werden. Typische Fälle betreffen Eheschließung, Scheidung, Unterhalt, Abstammung, elterliche Sorge, Adoption und grenzüberschreitende Kindesentführungen.

Rechtliche Bedeutung

Das Rechtsgebiet verbindet Internationales Privatrecht mit internationalem Zivilverfahrensrecht. Seine Quellen liegen im deutschen Recht, im Unionsrecht und in völkerrechtlichen Übereinkommen. Je nach Sachgebiet gelten unterschiedliche Anknüpfungen und Zuständigkeitsordnungen.

Voraussetzungen und Folgen

Staatsangehörigkeit, gewöhnlicher Aufenthalt und Rechtswahl können je nach Regelwerk entscheidend sein. Zuständigkeit und anwendbares Recht sind getrennt zu prüfen: Ein deutsches Gericht kann etwa ausländisches Familienrecht anwenden müssen.

Beispiel

Ein deutsches und ein italienisches Ehepaar lebt in Belgien und beantragt die Scheidung in Deutschland. Zu prüfen sind internationale Zuständigkeit, anzuwendendes Scheidungsrecht und spätere Anerkennung.

Häufige Fragen

Gilt immer das Recht des angerufenen Gerichts?

Nein. Kollisionsnormen können zur Anwendung ausländischen Rechts führen.

Ist die Staatsangehörigkeit stets ausschlaggebend?

Nein. In vielen modernen Regelwerken ist der gewöhnliche Aufenthalt wichtiger.

Verwandte Begriffe

Siehe Internationales Privatrecht, Internationales Zivilverfahrensrecht und HKÜ.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Haager Übereinkommen

    Haager Übereinkommen ist ein Sammelbegriff für völkerrechtliche Verträge, die überwiegend im Rahmen der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht ausgearbeitet wurden. Sie vereinheitlichen grenzüberschreitende Regeln etwa zu Zustellung, Beweisaufnahme, Kindesentführung, Kinderschutz, Unterhalt, Gerichtsstandsvereinbarungen und Anerkennung von Entscheidungen. Welches Übereinkommen gilt, muss stets genau bestimmt werden. Rechtliche Bedeutung Die Übereinkommen gelten nur für Vertragsstaaten und nach innerstaatlicher…

  • |

    Elternzeit

    Elternzeit ist der gesetzliche Anspruch eines Arbeitnehmers auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit zur Betreuung und Erziehung seines Kindes. Pro Kind können grundsätzlich bis zu drei Jahre genommen werden. Das Arbeitsverhältnis bleibt bestehen; während der Elternzeit gelten besonderer Kündigungsschutz und Möglichkeiten einer zulässigen Teilzeitbeschäftigung. Elternzeit und Elterngeld sind rechtlich voneinander zu unterscheiden. Rechtliche Bedeutung Die…

  • Kollisionsrecht

    Kollisionsrecht ist ein anderer Begriff für Internationales Privatrecht. Es löst den Konflikt mehrerer möglicherweise anwendbarer Rechtsordnungen bei Sachverhalten mit Auslandsberührung. Kollisionsnormen wählen anhand bestimmter Anknüpfungsmerkmale eine Rechtsordnung aus. Sie sagen grundsätzlich nicht selbst, welche materiellen Rechte und Pflichten bestehen, sondern verweisen auf das Recht, das diese Fragen beantwortet. Rechtliche Bedeutung In Deutschland stammen Kollisionsnormen vor…

  • Gewöhnlicher Aufenthalt

    Gewöhnlicher Aufenthalt ist der tatsächliche Mittelpunkt der Lebensführung einer Person und ein wichtiges Anknüpfungsmerkmal des internationalen Privat- und Verfahrensrechts. Er wird nicht allein durch Anmeldung, Staatsangehörigkeit oder eine bestimmte Mindestdauer bestimmt. Entscheidend sind alle Umstände, insbesondere Dauer, Regelmäßigkeit, soziale Integration und Gründe des Aufenthalts. Je nach Rechtsinstrument kann der Begriff eigenständig auszulegen sein. Rechtliche Bedeutung…

  • Ordre public

    Ordre public ist ein Vorbehalt, der die Anwendung ausländischen Rechts oder die Anerkennung einer ausländischen Entscheidung ausnahmsweise verhindert, wenn das Ergebnis mit wesentlichen Grundsätzen der inländischen Rechtsordnung offensichtlich unvereinbar wäre. Er dient als enges Korrektiv und nicht dazu, jede Abweichung vom deutschen Recht zu beseitigen. Rechtliche Bedeutung Ordre-public-Klauseln finden sich unter anderem in Art. 6…

  • Gewöhnlicher Aufenthalt des Kindes

    Der gewöhnliche Aufenthalt des Kindes ist der Ort, an dem sich der tatsächliche Mittelpunkt seines Lebens befindet. Er wird nicht allein durch Anmeldung, Staatsangehörigkeit oder den Willen eines Elternteils bestimmt. Maßgeblich ist eine Gesamtwürdigung der konkreten Lebensumstände, insbesondere Dauer und Regelmäßigkeit des Aufenthalts, familiäre und soziale Einbindung, Betreuung, Schule oder Kindergarten sowie Alter und Entwicklungsstand…