Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ist eine freiheitsentziehende Maßregel für einen Täter, dessen rechtswidrige Tat überwiegend auf einen Hang zum übermäßigen Konsum alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel zurückgeht. Das Gericht ordnet sie nur an, wenn die gesetzlich geforderte Gefahr weiterer erheblicher Taten besteht und aufgrund tatsächlicher Anhaltspunkte ein Behandlungserfolg innerhalb der maßgeblichen Frist zu erwarten ist. Die Maßregel dient Therapie und Schutz, nicht zusätzlicher Vergeltung.

Rechtliche Bedeutung

Die Unterbringung setzt einen engen Zusammenhang zwischen Hang und Anlasstat sowie eine hinreichend konkrete Erfolgsaussicht der Behandlung voraus.

Voraussetzungen und Folgen

Das Gericht klärt die Voraussetzungen regelmäßig sachverständig. Neben einer Freiheitsstrafe bestimmt das Vollstreckungsrecht, in welcher Reihenfolge Strafe und Maßregel vollzogen werden.

Beispiel

Ein langjährig abhängiger Täter begeht wiederholt erhebliche Beschaffungsdelikte. Eine Unterbringung kommt nur in Betracht, wenn die Taten überwiegend auf dem Hang beruhen und die Therapie erfolgversprechend ist.

Häufige Fragen

Genügt jede Suchterkrankung?

Nein. Erforderlich sind der gesetzliche Hang, der Zusammenhang mit der Tat und die Gefahr weiterer erheblicher Taten.

Muss Therapieerfolg sicher sein?

Nein, aber konkrete tatsächliche Anhaltspunkte müssen den Erfolg innerhalb der gesetzlichen Frist erwarten lassen.

Ist die Maßregel eine Strafe?

Nein. Sie dient Behandlung und Sicherung, kann aber neben einer Strafe angeordnet werden.

Weiterführende Hinweise

Im Zusammenhang stehen Strafzumessung, Geldstrafe, Freiheitsstrafe, Schuld und Bewährung. Vertiefende Informationen bietet strafrecht-faq.de. Maßgeblich ist außerdem § 64 StGB.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Versuch einer Straftat

    Der Versuch einer Straftat liegt vor, wenn der Täter nach seiner Vorstellung von der Tat zur Verwirklichung eines Straftatbestands unmittelbar ansetzt, die Tat aber nicht vollendet wird. Erforderlich sind insbesondere Tatentschluss und unmittelbares Ansetzen. Der Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar, der eines Vergehens nur bei ausdrücklicher gesetzlicher Anordnung. Auch ein untauglicher Versuch kann strafbar…

  • Mittäterexzess

    Ein Mittäterexzess liegt vor, wenn ein Mittäter bei der Tatausführung vorsätzlich über den gemeinsamen Tatplan hinausgeht. Die überschießende Handlung wird den übrigen Beteiligten nicht nach § 25 Abs. 2 StGB zugerechnet, soweit sie von deren Vorsatz nicht umfasst ist. Entscheidend ist daher nicht allein der äußere Geschehensablauf, sondern die Reichweite des gemeinsamen Tatentschlusses. Unwesentliche oder…

  • |

    Ermittlungsverfahren

    Das Ermittlungsverfahren ist der erste Abschnitt des Strafverfahrens. Es dient der Prüfung, ob gegen einen Beschuldigten ein hinreichender Tatverdacht besteht und Anklage erhoben werden soll. Geleitet wird es grundsätzlich von der Staatsanwaltschaft, die belastende und entlastende Umstände zu ermitteln hat. Ausgelöst wird es durch eine Strafanzeige, einen Strafantrag oder eigene Wahrnehmungen der Strafverfolgungsbehörden bei bestehendem…

  • |

    Strengbeweisverfahren

    Das Strengbeweisverfahren ist die gesetzlich geregelte Form der Beweisaufnahme über Tatsachen, die im Strafprozess Schuld, Tatbestand und Rechtsfolgen betreffen. Das Gericht darf seine Feststellungen grundsätzlich nur auf die in der Strafprozessordnung vorgesehenen Beweismittel stützen: Zeugen, Sachverständige, Urkunden, Augenschein und Einlassung des Angeklagten. Die Erhebung erfolgt in der Hauptverhandlung unter Beachtung von Mündlichkeit, Unmittelbarkeit und Beteiligungsrechten….

  • |

    Strafverteidiger

    Der Strafverteidiger ist der unabhängige Beistand des Beschuldigten im Strafverfahren. Er wahrt dessen Verfahrensrechte, prüft Tatvorwurf und Beweislage, nimmt Akteneinsicht, berät über Aussageverhalten und entwickelt eine sachgerechte Verteidigungsstrategie. Nach § 137 StPO darf sich der Beschuldigte in jeder Lage des Verfahrens eines Verteidigers bedienen. Der Strafverteidiger ist weder Hilfsorgan der Strafverfolgungsbehörden noch bloßer Stellvertreter, sondern…

  • |

    Geldwäsche

    Geldwäsche nach § 261 StGB ist der strafbare Umgang mit einem Gegenstand, der aus einer rechtswidrigen Tat herrührt. Erfasst werden insbesondere Verbergen, vereitelungsgerichtetes Umtauschen oder Übertragen, Sichverschaffen, Verwahren und Verwenden sowie das Verheimlichen oder Verschleiern auffindungs- oder herkunftsrelevanter Tatsachen. Seit dem sogenannten All-Crimes-Ansatz kann grundsätzlich jede rechtswidrige Straftat Vortat sein. Neben vorsätzlichem Handeln ist auch…