| |

Verfassungsbeschwerde einer juristischen Person

Eine juristische Person kann Verfassungsbeschwerde erheben, soweit ein Grundrecht seinem Wesen nach auf sie anwendbar ist. Für inländische juristische Personen folgt dies aus Artikel 19 Absatz 3 GG. Entscheidend ist, ob die betroffene Freiheit kollektiv ausgeübt werden kann und die Organisation eine grundrechtstypische Gefährdungslage aufweist. Juristische Personen des öffentlichen Rechts sind grundsätzlich nicht grundrechtsberechtigt; Ausnahmen gelten insbesondere für grundrechtlich verselbstständigte Einrichtungen.

Rechtliche Einordnung

Die Beschwerdefähigkeit hängt von der materiellen Grundrechtsfähigkeit und der konkreten Anwendbarkeit des gerügten Rechts ab.

Voraussetzungen und Rechtsfolgen

Voraussetzungen

Erforderlich sind eine beschwerdefähige Organisation, ein wesensmäßig anwendbares Grundrecht und mögliche eigene, gegenwärtige sowie unmittelbare Betroffenheit.

Rechtsfolgen

Bei gegebener Grundrechtsfähigkeit kann die juristische Person wie ein natürlicher Beschwerdeführer verfassungsgerichtlichen Schutz beanspruchen.

Beispiel

Eine inländische Pressegesellschaft rügt, durch ein Gerichtsurteil in ihrer Pressefreiheit verletzt zu sein.

Häufige Fragen

Kann eine GmbH Grundrechte geltend machen?

Ja, soweit das jeweilige Grundrecht wesensmäßig anwendbar ist.

Sind Gemeinden grundrechtsberechtigt?

Grundsätzlich nicht; ihnen stehen besondere verfassungsrechtliche Rechtsbehelfe offen.

Was gilt für ausländische EU-Unternehmen?

Ihre Behandlung wird unionsrechtskonform und differenziert nach dem betroffenen Grundrecht bestimmt.

Weiterführende Hinweise

Passende Wörterbuchartikel: Verfassungsbeschwerde, Beschwerdebefugnis, Bundesverfassungsgericht. Weiterführende, nicht werbliche Quellen sind anwalt-verfassungsbeschwerde.de, grundrechte-faq.de, das-grundgesetz.de und das Bundesverfassungsgerichtsgesetz.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • | | |

    Aufenthaltsgestattung

    Aufenthaltsgestattung ist der gesetzliche Aufenthaltsstatus eines Ausländers während des laufenden Asylverfahrens. Sie entsteht grundsätzlich mit der gesetzlich bestimmten Stellung oder Äußerung des Asylgesuchs und wird durch eine Bescheinigung dokumentiert. Die Aufenthaltsgestattung ist kein Aufenthaltstitel. Sie kann räumlichen Beschränkungen, Wohnpflichten und besonderen Regeln zur Erwerbstätigkeit unterliegen. Ihr Bestand richtet sich nach dem Verlauf und Abschluss des…

  • |

    Soft Law

    Soft Law bezeichnet internationale Regeln, Standards oder Erklärungen, die rechtlich nicht unmittelbar verbindlich sind, aber Verhalten steuern und rechtliche Entwicklung beeinflussen. Dazu zählen häufig Resolutionen, Leitlinien, Verhaltenskodizes und politische Vereinbarungen. Ihre Wirkung beruht auf politischer Autorität, institutioneller Praxis, Erwartungsbildung und freiwilliger Befolgung. Soft Law kann Vertragsauslegung prägen, innerstaatlich umgesetzt werden oder zur Entstehung von Völkergewohnheitsrecht…

  • |

    Sozialgerichtsbarkeit

    Die Sozialgerichtsbarkeit ist die Fachgerichtsbarkeit für öffentlich-rechtliche Streitigkeiten auf wesentlichen Gebieten der sozialen Sicherung. Dazu gehören insbesondere gesetzliche Kranken-, Renten-, Unfall- und Pflegeversicherung, Bürgergeld, Arbeitsförderung und soziale Entschädigung. Ihr Instanzenzug besteht aus Sozialgerichten, Landessozialgerichten und dem Bundessozialgericht. Das Verfahren richtet sich nach dem Sozialgerichtsgesetz und ist von besonderen Untersuchungs-, Beteiligungs- und Kostenregeln geprägt. Ehrenamtliche Richter…

  • Gebühr

    Eine Gebühr ist eine öffentlich-rechtliche Geldleistung, die als Gegenleistung für eine konkrete öffentliche Leistung oder die Inanspruchnahme einer öffentlichen Einrichtung erhoben wird. Sie unterscheidet sich von der Steuer durch ihren Leistungsbezug und vom Beitrag durch ihren Bezug zur tatsächlichen Nutzung. Gebühren können Benutzungsgebühren oder Verwaltungsgebühren sein. Grundlage sind gesetzliche Regelungen und häufig kommunale Gebührensatzungen. Funktion…

  • | |

    Erbunwürdigkeit

    Erbunwürdigkeit ist der gesetzliche Ausschluss eines Erben oder Vermächtnisnehmers wegen besonders schwerwiegenden Fehlverhaltens gegenüber dem Erblasser oder dessen letzter Willensbildung. Gründe können etwa vorsätzliche Tötung, Verhinderung der Testamentserrichtung oder bestimmte Urkundendelikte sein. Die Unwürdigkeit wirkt grundsätzlich nicht automatisch, sondern muss nach dem Erbfall durch Anfechtungsklage geltend gemacht werden. Bei Erfolg gilt der Erwerb als nicht…