Bewährungshelfer

Der Bewährungshelfer unterstützt und überwacht einen Verurteilten, den das Gericht während der Bewährungszeit seiner Aufsicht und Leitung unterstellt hat. Rechtsgrundlage ist insbesondere § 56d StGB. Seine Aufgabe verbindet soziale Hilfe mit gerichtlicher Kontrolle: Er fördert stabile Lebensverhältnisse, begleitet die Erfüllung von Auflagen und Weisungen und berichtet dem Gericht in festgelegten Abständen sowie über erhebliche Verstöße. Über Änderungen, Sanktionen oder einen Bewährungswiderruf entscheidet jedoch ausschließlich das Gericht.

Gerichtliche Unterstellung

Der Bewährungshelfer wird vom Gericht bestellt. Eine Unterstellung erfolgt, wenn sie angezeigt ist, um den Verurteilten von weiteren Straftaten abzuhalten. Sie kann für die gesamte Bewährungszeit oder nur für einen Teil angeordnet werden. Nicht jeder Verurteilte mit ausgesetzter Freiheitsstrafe erhält daher automatisch einen Bewährungshelfer.

Bei der Aussetzung einer Freiheitsstrafe von mehr als neun Monaten unterstellt das Gericht den Verurteilten nach § 56d Abs. 2 StGB in der Regel der Bewährungshilfe, wenn er noch nicht 27 Jahre alt ist. Die Regel kann bei besonderen Umständen des Einzelfalls durchbrochen werden. Auch bei einer Aussetzung des Strafrests nach § 57 StGB kann Bewährungshilfe angeordnet werden.

Hilfe und Betreuung

Der Bewährungshelfer unterstützt den Verurteilten bei Schwierigkeiten, die für ein straffreies Leben bedeutsam sind. Dazu können Wohnungs- und Arbeitssuche, Schuldenregulierung, Behördenkontakte, Therapieanbindung oder die Strukturierung des Alltags gehören. Er ist dabei weder Verteidiger noch privater Bevollmächtigter und kann gerichtliche Entscheidungen nicht ersetzen.

Überwachung und Berichte

Nach § 56d Abs. 3 StGB überwacht der Bewährungshelfer im Einvernehmen mit dem Gericht die Erfüllung von Auflagen, Weisungen, Anerbieten und Zusagen. Das Gericht bestimmt, in welchen Zeitabständen über die Lebensführung zu berichten ist. Gröbliche oder beharrliche Verstöße muss der Bewährungshelfer mitteilen. Das gilt auch für Entwicklungen, die für die Legalprognose wesentlich sind.

Die Betreuung ist deshalb kein uneingeschränkt vertrauliches Beratungsverhältnis. Der Bewährungshelfer darf nicht den Eindruck vermitteln, relevante Verstöße würden geheim bleiben. Zugleich soll er ein tragfähiges Arbeitsverhältnis aufbauen und dem Verurteilten praktische Hilfe anbieten.

Abgrenzung zu Auflagen und Weisungen

Auflagen nach § 56b StGB dienen vor allem dem Ausgleich des begangenen Unrechts, etwa durch Schadenswiedergutmachung oder gemeinnützige Leistung. Weisungen nach § 56c StGB steuern die künftige Lebensführung und sollen weitere Straftaten verhindern. Der Bewährungshelfer erlässt diese Vorgaben nicht; er unterstützt und kontrolliert ihre Befolgung.

Folgen von Verstößen

Der Bewährungshelfer kann die Bewährung weder verlängern noch widerrufen. Er berichtet dem Gericht. Dieses prüft nach § 56f StGB, ob ein Widerrufsgrund besteht und ob mildere Reaktionen ausreichen, etwa zusätzliche Auflagen oder Weisungen, eine Verlängerung der Bewährungszeit oder eine intensivere Unterstellung.

Beispiel

Ein zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilter Täter erhält Bewährung und muss eine ambulante Suchttherapie absolvieren. Der Bewährungshelfer vermittelt eine Beratungsstelle, kontrolliert die Terminwahrnehmung und bespricht Rückfallrisiken. Nach wiederholtem unentschuldigtem Therapieabbruch berichtet er dem Gericht. Dieses entscheidet, ob eine neue Weisung genügt oder ein Widerruf zu prüfen ist.

Häufige Fragen

Muss jeder Verurteilte einen Bewährungshelfer haben?

Nein. Die Unterstellung setzt eine gerichtliche Entscheidung und die gesetzlichen Voraussetzungen voraus.

Kann der Bewährungshelfer Weisungen ändern?

Nein. Er kann dem Gericht Entwicklungen mitteilen und Maßnahmen anregen; entscheiden muss das Gericht.

Unterliegt der Bewährungshelfer uneingeschränkter Verschwiegenheit?

Nein. Sein gesetzlicher Überwachungs- und Berichtsauftrag begrenzt die Vertraulichkeit.

Rechtsgrundlagen und Vertiefung

Maßgeblich sind § 56d StGB, § 56f StGB und bei Strafrestaussetzung § 57 StGB. Weitere Hinweise bietet strafrecht-faq.de.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

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