|

Beweisanregung

Eine Beweisanregung ist der formlose Hinweis eines Verfahrensbeteiligten an das Strafgericht, eine bestimmte Beweiserhebung zu erwägen. Anders als ein förmlicher Beweisantrag enthält sie nicht notwendig eine bestimmte Tatsachenbehauptung und ein konkret bezeichnetes Beweismittel oder beansprucht keine Entscheidung nach den besonderen Ablehnungsregeln. Das Gericht muss die Anregung im Rahmen seiner Amtsaufklärung berücksichtigen. Ob es ihr folgt, hängt davon ab, ob sich die vorgeschlagene Beweiserhebung zur Erforschung der Wahrheit aufdrängt.

Rechtliche Bedeutung

Die Beweisanregung kann mündlich oder schriftlich erfolgen. Ihre Bezeichnung ist weniger wichtig als ihr tatsächlicher Inhalt.

Voraussetzungen und Folgen

Eine Ablehnung benötigt grundsätzlich keinen förmlichen Beschluss nach dem Beweisantragsrecht. Unterbleibt gebotene Aufklärung, kann jedoch eine Aufklärungsrüge Erfolg haben.

Beispiel

Der Angeklagte bittet das Gericht, die Wetterdaten des Tattages zu prüfen, ohne eine konkrete Tatsache oder Auskunftsstelle zu benennen. Das Gericht bewertet dies als Beweisanregung.

Häufige Fragen

Wer darf eine Beweisanregung geben?

Jeder Verfahrensbeteiligte kann das Gericht auf mögliche Beweiserhebungen hinweisen.

Bindet die Anregung das Gericht?

Nein. Maßgeblich bleibt die gerichtliche Pflicht zur umfassenden Sachaufklärung.

Ist eine bestimmte Form vorgeschrieben?

Nein. Für die spätere Nachprüfbarkeit ist eine klare Dokumentation dennoch sinnvoll.

Weiterführende Hinweise

Siehe auch Ermittlungsverfahren, Beschuldigter, Angeklagter, Hauptverhandlung und Beweisverwertungsverbot. Vertiefend: Strafrecht FAQ und gesetzliche Grundlage.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Ingerenz

    Ingerenz bezeichnet die Begründung einer Garantenpflicht durch pflichtwidriges Vorverhalten, das eine nahe Gefahr für ein geschütztes Rechtsgut geschaffen hat. Er ordnet eine bestimmte Fallgestaltung in das System strafrechtlicher Verantwortlichkeit ein und grenzt sie von verwandten Konstellationen ab. Seine Anwendung kann Tatbestand, Zurechnung, Rechtswidrigkeit oder Schuld und damit das Ergebnis der Strafbarkeitsprüfung beeinflussen. Maßgeblich sind die…

  • | |

    Verfassungsbeschwerde einer juristischen Person

    Eine juristische Person kann Verfassungsbeschwerde erheben, soweit ein Grundrecht seinem Wesen nach auf sie anwendbar ist. Für inländische juristische Personen folgt dies aus Artikel 19 Absatz 3 GG. Entscheidend ist, ob die betroffene Freiheit kollektiv ausgeübt werden kann und die Organisation eine grundrechtstypische Gefährdungslage aufweist. Juristische Personen des öffentlichen Rechts sind grundsätzlich nicht grundrechtsberechtigt; Ausnahmen…

  • |

    Verfahrensbeistand

    Verfahrensbeistand ist ein vom Familiengericht bestellter Interessenvertreter eines minderjährigen Kindes in einer Kindschaftssache. Er ermittelt die Interessen, Wünsche und Bindungen des Kindes und bringt sie eigenständig in das gerichtliche Verfahren ein. Der Verfahrensbeistand ist weder gesetzlicher Vertreter noch Rechtsanwalt des Kindes und entscheidet nicht anstelle des Gerichts. Eine Bestellung ist insbesondere erforderlich, wenn Kindesinteressen erheblich…

  • Bundesgerichtshof

    Der Bundesgerichtshof ist das oberste Bundesgericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Er entscheidet hauptsächlich über Revisionen und Rechtsbeschwerden in Zivil- und Strafsachen und sichert damit die Einheitlichkeit und Fortbildung des Rechts. Eine neue umfassende Tatsachenfeststellung findet regelmäßig nicht statt. Der Gerichtshof ist in Zivil- und Strafsenate sowie besondere Senate gegliedert; bei Abweichungen können Große Senate oder Vereinigte…

  • Subventionsbetrug

    Subventionsbetrug ist das vorsätzliche oder in bestimmten Fällen leichtfertige Täuschen beziehungsweise pflichtwidrige Verhalten im Zusammenhang mit einer Subvention nach § 264 StGB. Der Begriff bezeichnet eine gesetzlich geregelte Form strafbaren Verhaltens und ist von verwandten Straftatbeständen sorgfältig abzugrenzen. Für die Strafbarkeit müssen die objektiven und subjektiven Merkmale sowie Rechtswidrigkeit und Schuld vorliegen. Maßgeblich sind das…

  • Dolus generalis

    Dolus generalis bezeichnet eine ältere Fallgruppe, in der der Täter den Erfolg irrtümlich schon durch eine erste Handlung für eingetreten hält, ihn tatsächlich aber erst durch eine spätere Handlung verursacht. Er ordnet eine bestimmte Fallgestaltung in das System strafrechtlicher Verantwortlichkeit ein und grenzt sie von verwandten Konstellationen ab. Seine Anwendung kann Tatbestand, Zurechnung, Rechtswidrigkeit oder…