Bewährungszeit

Die Bewährungszeit ist der gerichtlich festgesetzte Zeitraum, in dem sich der Verurteilte nach Aussetzung einer Freiheitsstrafe oder eines Strafrests bewähren muss. Bei einer Strafaussetzung nach § 56 StGB beträgt sie gemäß § 56a StGB mindestens zwei und höchstens fünf Jahre und beginnt mit Rechtskraft der Aussetzungsentscheidung. Währenddessen können Auflagen, Weisungen und Bewährungshilfe gelten. Der bloße Fristablauf bewirkt noch keinen Straferlass; hierüber entscheidet das Gericht gesondert.

Funktion der Bewährungszeit

Die Bewährungszeit ist eine Prognose- und Kontrollphase. Die Freiheitsstrafe bleibt rechtskräftig verhängt, wird aber zunächst nicht vollstreckt. Der Verurteilte soll zeigen, dass er künftig auch ohne Strafvollzug straffrei lebt. Gerichtliche Maßnahmen können Risiken mindern und die soziale Stabilisierung unterstützen.

Dauer nach § 56a StGB

Bei Aussetzung der gesamten Freiheitsstrafe bestimmt das Gericht eine Dauer zwischen zwei und fünf Jahren. Die konkrete Bemessung richtet sich besonders nach Rückfallrisiko, notwendiger Beobachtungsdauer und Unterstützungsbedarf. Die Bewährungszeit ist unabhängig von der Länge der ausgesetzten Strafe: Zehn Monate Freiheitsstrafe können beispielsweise mit drei Jahren Bewährungszeit verbunden werden.

Beginn

Die Frist beginnt mit Rechtskraft der Entscheidung über die Strafaussetzung. Nicht maßgeblich sind Urteilsverkündung, Haftentlassung oder Zustellung des Bewährungsbeschlusses, sofern diese Zeitpunkte nicht mit der Rechtskraft zusammenfallen.

Nachträgliche Änderung

Das Gericht kann die Bewährungszeit nach § 56a Abs. 2 StGB nachträglich bis auf zwei Jahre verkürzen oder vor ihrem Ablauf bis auf fünf Jahre verlängern. Bei Verstößen kann nach § 56f Abs. 2 StGB zusätzlich eine Verlängerung bis zur Hälfte der ursprünglich bestimmten Dauer in Betracht kommen, wenn dies statt eines Widerrufs ausreicht.

Auflagen und Weisungen

Während der Bewährungszeit können Auflagen nach § 56b StGB das begangene Unrecht ausgleichen, etwa durch Schadenswiedergutmachung oder gemeinnützige Leistung. Weisungen nach § 56c StGB dienen der Verhinderung weiterer Straftaten und können beispielsweise Aufenthalt, Kontakte, Meldetermine oder Therapie betreffen. Die Maßnahmen müssen bestimmt und zumutbar sein.

Bewährungshilfe

Das Gericht kann den Verurteilten für die gesamte Bewährungszeit oder einen Teil davon der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellen. Dieser unterstützt die Lebensführung, überwacht gerichtliche Vorgaben und berichtet über erhebliche Verstöße. Über Änderungen oder einen Widerruf entscheidet ausschließlich das Gericht.

Neue Straftaten und Verstöße

Eine neue Straftat führt nicht automatisch zum Widerruf. Nach § 56f StGB ist entscheidend, ob sie zeigt, dass die der Aussetzung zugrunde liegende Erwartung sich nicht erfüllt hat. Auch gröbliche oder beharrliche Weisungsverstöße oder das beharrliche Entziehen von Bewährungshilfe können einen Widerruf rechtfertigen. Reichen zusätzliche Maßnahmen oder eine Verlängerung aus, soll das Gericht vom Widerruf absehen.

Ablauf und Straferlass

Mit dem letzten Tag der Bewährungszeit ist die Strafe noch nicht automatisch erlassen. Das Gericht prüft, ob Widerrufsgründe bestehen, und erlässt die Strafe anschließend nach § 56g StGB. Der Straferlass beendet die Vollstreckbarkeit der ausgesetzten Strafe, beseitigt aber die Verurteilung nicht.

Besonderheit bei Strafrestaussetzung

Wird nach § 57 StGB nur der Rest einer bereits teilweise vollstreckten Strafe ausgesetzt, gelten die Bewährungsvorschriften entsprechend. Hat der Verurteilte mindestens ein Jahr verbüßt, darf die Bewährungszeit auch bei nachträglicher Verkürzung nicht kürzer sein als der ausgesetzte Strafrest.

Beispiel

Das Gericht verurteilt einen Täter zu einem Jahr Freiheitsstrafe und setzt die Vollstreckung für drei Jahre aus. Es ordnet Schadenswiedergutmachung und monatliche Meldung beim Bewährungshelfer an. Nach zwei beanstandungsfreien Jahren kann eine Verkürzung geprüft werden. Nach Fristablauf entscheidet das Gericht gesondert über den Straferlass.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Bewährungszeit?

Bei § 56 StGB grundsätzlich mindestens zwei und höchstens fünf Jahre.

Führt jeder Auflagenverstoß zum Widerruf?

Nein. Das Gericht prüft Gewicht, Verschulden, Prognose und mildere Maßnahmen.

Ist die Strafe am letzten Bewährungstag automatisch erlassen?

Nein. Der Straferlass erfordert eine gerichtliche Entscheidung nach § 56g StGB.

Rechtsgrundlagen und Vertiefung

Wesentlich sind § 56a StGB, § 56f StGB, § 56g StGB und für Strafreste § 57 StGB. Weitere Hinweise bietet strafrecht-faq.de.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Ablehnung eines Beweisantrags

    Die Ablehnung eines Beweisantrags ist die gerichtliche Entscheidung, eine beantragte Beweiserhebung in der strafrechtlichen Hauptverhandlung nicht durchzuführen. Sie ist nur aus gesetzlich anerkannten Gründen zulässig, etwa weil die Tatsache unerheblich, bereits erwiesen, offenkundig oder das Beweismittel völlig ungeeignet beziehungsweise unerreichbar ist. Das Gericht muss seine Entscheidung grundsätzlich durch begründeten Beschluss bekannt geben. Die Begründung soll…

  • |

    Strafbarkeit juristischer Personen

    Strafbarkeit juristischer Personen bezeichnet die Frage, ob ein Verband selbst wegen einer Straftat sanktioniert werden kann. Das deutsche Kernstrafrecht geht weiterhin von der persönlichen Strafbarkeit natürlicher Personen aus. Juristische Personen und Personenvereinigungen können jedoch insbesondere mit einer Verbandsgeldbuße nach § 30 OWiG belegt werden und Adressaten einer Einziehung sein. Davon zu trennen sind die individuelle…

  • Üble Nachrede

    Üble Nachrede ist das Behaupten oder Verbreiten einer Tatsache in Bezug auf einen anderen, die geeignet ist, ihn verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, sofern die Tatsache nicht erweislich wahr ist. § 186 StGB schützt die persönliche Ehre vor rufschädigenden Tatsachenmitteilungen gegenüber Dritten. Der Täter muss die Unwahrheit nicht kennen; weiß er,…

  • |

    Sicherstellung

    Sicherstellung ist die Begründung staatlicher Verwahrung über einen Gegenstand, der als Beweismittel für ein Strafverfahren bedeutsam sein kann oder anderen strafprozessualen Zwecken dient. Gibt der Gewahrsamsinhaber den Gegenstand freiwillig heraus, erfolgt die Sicherstellung regelmäßig ohne förmliche Beschlagnahme. Bei Widerspruch ist grundsätzlich eine Beschlagnahmeanordnung erforderlich. Die Maßnahme muss dokumentiert, verhältnismäßig und auf die notwendige Dauer beschränkt…

  • Täter hinter dem Täter

    Täter hinter dem Täter bezeichnet Konstellationen mittelbarer Täterschaft, in denen der unmittelbar Handelnde selbst vorsätzlich und schuldhaft handelt, der Hintermann das Geschehen aber aufgrund überlegener Steuerungsmacht dennoch als eigene Tat beherrscht. Die Formel macht deutlich, dass volle Verantwortlichkeit des Vordermanns mittelbare Täterschaft nicht ausnahmslos ausschließt. Anerkannte Anwendungsfelder können Organisationsherrschaft, vermeidbarer Verbotsirrtum oder besondere Wissens- und…

  • Raub

    Raub nach § 249 StGB ist die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache unter Einsatz von Gewalt gegen eine Person oder einer Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben, um die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen. Das Nötigungsmittel muss gerade der Wegnahme dienen. Raub verbindet daher Merkmale von Diebstahl und qualifizierter Nötigung. Wegen…