Naturrechtskodifikation
Eine Naturrechtskodifikation ist ein Gesetzbuch der Aufklärung, das ein Rechtsgebiet systematisch, vollständig und vernunftgeleitet ordnen sollte. Seine Regeln wurden nicht nur aus überliefertem Gewohnheitsrecht abgeleitet, sondern mit allgemeinen Prinzipien menschlicher Vernunft und staatlicher Reform begründet. Bedeutende Beispiele sind das Allgemeine Preußische Landrecht von 1794, der französische Code civil von 1804 und das österreichische Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch von 1811. Naturrechtskodifikationen förderten Rechtseinheit, Zugänglichkeit und Zurückdrängung partikularer Rechte.
Historische Einordnung
Die Kodifikationsbewegung war eng mit Aufklärung, Zentralisierung und der Vorstellung eines rational gestaltbaren Rechts verbunden.
Rechtliche Bedeutung
Viele Gesetzbücher beseitigten ältere Rechtszersplitterung, blieben jedoch von ständischen Strukturen und den politischen Bedingungen ihrer Entstehungszeit geprägt.
Beispiel
Ein Herrscher lässt das verstreute Privatrecht in einem verständlich gegliederten Gesetzbuch zusammenfassen und begründet Regeln mit allgemeiner Vernunft statt bloßer Überlieferung.
Häufige Fragen
Was bedeutet Naturrecht hierbei?
Gemeint sind als vernünftig und allgemein gültig verstandene Grundsätze des Rechts.
War das BGB eine Naturrechtskodifikation?
Es entstand später und wurde stärker durch Historische Rechtsschule und Pandektistik geprägt.
Welche Wirkung hatten diese Kodifikationen?
Sie vereinheitlichten Recht und stärkten das Gesetz als zentrale Rechtsquelle.
Weiterführende Hinweise
Siehe auch Rechtsgeschichte, Reichskammergericht, Reichsgericht, Paulskirchenverfassung und Weimarer Reichsverfassung. Vertiefend: Das Grundgesetz und Bayerische Verfassung.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.