|

Beruhen des Urteils

Das Beruhen des Urteils bezeichnet den notwendigen Zusammenhang zwischen einer festgestellten Rechtsverletzung und der angefochtenen strafgerichtlichen Entscheidung. Nach § 337 StPO führt ein relativer Rechtsfehler nur zur Aufhebung, wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Urteil ohne ihn anders ausgefallen wäre. Das Revisionsgericht prüft daher die konkrete Möglichkeit einer Auswirkung auf Schuldspruch oder Rechtsfolgen. Bei absoluten Revisionsgründen wird das Beruhen kraft Gesetzes unwiderlegbar vermutet.

Rechtliche Bedeutung

Die Beruhensprüfung verhindert Aufhebungen wegen folgenloser Fehler, ohne den Revisionsführer zum Nachweis eines sicher anderen Ergebnisses zu zwingen.

Voraussetzungen und Folgen

Kann das Revisionsgericht jede Auswirkung ausschließen, bleibt das Urteil trotz Rechtsverletzung bestehen. Der Maßstab hängt von Art und Reichweite des Fehlers ab.

Beispiel

Ein Beweismittel wurde rechtsfehlerhaft verwertet. Beruht der Schuldspruch daneben ausschließlich auf eindeutigen, unabhängigen Beweisen, kann das Gericht eine Auswirkung möglicherweise ausschließen.

Häufige Fragen

Muss ein anderes Ergebnis sicher sein?

Nein. Regelmäßig genügt die konkrete Möglichkeit, dass der Fehler die Entscheidung beeinflusst hat.

Gilt die Prüfung bei § 338 StPO?

Nein. Bei absoluten Revisionsgründen wird das Beruhen gesetzlich vermutet.

Kann nur die Strafe betroffen sein?

Ja. Dann kann die Aufhebung auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkt werden.

Weiterführende Hinweise

Siehe auch Ermittlungsverfahren, Beschuldigter, Angeklagter, Hauptverhandlung und Beweisverwertungsverbot. Vertiefend: Strafrecht FAQ und gesetzliche Grundlage.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Schwurgericht

    Das Schwurgericht ist eine besondere große Strafkammer des Landgerichts für vorsätzliche Straftaten, durch die der Tod eines Menschen verursacht wurde, sowie weitere gesetzlich zugewiesene schwere Delikte. Trotz der historischen Bezeichnung ist es heute kein eigenständiges Geschworenengericht. Der Spruchkörper besteht in der Hauptverhandlung aus Berufsrichtern und Schöffen, die gemeinsam und mit grundsätzlich gleichem Stimmrecht entscheiden. Seine…

  • Postpendenz

    Postpendenz ist eine strafrechtliche Entscheidungsregel für Fälle, in denen eine spätere Tat sicher feststeht, während zweifelhaft bleibt, ob der Täter bereits an einer vorausgegangenen Tat beteiligt war. Er ordnet eine bestimmte Fallgestaltung in das System strafrechtlicher Verantwortlichkeit ein und grenzt sie von verwandten Konstellationen ab. Seine Anwendung kann Tatbestand, Rechtsfolge oder Verfahren und damit das…

  • Actio libera in causa

    Actio libera in causa bezeichnet eine Rechtsfigur für Fälle, in denen der Täter sich vor der Tat schuldhaft in einen Zustand der Schuldunfähigkeit versetzt. Der Begriff gehört zum Allgemeinen Teil des Strafrechts und bestimmt Voraussetzungen, Zurechnung oder persönliche Verantwortlichkeit einer Straftat. Seine genaue Einordnung entscheidet häufig darüber, ob und wegen welcher Beteiligungs- oder Begehungsform ein…

  • |

    Bestreiten mit Nichtwissen

    Bestreiten mit Nichtwissen ist die prozessuale Erklärung einer Partei, dass sie die vom Gegner behauptete Tatsache weder bestätigen noch aus eigener Kenntnis widerlegen kann. Es ist nur zulässig, wenn die Tatsache weder eine eigene Handlung der Partei noch Gegenstand ihrer eigenen Wahrnehmung war. Bestehen zumutbare Informationsmöglichkeiten im eigenen Geschäfts- oder Verantwortungsbereich, können vorherige Nachforschungen erforderlich…

  • |

    Spezifisches Verfassungsrecht

    Spezifisches Verfassungsrecht bezeichnet den verfassungsrechtlichen Maßstab, nach dem das Bundesverfassungsgericht fachgerichtliche Entscheidungen prüft. Nicht jeder Fehler bei der Anwendung einfachen Rechts ist zugleich ein Verfassungsverstoß. Bedeutung Die Auslegung und Anwendung des einfachen Rechts ist grundsätzlich Aufgabe der Fachgerichte. Das Bundesverfassungsgericht ist keine „Superrevisionsinstanz“. Es greift im Rahmen einer Verfassungsbeschwerde erst ein, wenn eine Entscheidung gerade…