|

Allgemeine Rechtsgrundsätze

Allgemeine Rechtsgrundsätze sind grundlegende rechtliche Wertungen und Strukturprinzipien, die in den Rechtsordnungen allgemein anerkannt sind und zur Lösung völkerrechtlicher Fragen herangezogen werden können. Sie bilden neben Verträgen und Völkergewohnheitsrecht eine klassische Völkerrechtsquelle. Ihre Funktion besteht vor allem darin, Regelungslücken zu schließen und ein kohärentes Verfahren zu ermöglichen. Beispiele sind Treu und Glauben, Rechtskraft, Verbot des Rechtsmissbrauchs und Pflicht zum Ersatz rechtswidrig verursachter Schäden.

Ermittlung

Ein Grundsatz wird durch vergleichende Betrachtung der wesentlichen nationalen Rechtsordnungen und seiner Übertragbarkeit auf die internationale Ebene ermittelt. Eine bloße Einzelregel eines Staates genügt nicht.

Funktion im Völkerrecht

Allgemeine Rechtsgrundsätze verhindern, dass ein internationales Gericht allein wegen einer Regelungslücke nicht entscheiden kann. Sie ergänzen bestehende Regeln, dürfen aber klare Verträge oder Gewohnheitsrecht nicht beliebig verdrängen.

Beispiel

Ein internationales Gericht berücksichtigt den Grundsatz, dass eine rechtskräftig entschiedene Sache zwischen denselben Parteien nicht erneut entschieden werden soll.

Häufige Fragen

Sind allgemeine Rechtsgrundsätze dasselbe wie Gewohnheitsrecht?

Nein. Sie werden aus allgemein anerkannten Rechtsprinzipien abgeleitet und setzen nicht dieselbe Staatenpraxis und Rechtsüberzeugung voraus.

Gehört Treu und Glauben dazu?

Ja. Treu und Glauben ist ein besonders bedeutsamer Grundsatz bei Auslegung und Erfüllung internationaler Pflichten.

Verwandte Begriffe

Völkerrecht, Völkerrechtsquelle, Treu und Glauben, Rechtskraft, Rechtsmissbrauch.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Gebhard-Formel

    Gebhard-Formel beschreibt die unionsrechtlichen Voraussetzungen, unter denen nationale Maßnahmen gerechtfertigt werden können, welche die Ausübung einer Grundfreiheit behindern oder weniger attraktiv machen. Die Maßnahme muss diskriminierungsfrei angewandt werden, durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses gerechtfertigt, zur Zielerreichung geeignet und auf das Erforderliche beschränkt sein. Die Formel entstand zur Niederlassungsfreiheit, prägt aber als strukturierter Verhältnismäßigkeitstest auch andere…

  • | | |

    Londoner Statut

    Das Londoner Statut vom 8. August 1945 war die rechtliche Grundlage des Internationalen Militärgerichtshofs in Nürnberg. Es wurde als Anlage zum Londoner Viermächteabkommen von den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und der Sowjetunion vereinbart. Das Statut regelte Zusammensetzung, Zuständigkeit und Verfahren des Gerichts und definierte Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die…

  • Gesetzgebungsverfahren

    Das Gesetzgebungsverfahren ist das verfassungsrechtlich geregelte Verfahren, in dem ein Gesetz entsteht. Auf Bundesebene umfasst es regelmäßig die Gesetzesinitiative, die Beratung und Beschlussfassung im Bundestag, die Beteiligung des Bundesrates, gegebenenfalls das Vermittlungsverfahren sowie Ausfertigung und Verkündung. Erst nach ordnungsgemäßem Abschluss kann das Gesetz in Kraft treten. Die maßgeblichen Vorgaben ergeben sich vor allem aus den…

  • |

    Verfassungsprozessrecht

    Verfassungsprozessrecht umfasst die Regeln über Verfahren vor Verfassungsgerichten. Es bestimmt Zuständigkeit, Beteiligte, Antragsgegenstand, Zulässigkeitsvoraussetzungen, Fristen, Prüfungsmaßstab und Entscheidungswirkungen. Auf Bundesebene ergeben sich die Grundlagen aus dem Grundgesetz und dem Bundesverfassungsgerichtsgesetz. Zu den wichtigsten Verfahrensarten gehören Verfassungsbeschwerde, Organstreit, Bund-Länder-Streit sowie abstrakte und konkrete Normenkontrolle. Das Verfassungsprozessrecht dient zugleich dem subjektiven Rechtsschutz und der objektiven Sicherung der…

  • |

    Verkehrszeichen

    Verkehrszeichen sind behördlich angeordnete Zeichen und Verkehrseinrichtungen, die den Straßenverkehr durch Gebote, Verbote, Warnungen oder Hinweise regeln. Sie werden nach der Straßenverkehrs-Ordnung aufgestellt und wirken gegenüber Verkehrsteilnehmern regelmäßig als Allgemeinverfügung. Ihre Regelung wird grundsätzlich durch ordnungsgemäße Aufstellung und Wahrnehmbarkeit bekannt gegeben. Ein Verkehrszeichen darf nur angeordnet werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen; Beschränkungen müssen insbesondere…

  • |

    UN-Sicherheitsrat

    Der UN-Sicherheitsrat ist das Hauptorgan der Vereinten Nationen mit der vorrangigen Verantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit. Er besteht aus fünf ständigen und zehn zeitweise gewählten Mitgliedern. Der Rat kann Konflikte untersuchen, Empfehlungen aussprechen und nach Kapitel VII der UN-Charta verbindliche Maßnahmen beschließen, darunter Sanktionen und die Ermächtigung militärischer Gewalt. Bei…