| | |

Allgemeiner Folgenbeseitigungsanspruch

Der allgemeine Folgenbeseitigungsanspruch verpflichtet einen Hoheitsträger, die fortdauernden unmittelbaren Folgen eines rechtswidrigen hoheitlichen Eingriffs in ein subjektives Recht zu beseitigen und den rechtmäßigen Zustand wiederherzustellen. Er ist gewohnheitsrechtlich anerkannt und verschuldensunabhängig. Der Anspruch gewährt grundsätzlich Naturalrestitution, nicht Ersatz entgangenen Gewinns oder mittelbarer Schäden. Seine Erfüllung muss tatsächlich und rechtlich möglich sowie zumutbar sein. Spezialgesetzliche Ansprüche gehen vor. Für bereits erledigte Vollzugsfolgen eines aufgehobenen Verwaltungsakts enthält § 113 Abs. 1 Satz 2 VwGO eine prozessuale Ausprägung.

Rechtliche Einordnung

Der Anspruch ist auf Wiederherstellung gerichtet und von Schadensersatz, Unterlassung und öffentlich-rechtlichem Erstattungsanspruch abzugrenzen.

Voraussetzungen und Rechtsfolgen

Erforderlich sind hoheitlicher Eingriff, subjektives Recht, Rechtswidrigkeit, fortdauernde unmittelbare Folge, Zurechnung und Beseitigungsmöglichkeit.

Verfassungs- und unionsrechtliche Bezüge

Der Anspruch wurzelt in Rechtsstaat und Grundrechten. Er ergänzt Art. 19 Abs. 4 GG durch effektive Beseitigung rechtswidriger Zustände.

Beispiel

Eine Behörde stellt rechtswidrig eine Absperrung auf einem Privatgrundstück auf. Der Eigentümer kann grundsätzlich deren Entfernung verlangen.

Häufige Fragen

Ist Verschulden erforderlich?

Nein. Der Anspruch ist verschuldensunabhängig.

Wird Geldersatz gezahlt?

Grundsätzlich wird der rechtmäßige Zustand tatsächlich wiederhergestellt.

Sind mittelbare Schäden erfasst?

Regelmäßig nein. Erfasst sind unmittelbare fortdauernde Eingriffsfolgen.

Weiterführende Hinweise

Siehe Naturalrestitution, Unterlassungsanspruch, Grundrechtseingriff und Rechtsstaatsprinzip. Weiterführend informieren verwaltungsrecht-faq.de, das-grundgesetz.de, grundrechte-faq.de, zivilrecht-faq.de, europarecht-faq.de sowie die amtlichen Gesetzestexte auf gesetze-im-internet.de.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Haushaltsvorbehalt

    Haushaltsvorbehalt bezeichnet die Abhängigkeit staatlicher Leistungen oder Maßnahmen von verfügbaren und bewilligten Haushaltsmitteln. Er beruht auf dem parlamentarischen Budgetrecht und der Bindung der Verwaltung an den Haushaltsplan. Der Vorbehalt erlaubt jedoch nicht, gesetzlich begründete Ansprüche ohne Weiteres zu verweigern. Seine Wirkung hängt von der jeweiligen Norm ab: Bei Ermessensleistungen kann die Mittellage die Entscheidung beeinflussen,…

  • |

    Inkompatibilität

    Inkompatibilität bezeichnet die rechtliche Unvereinbarkeit zweier Ämter, Mandate oder Funktionen, obwohl eine Person grundsätzlich für beide wählbar oder ernennbar ist. Sie soll Interessenkonflikte vermeiden, Gewaltenteilung sichern und die unabhängige Amtsführung gewährleisten. Nimmt der Betroffene die neue Funktion an, muss er die andere regelmäßig niederlegen oder ruhen lassen. Die konkrete Unvereinbarkeit ergibt sich aus Verfassung, Gesetz…

  • Flaggenstaat

    Der Flaggenstaat ist der Staat, dessen Staatszugehörigkeit ein Schiff besitzt und dessen Flagge es führen darf. Er übt grundsätzlich Verwaltungs-, technische und soziale Kontrolle sowie auf Hoher See die vorrangige Hoheitsgewalt über das Schiff aus. Zwischen Staat und Schiff muss eine echte Verbindung bestehen. Der Flaggenstaat führt ein Register, überwacht Sicherheitsstandards und untersucht bestimmte Seeunfälle….

  • Freizügigkeit

    Die Freizügigkeit nach Art. 11 GG schützt das Recht jedes Deutschen, an jedem Ort im Bundesgebiet Aufenthalt und Wohnsitz zu nehmen. Geschützt sind die Einreise in das Bundesgebiet, das Verbleiben, der Ortswechsel und die freie Wahl des Lebensmittelpunkts. Das Grundrecht ist von der unionsrechtlichen Freizügigkeit und der bloßen körperlichen Fortbewegungsfreiheit abzugrenzen. Eingriffe sind nur durch…

  • Bürgerbegehren

    Ein Bürgerbegehren ist ein Instrument unmittelbarer kommunaler Demokratie. Bürger beantragen damit, dass über eine kommunale Angelegenheit ein Bürgerentscheid durchgeführt wird. Gegenstand, Unterschriftenzahl, Begründung und Frist richten sich nach Landesrecht. Funktion und Voraussetzungen Unzulässig sind häufig Angelegenheiten, die gesetzlich dem Bürgermeister oder einem anderen Organ vorbehalten sind. Beispiel Bürger sammeln Unterschriften für einen Bürgerentscheid über den…

  • |

    Digital Services Act (DSA)

    Digital Services Act (DSA) ist die Verordnung (EU) 2022/2065 über einen Binnenmarkt für digitale Dienste. Sie schafft unionsweit abgestufte Pflichten für Vermittlungsdienste, Hostinganbieter, Onlineplattformen und sehr große Plattformen oder Suchmaschinen. Ziel sind ein sichereres digitales Umfeld, transparente Inhaltsmoderation, wirksame Melde- und Beschwerdeverfahren sowie die Begrenzung systemischer Risiken. Rechtliche Bedeutung Als EU-Verordnung gilt der DSA unmittelbar….