Verfassungsrecht

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    Grundrechtsausgestaltung

    Grundrechtsausgestaltung bezeichnet gesetzliche Regeln, die Inhalt, Voraussetzungen und Verfahren eines grundrechtlich geschützten Rechtsinstituts näher bestimmen, ohne notwendig einen klassischen Eingriff darzustellen. Manche Freiheiten können praktisch erst durch eine rechtliche Ordnung wirksam ausgeübt werden. Der Gesetzgeber besitzt dabei Gestaltungsspielraum, darf aber Schutzrichtung, Kernbestand und freiheitliche Funktion des Grundrechts nicht aushöhlen oder eine belastende Maßnahme lediglich als…

  • Parlamentsarmee

    Parlamentsarmee bezeichnet die verfassungsrechtliche Einbindung der Bundeswehr in die demokratische Kontrolle des Bundestages. Der Einsatz bewaffneter Streitkräfte bedarf grundsätzlich vorheriger parlamentarischer Zustimmung, soweit das Grundgesetz einen solchen Einsatz zulässt und nicht ausnahmsweise Gefahr im Verzug besteht. Daneben entscheidet das Parlament über Haushalt, Wehrgesetzgebung und Kontrolle der Streitkräfte. Der Begriff betont, dass militärische Gewalt nicht allein…

  • Enquetekommission

    Enquetekommission ist ein vom Parlament eingesetztes Gremium, das komplexe und langfristig bedeutsame Sachfragen wissenschaftlich und politisch untersucht. Ihm gehören Abgeordnete und externe Sachverständige an. Anders als ein Untersuchungsausschuss klärt die Kommission regelmäßig keine konkreten Missstände mit besonderen Beweiserhebungsrechten, sondern erarbeitet Grundlagen, Bewertungen und Handlungsempfehlungen für die Gesetzgebung. Ein Abschlussbericht dokumentiert Ergebnisse und gegebenenfalls abweichende Auffassungen,…

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    Gesetzesbindung

    Gesetzesbindung bezeichnet die Pflicht staatlicher Stellen, ihr Handeln an geltenden Gesetzen auszurichten. Für Verwaltung und Rechtsprechung folgt sie aus Art. 20 Abs. 3 GG: Die vollziehende Gewalt und die Gerichte sind an Gesetz und Recht gebunden. Die Bindung schützt den Bürger vor willkürlichem Staatshandeln, sichert demokratische Entscheidungen des Gesetzgebers und verlangt zugleich, Gesetze verfassungskonform anzuwenden….

  • Wehrverfassung

    Wehrverfassung ist die Gesamtheit der Verfassungsnormen über Aufstellung, Auftrag, Organisation, Führung und Kontrolle der Streitkräfte. Im Grundgesetz regelt sie insbesondere die Bundeswehr, die Befehls- und Kommandogewalt, Verteidigungs- und Spannungsfall, Wehrpflicht, parlamentarische Kontrolle sowie zulässige Einsätze. Sie verbindet staatliche Verteidigungsfähigkeit mit Demokratie, Rechtsstaat und Grundrechtsschutz. Militärische Gewalt darf deshalb nur auf verfassungsrechtlicher Grundlage und innerhalb klarer…

  • Politische Verantwortlichkeit

    Politische Verantwortlichkeit bezeichnet die Pflicht eines Regierungsmitglieds oder anderen politischen Amtsträgers, sein Handeln gegenüber Parlament und Öffentlichkeit zu erklären und politische Folgen zu tragen. Sie ist von rechtlicher Haftung und strafrechtlicher Verantwortlichkeit zu unterscheiden. Im parlamentarischen Regierungssystem wird sie durch Fragerechte, Debatten, Untersuchungsausschüsse, Haushaltskontrolle und Misstrauensinstrumente verwirklicht. Ein Rechtsverstoß ist nicht erforderlich; auch Fehlentscheidungen, Vertrauensverlust…

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    Urteilsverfassungsbeschwerde

    Urteilsverfassungsbeschwerde ist eine Verfassungsbeschwerde, die sich gegen eine letztinstanzliche gerichtliche Entscheidung richtet. Der Beschwerdeführer behauptet, das Gericht habe bei Auslegung oder Anwendung einfachen Rechts ein Grundrecht oder grundrechtsgleiches Recht verletzt. Das Bundesverfassungsgericht prüft nicht wie eine weitere Rechtsmittelinstanz sämtliche Rechtsfehler, sondern nur spezifisches Verfassungsrecht. Regelmäßig müssen zuvor der fachgerichtliche Rechtsweg erschöpft und alle zumutbaren Rügen…

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    Ministeranklage

    Ministeranklage ist ein besonderes verfassungsgerichtliches Verfahren, in dem ein Parlament einem Minister eine vorsätzliche oder grob fahrlässige Verletzung der Verfassung oder eines Gesetzes im Amt vorwirft. Voraussetzungen, Antragsquoren und mögliche Rechtsfolgen ergeben sich aus der jeweiligen Verfassung. Das Grundgesetz kennt keine allgemeine Ministeranklage auf Bundesebene; entsprechende Regelungen finden sich jedoch in einzelnen Landesverfassungen und in…

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    Rechtssatzverfassungsbeschwerde

    Rechtssatzverfassungsbeschwerde ist eine Verfassungsbeschwerde, die unmittelbar gegen eine Rechtsnorm gerichtet ist. Der Beschwerdeführer muss durch die Norm selbst, gegenwärtig und unmittelbar in einem Grundrecht oder grundrechtsgleichen Recht betroffen sein. Ist zunächst ein Vollzugsakt erforderlich, muss dieser regelmäßig abgewartet und fachgerichtlich angegriffen werden. Gegen Gesetze gilt grundsätzlich eine Jahresfrist. Die Beschwerde eröffnet keine abstrakte Normenkontrolle, sondern…

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    Bundespräsidentenanklage

    Bundespräsidentenanklage ist das Verfahren nach Art. 61 GG, mit dem Bundestag oder Bundesrat den Bundespräsidenten wegen vorsätzlicher Verletzung des Grundgesetzes oder eines anderen Bundesgesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht anklagen kann. Der Antrag benötigt ein qualifiziertes Quorum. Stellt das Gericht die schuldhafte Rechtsverletzung fest, kann es den Bundespräsidenten seines Amtes für verlustig erklären. Das Verfahren schützt die…