|

Unrichtige Sachbehandlung bei Vollstreckungskosten

Unrichtige Sachbehandlung bei Vollstreckungskosten bezeichnet im Anwendungsbereich der Abgabenordnung eine fehlerhafte Behandlung des Vollstreckungsverfahrens, durch die vermeidbare Kosten entstehen. Nach § 346 Absatz 1 AO dürfen Kosten nicht erhoben werden, die bei richtiger Behandlung der Sache nicht entstanden wären. Entscheidend sind der konkrete Fehler und sein ursächlicher Zusammenhang mit den angesetzten Kosten. Die Vorschrift beseitigt nicht automatisch die Steuerforderung oder sämtliche Kosten einer Vollstreckung, sondern erfasst die fehlerbedingt entstandenen Kosten.

Kostenfehler und Korrektur

Der Kostenansatz muss darauf geprüft werden, welche Kosten bei einem ordnungsgemäßen Vorgehen angefallen wären. § 346 Absatz 2 AO enthält zudem eine besondere einjährige Frist für Ansatz, Aufhebung und Änderung; sie beginnt mit Ablauf des Kalenderjahrs der Kostenentstehung. Rechtsbehelfsfristen sind davon zu unterscheiden.

Beispiel

Eine Vollstreckungsstelle veranlasst eine kostenpflichtige Maßnahme, obwohl der Vorgang bereits ordnungsgemäß erledigt war. Wären diese Kosten bei richtiger Behandlung ausgeblieben, dürfen sie nach § 346 AO nicht erhoben werden.

FAQ

Entfällt damit die Steuerschuld?

Nein. Die Regel betrifft vermeidbare Vollstreckungskosten.

Genügt jede Unzufriedenheit mit dem Verfahren?

Nein. Erforderlich ist eine unrichtige Behandlung, die die betreffenden Kosten verursacht hat.

Ist die Jahresfrist eine Einspruchsfrist?

Nein. Sie betrifft den Kostenansatz und seine Korrektur; Rechtsbehelfsfristen sind gesondert zu beachten.

Verwandte Begriffe

Abgabenordnung (AO) · Steuerfestsetzung · Steueranspruch · Fälligkeit einer Steuer · Zahlungsverjährung

Quellen und weiterführende Informationen

§ 346 AO · Steuerrecht-FAQ: Steuerverwaltungsrecht

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Erhebungsverfahren

    Das Erhebungsverfahren ist der Abschnitt des Steuerverfahrens, in dem Ansprüche aus dem Steuerschuldverhältnis verwirklicht und abgewickelt werden. Es betrifft insbesondere Fälligkeit, Zahlung, Aufrechnung, Stundung, Erlass und Erstattung. Die Abgabenordnung unterscheidet diesen Bereich von der Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen und der Steuerfestsetzung. Grundlage der Verwirklichung sind regelmäßig Steuerbescheide oder gleichgestellte Steueranmeldungen. Das Verfahren klärt damit, wie ein…

  • | | | |

    Fortgeltungsanordnung des Bundesverfassungsgerichts

    Eine Fortgeltungsanordnung des Bundesverfassungsgerichts bestimmt, dass eine mit dem Grundgesetz unvereinbare Norm vorübergehend weiter angewendet werden darf oder muss. Im Steuerrecht kommt dies besonders in Betracht, wenn sofortige Nichtigkeit erhebliche Haushaltslücken, Vollzugsprobleme oder neue Ungleichheiten verursachen würde. Das Gericht setzt dem Gesetzgeber regelmäßig eine Frist für eine verfassungsgemäße Neuregelung und kann Übergangsmaßgaben festlegen. Die Anordnung…

  • Grundfreibetrag

    Der Grundfreibetrag ist der Teil des zu versteuernden Einkommens, der bei der Einkommensteuer steuerfrei bleibt. Er soll das verfassungsrechtlich geschützte Existenzminimum sichern. Nur soweit das zu versteuernde Einkommen den gesetzlich festgelegten Betrag übersteigt, fällt nach dem Einkommensteuertarif grundsätzlich Steuer an. Die Höhe wird regelmäßig angepasst und gilt für jeden Steuerpflichtigen. Rechtsgrundlage und Zweck Der Grundfreibetrag…

  • Fremdenverkehrsbeitrag

    Der Fremdenverkehrsbeitrag ist eine kommunale Abgabe, mit der Gemeinden die Kosten touristischer Einrichtungen und Maßnahmen auf selbständig Tätige oder Unternehmen umlegen können, die aus dem Fremdenverkehr besondere wirtschaftliche Vorteile ziehen. Er wird auf Grundlage des Landesrechts und einer kommunalen Satzung erhoben. Der Beitrag unterscheidet sich vom Kurbeitrag, der regelmäßig Gäste belastet, und von der Übernachtungsteuer….

  • Steuerbescheid

    Ein Steuerbescheid ist ein Verwaltungsakt, mit dem eine Finanzbehörde eine Steuer festsetzt oder eine Steuerfestsetzung ablehnt. Er bestimmt insbesondere Steuerart, Betrag und Steuerschuldner und gibt bekannt, wann eine Zahlung fällig ist. Gegen einen fehlerhaften Steuerbescheid kann der Betroffene grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Einspruch einlegen. Inhalt und Wirkung Die Anforderungen ergeben sich insbesondere aus…

  • Straßenausbaubeitrag

    Ein Straßenausbaubeitrag ist ein kommunaler Beitrag für die Verbesserung, Erneuerung oder Erweiterung einer bereits vorhandenen öffentlichen Straße. Anders als der Erschließungsbeitrag betrifft er nicht die erstmalige Herstellung. Ob und unter welchen Voraussetzungen er erhoben wird, richtet sich nach dem jeweiligen Landesrecht und der kommunalen Satzung. In einigen Ländern sind Straßenausbaubeiträge abgeschafft oder erheblich eingeschränkt worden….