|

Vermögensdelikte

Vermögensdelikte sind Straftaten, die das Vermögen als Ganzes oder einzelne Vermögenswerte schützen. Wichtige Gruppen sind Eigentumsdelikte wie Diebstahl, vermögensschädigende Täuschungsdelikte wie Betrug, Treuebruchsdelikte wie Untreue sowie räuberische und erpresserische Delikte. Die Tatbestände unterscheiden sich nach Schutzgut, Tathandlung und Bereicherungsabsicht. Für die Prüfung sind insbesondere Fremdheit, Gewahrsam, Vermögensverfügung, Vermögensschaden, Zueignungs- oder Bereicherungsabsicht und die Konkurrenz mehrerer Delikte maßgeblich.

Eigentum und Vermögen

Eigentumsdelikte schützen die rechtliche Herrschaft über einzelne Sachen. Vermögensdelikte im engeren Sinn schützen dagegen den wirtschaftlichen Gesamtwert aller geldwerten Positionen. Die Unterscheidung erklärt, warum Diebstahl auch ohne Vermögensschaden vollendet sein kann, Betrug aber einen solchen Schaden verlangt.

Diebstahl und Unterschlagung

Diebstahl nach § 242 StGB setzt die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache in rechtswidriger Zueignungsabsicht voraus. Unterschlagung nach § 246 StGB verlangt keine Wegnahme, sondern eine nach außen erkennbare rechtswidrige Zueignung.

Betrug

Betrug nach § 263 StGB verlangt Täuschung, Irrtum, Vermögensverfügung und Vermögensschaden sowie Vorsatz und rechtswidrige stoffgleiche Bereicherungsabsicht. Das Opfer mindert sein Vermögen aufgrund des Irrtums selbst; darin liegt der zentrale Unterschied zum Diebstahl.

Untreue

Untreue nach § 266 StGB erfasst Missbrauch einer Verfügungsbefugnis oder Verletzung einer qualifizierten Vermögensbetreuungspflicht, wodurch dem betreuten Vermögen ein Nachteil entsteht. Nicht jede Vertragsverletzung begründet eine solche Pflicht.

Raub und Erpressung

Raub verbindet qualifizierte Nötigungsmittel mit einer Wegnahme in Zueignungsabsicht. Erpressung verlangt Gewalt oder Drohung, wodurch ein Vermögensnachteil herbeigeführt wird. Beide Delikte schützen Vermögen und persönliche Freiheit.

Vermögensschaden

Ein Vermögensschaden liegt grundsätzlich vor, wenn der wirtschaftliche Gesamtwert des Vermögens nach der Tat geringer ist als zuvor. Leistung und Gegenleistung werden saldiert. Auch konkrete Vermögensgefährdungen können genügen, wenn sie bereits zu einer wirtschaftlich messbaren Entwertung führen.

Zueignungs- und Bereicherungsabsicht

Zueignungsabsicht betrifft die zumindest vorübergehende Aneignung und dauerhafte Enteignung einer Sache oder ihres Sachwerts. Bereicherungsabsicht zielt auf einen Vermögensvorteil. Beim Betrug muss der erstrebte Vorteil stoffgleich die Kehrseite des verursachten Schadens sein.

Konkurrenzen

Ein Lebenssachverhalt kann mehrere Vermögensdelikte berühren. Ob Tateinheit, Tatmehrheit oder Gesetzeskonkurrenz vorliegt, richtet sich nach Handlungseinheit und Schutzzweck. Spezielle Tatbestände können allgemeinere Vorschriften verdrängen.

Beispiel

A täuscht B über die Echtheit einer Uhr und erhält dafür 5.000 Euro. Gibt B das Geld aufgrund des Irrtums heraus und ist die Uhr nahezu wertlos, kommt Betrug in Betracht. Entwendet A das Geld dagegen ohne Mitwirkung des B aus dessen Tasche, ist Diebstahl zu prüfen.

Häufige Fragen

Sind Vermögensdelikte nur Eigentumsdelikte?

Nein. Viele Tatbestände schützen das Vermögen als wirtschaftliche Gesamtheit.

Muss immer ein Schaden eintreten?

Nein. Eigentumsdelikte wie Diebstahl setzen keinen Vermögensschaden voraus.

Was unterscheidet Betrug und Diebstahl?

Beim Betrug verfügt das getäuschte Opfer irrtumsbedingt; beim Diebstahl bricht der Täter fremden Gewahrsam.

Ist der Versuch strafbar?

Das richtet sich nach dem jeweiligen Tatbestand; bei Diebstahl und Betrug ist der Versuch ausdrücklich strafbar.

Rechtsgrundlagen und weitere Informationen

Zentrale Vorschriften sind § 242 StGB, § 263 StGB und § 266 StGB. Weitere Erläuterungen bietet strafrecht-faq.de.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Ablehnungsgesuch

    Ablehnungsgesuch ist der förmliche Antrag eines Verfahrensbeteiligten, einen Richter wegen Besorgnis der Befangenheit oder aus einem gesetzlichen Ausschlussgrund von der Mitwirkung am Strafverfahren auszuschließen. Das Gesuch muss den abgelehnten Richter und den Grund bezeichnen sowie regelmäßig glaubhaft gemacht werden. Es ist unverzüglich anzubringen, sobald der Ablehnungsgrund bekannt ist. Über das Gesuch entscheiden andere Richter ohne…

  • Wahndelikt

    Wahndelikt bezeichnet die irrtümliche Annahme des Täters, sein tatsächlich erlaubtes Verhalten sei strafbar. Der Begriff gehört zum Allgemeinen Teil des Strafrechts und bestimmt Voraussetzungen, Zurechnung oder persönliche Verantwortlichkeit einer Straftat. Seine genaue Einordnung entscheidet häufig darüber, ob und wegen welcher Beteiligungs- oder Begehungsform ein Täter strafbar ist. Maßgeblich sind das Strafgesetzbuch und die hierzu entwickelte…

  • Anstiftung

    Anstiftung ist nach § 26 StGB das vorsätzliche Bestimmen eines anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat. Der Anstifter ruft beim Haupttäter den Entschluss zu einer hinreichend konkretisierten Tat hervor und handelt dabei mit doppeltem Anstiftervorsatz: Dieser muss sowohl das Bestimmen als auch die wesentlichen Merkmale der Haupttat umfassen. Der Anstifter wird grundsätzlich gleich einem…

  • Unmittelbares Ansetzen

    Unmittelbares Ansetzen liegt vor, wenn der Täter nach seiner Vorstellung die Schwelle zum „Jetzt geht es los“ überschreitet und ohne wesentliche Zwischenakte zur Tatbestandsverwirklichung ansetzt. Das Verhalten muss das geschützte Rechtsgut bereits konkret gefährden oder unmittelbar in die tatbestandliche Handlung einmünden. Der Zeitpunkt grenzt den grundsätzlich straflosen Vorbereitungsbereich vom strafbaren Versuch ab und wird anhand…

  • Mord

    Mord ist die vorsätzliche Tötung eines anderen Menschen unter Verwirklichung mindestens eines Mordmerkmals des § 211 Abs. 2 StGB. Mordmerkmale können an den Beweggrund, die Tatausführung oder den Tatzweck anknüpfen, etwa Habgier, Heimtücke oder Verdeckungsabsicht. Der Täter muss hinsichtlich der Tötung vorsätzlich und hinsichtlich des jeweiligen Mordmerkmals mit der gesetzlich erforderlichen subjektiven Einstellung handeln. §…

  • Garantenstellung aus Ingerenz

    Garantenstellung aus Ingerenz bezeichnet die besondere Pflicht eines Täters, einen drohenden Erfolg abzuwenden, weil er zuvor durch pflichtwidriges Verhalten eine nahe Gefahr für das geschützte Rechtsgut geschaffen oder erhöht hat. Unterlässt er anschließend die gebotene Rettung, kann ihm der Erfolg wie aktives Tun zugerechnet werden. Nicht jedes Vorverhalten genügt: Erforderlich sind insbesondere Pflichtwidrigkeit, Gefahrennähe und…

Ein Kommentar

Die Kommentare sind geschlossen.