|

Nichtanerkennungsprinzip

Das Nichtanerkennungsprinzip verpflichtet Staaten, eine durch eine schwere Verletzung zwingenden Völkerrechts geschaffene Lage nicht als rechtmäßig anzuerkennen. Es betrifft insbesondere Gebietsgewinne durch verbotene Gewalt, kann aber auch bei anderen fundamentalen Verstößen Bedeutung erlangen. Drittstaaten sollen den Rechtsbruch weder rechtlich verfestigen noch seine Aufrechterhaltung unterstützen. Praktische Kontakte zum Schutz der Bevölkerung oder zur Regelung alltäglicher Angelegenheiten können dennoch zulässig oder erforderlich bleiben.

Rechtliche Bedeutung

Nichtanerkennung richtet sich gegen die rechtliche Legitimation eines Ergebnisses, nicht notwendig gegen jede tatsächliche Kenntnisnahme. Staatliche Stellen müssen deshalb unterscheiden zwischen neutraler Tatsachenbehandlung und rechtlicher Anerkennung.

Voraussetzungen und Rechtsfolgen

Bei schweren Verstößen gegen zwingendes Recht treten neben die Nichtanerkennung eine Pflicht zur Nichtunterstützung und Bemühungen, den Verstoß durch rechtmäßige Mittel zu beenden.

Beispiel

Nach einer gewaltsamen Annexion behandeln Drittstaaten das betroffene Gebiet weiterhin als Teil des ursprünglichen Staates und eröffnen dort keine Vertretungen beim Annexionsstaat.

Häufige Fragen

Müssen alle Kontakte abgebrochen werden?

Nein. Begrenzte Kontakte können etwa zum Schutz von Einwohnern erforderlich sein.

Ist Nichtanerkennung eine Sanktion?

Sie kann sanktionsähnlich wirken, folgt aber aus der Pflicht, einen rechtswidrigen Zustand nicht zu legitimieren.

Gilt das Prinzip nur bei Annexionen?

Nein, sein Anwendungsbereich kann weitere schwere Verletzungen zwingenden Völkerrechts umfassen.

Weiterführende Hinweise

Verwandte Begriffe sind Annexionsverbot, Anerkennung eines Staates, zwingendes Völkerrecht, territoriale Integrität.

Vertiefend: UN-Kommission zur Staatenverantwortlichkeit.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • | | |

    Kompetenz-Kompetenz

    Kompetenz-Kompetenz bezeichnet die Befugnis, die eigenen Zuständigkeiten zu bestimmen oder über ihr Bestehen verbindlich zu entscheiden. Welche Bedeutung gemeint ist, hängt vom Rechtsgebiet ab. Im Staatsorganisationsrecht betrifft der Begriff insbesondere die Verteilung und Erweiterung staatlicher Befugnisse; im gerichtlichen Verfahren kann er die Entscheidung eines Gerichts über seine eigene Zuständigkeit bezeichnen. Die prozessuale Prüfungskompetenz erlaubt einem…

  • |

    Zweitstimme

    Die Zweitstimme ist bei der Bundestagswahl die Stimme für die Landesliste einer Partei. Sie ist grundsätzlich maßgeblich dafür, wie viele der 630 Sitze eine Partei im Bundestag erhält. Zugleich bestimmt sie, welche erfolgreichen Wahlkreisbewerber einer Partei durch Zweitstimmen gedeckt sind. Parteien unterhalb der gesetzlichen Sperrklausel werden grundsätzlich nicht berücksichtigt, wobei derzeit die vom Bundesverfassungsgericht angeordnete…

  • Kommunale Gebietskörperschaft

    Eine kommunale Gebietskörperschaft ist eine juristische Person des öffentlichen Rechts, deren Zuständigkeit räumlich durch ein bestimmtes Gebiet bestimmt wird. Dazu gehören insbesondere Gemeinden, Landkreise und je nach Landesrecht weitere kommunale Verbände. Sie besitzt Mitglieder oder Einwohner, eigene Organe und Aufgaben. Gebietskörperschaften sind Träger kommunaler Selbstverwaltung und nehmen sowohl eigene als auch staatlich übertragene Aufgaben wahr….

  • Recht auf Vergessen

    Recht auf Vergessen bezeichnet den grundrechtlichen Anspruch auf angemessene Begrenzung dauerhafter Auffindbarkeit personenbezogener Informationen. Der Begriff gehört zur Grundrechtslehre und bestimmt Reichweite, Schutzintensität oder verfahrensrechtliche Sicherung individueller Freiheit. Seine Anwendung verlangt regelmäßig eine sorgfältige Abwägung zwischen persönlicher Selbstbestimmung und verfassungsrechtlich anerkannten Gemeinschaftsbelangen. Maßgeblich sind das Grundgesetz und die gefestigte Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Der Begriff prägt…

  • | |

    Vertrauensschutz

    Vertrauensschutz bezeichnet den rechtsstaatlichen Schutz berechtigter Erwartungen gegenüber nachträglichen staatlichen Änderungen. Er folgt insbesondere aus der in Art. 20 Abs. 3 GG verankerten Rechtssicherheit und begrenzt Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung. Geschützt ist nicht jede Hoffnung auf unveränderte Verhältnisse, sondern grundsätzlich nur ein schutzwürdiges Vertrauen, das gegenüber dem Änderungsinteresse des Staates Bestand hat. Im Verwaltungsrecht konkretisieren…

  • |

    Auslegung eines EGMR-Urteils

    Die Auslegung eines EGMR-Urteils ist ein besonderes Verfahren zur Klärung seines Entscheidungsausspruchs. Nach Regel 79 der Verfahrensordnung kann eine Partei innerhalb eines Jahres nach Erlass des Urteils eine Auslegung beantragen. Der Antrag muss die auslegungsbedürftigen Punkte des Tenors genau bezeichnen. Das Verfahren ermöglicht keine allgemeine neue Prüfung der Beschwerde und ersetzt keinen Antrag auf Verweisung…