|

Initiativrecht des Bundesrates

Initiativrecht des Bundesrates ist seine Befugnis, Gesetzesvorlagen in das Gesetzgebungsverfahren des Bundes einzubringen. Der Bundesrat beschließt eine Vorlage und leitet sie der Bundesregierung zu. Diese muss den Entwurf grundsätzlich innerhalb von sechs Wochen mit ihrer Auffassung an den Bundestag weitergeben; für besonders umfangreiche, eilbedürftige oder verfassungsändernde Vorlagen gelten besondere Fristen. Der Bundestag muss über die Bundesratsvorlage in angemessener Frist beraten und Beschluss fassen.

Rechtliche Bedeutung

Das Initiativrecht ermöglicht den Ländern, eigene gesetzgeberische Anliegen auf Bundesebene förmlich zur Beratung zu stellen. Rechtsgrundlagen und systematischen Zusammenhang zeigen Artikel 76 Absatz 1 und Absatz 3 im Grundgesetz; ergänzend erläutert das-grundgesetz.de die Verfassungsordnung. Verwandte Wörterbuchartikel sind Verfassungsrecht, Grundgesetz, Bundesstaat und Gewaltenteilung sowie Gesetzgebungsverfahren und Bundesrat.

Abgrenzung

Der Bundesrat beschließt die Initiative, verabschiedet das Bundesgesetz aber nicht allein. Gesetzesbeschlüsse fasst der Bundestag.

Beispiel

Mehrere Länder erreichen im Bundesrat eine Mehrheit für einen Gesetzentwurf zum Verwaltungsverfahren; die Bundesregierung leitet ihn mit Stellungnahme an den Bundestag weiter.

FAQ

Kann ein einzelnes Land ein Bundesgesetz einbringen?

Ein Land kann einen Antrag im Bundesrat stellen; zur Bundesratsinitiative ist ein Beschluss des Bundesrates nötig.

Darf die Bundesregierung die Weiterleitung verweigern?

Nein. Sie leitet die Vorlage mit ihrer Auffassung innerhalb der verfassungsrechtlichen Frist weiter.

Muss der Bundestag zustimmen?

Nein. Er muss beraten und entscheiden, bleibt inhaltlich aber frei.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Normverwerfungskompetenz

    Normverwerfungskompetenz bezeichnet die Befugnis, eine Rechtsnorm wegen Unvereinbarkeit mit höherrangigem Recht für unwirksam oder unanwendbar zu erklären. Er gehört zum Verfassungs- und Staatsorganisationsrecht und ordnet Zuständigkeiten, Verfahren oder Kontrollbefugnisse öffentlicher Gewalt. Seine Anwendung ist an demokratische Legitimation, föderale Kompetenzgrenzen und rechtsstaatliche Sicherungen gebunden. Maßgeblich sind das Grundgesetz, das Bundesverfassungsgerichtsgesetz und die verfassungsgerichtliche Rechtsprechung. Der Begriff…

  • |

    Duldungsanordnung

    Eine Duldungsanordnung ist ein Verwaltungsakt, der den Betroffenen verpflichtet, eine bestimmte Maßnahme hinzunehmen oder ihre Durchführung nicht zu behindern. Sie kann etwa erforderlich sein, wenn Rechte eines Eigentümers oder Nutzers einer behördlichen Maßnahme oder ihrer Vollstreckung entgegenstehen. Die Anordnung benötigt eine tragfähige gesetzliche Grundlage und muss nach Inhalt, Umfang und Adressat hinreichend bestimmt sowie verhältnismäßig…

  • Wehrbeauftragter

    Wehrbeauftragter bezeichnet das Hilfsorgan des Bundestages zur parlamentarischen Kontrolle der Streitkräfte und zum Schutz der Grundrechte der Soldaten. Er gehört zu den wichtigen Regeln des parlamentarischen Regierungssystems und bestimmt Verfahren, Zuständigkeiten oder Kontrollbeziehungen zwischen Bundestag und Bundesregierung. Seine konkrete Ausgestaltung muss demokratische Legitimation und Funktionsfähigkeit staatlicher Organe miteinander verbinden. Maßgeblich sind das Grundgesetz, die Geschäftsordnungen…

  • Normale Basislinie

    Die normale Basislinie ist im Seevölkerrecht die Niedrigwasserlinie entlang der Küste, von der grundsätzlich die Breite des Küstenmeers gemessen wird. Maßgeblich ist ihre Darstellung in den vom Küstenstaat amtlich anerkannten Seekarten großen Maßstabs. Artikel 5 des Seerechtsübereinkommens legt diese Regel fest, soweit keine besondere Messmethode eingreift. Die Basislinie ist damit eine rechtliche Bezugsgrenze und nicht…

  • Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers

    Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers bezeichnet den verfassungsrechtlich anerkannten Spielraum des Parlaments, politische Ziele auszuwählen, Sachverhalte zu bewerten und unterschiedliche Regelungsmodelle einzusetzen. Sie folgt aus demokratischer Legitimation und Gewaltenteilung. Verfassungsgerichte prüfen daher nicht, ob eine Regelung politisch optimal oder besonders zweckmäßig ist. Grenzen setzen insbesondere Grundrechte, Gleichheitssatz, Kompetenzordnung, Rechtsstaatsprinzip und Verhältnismäßigkeit. Je stärker geschützte Rechte betroffen sind,…

  • |

    Kriegsgefangener

    Kriegsgefangener ist ein Angehöriger bestimmter Personengruppen, der in einem internationalen bewaffneten Konflikt in die Gewalt der gegnerischen Partei gerät und nach dem humanitären Völkerrecht besonderen Schutz genießt. Er darf wegen seiner bloßen rechtmäßigen Teilnahme an Feindseligkeiten grundsätzlich nicht bestraft werden, bleibt aber für Kriegsverbrechen verantwortlich. Maßgeblich sind vor allem die Dritte Genfer Konvention und ergänzende…