Kulturkampf
Kulturkampf bezeichnet den Konflikt zwischen dem preußisch-deutschen Staat unter Otto von Bismarck und der katholischen Kirche vor allem in den 1870er Jahren. Gesetze unterstellten Priesterausbildung und kirchliche Ämter stärker staatlicher Kontrolle, führten die obligatorische Zivilehe ein und ermöglichten Sanktionen gegen Geistliche und Orden. Der politische Widerstand des Zentrums und der Katholiken begrenzte den Erfolg. Viele Kampfgesetze wurden ab Ende der 1870er Jahre aufgehoben oder entschärft.
Historische Einordnung
Der Konflikt verband Fragen staatlicher Souveränität, nationaler Einheit, liberaler Kirchenpolitik und päpstlicher Autorität. Er verlief im Reich und in Preußen mit unterschiedlichen Rechtsgrundlagen.
Rechtliche Bedeutung
Zu den Maßnahmen gehörten die Maigesetze, staatliche Schulaufsicht, die Ausweisung der Jesuiten und finanzielle Sanktionen. Die Zivilehe blieb als dauerhafte Reform bestehen.
Beispiel
Ein katholischer Geistlicher konnte sein Amt verlieren oder bestraft werden, wenn er staatlich verlangte Ausbildungs- und Anzeigepflichten nicht erfüllte.
Häufige Fragen
War der Kulturkampf nur religiös?
Nein. Er war zugleich ein Verfassungs-, Macht- und Integrationskonflikt.
Welche Partei widersetzte sich?
Vor allem die katholisch geprägte Zentrumspartei organisierte politischen Widerstand.
Endeten alle Reformen?
Nein. Insbesondere die staatliche Zivilehe blieb erhalten.
Weiterführende Hinweise
Siehe auch Rechtsgeschichte, Reichskammergericht, Reichsgericht, Paulskirchenverfassung und Weimarer Reichsverfassung. Vertiefend: Grundlagen und historische Zusammenhänge.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.