| |

Tatsächliche Verhinderung

Tatsächliche Verhinderung liegt im Sorgerecht vor, wenn ein Elternteil auf längere Zeit außerstande ist, die elterliche Sorge praktisch auszuüben, obwohl kein rechtliches Hindernis besteht. Nach § 1674 BGB muss das Familiengericht diesen Zustand feststellen. Ursachen können etwa dauerhafte Unerreichbarkeit, schwere Erkrankung oder eine längerfristige Abwesenheit sein. Bloße Bequemlichkeit, vorübergehende Belastung oder ein kurzfristiger Aufenthalt genügen nicht. Nach Wegfall des Hindernisses stellt das Gericht das Wiederaufleben fest.

Rechtliche Bedeutung

Die tatsächliche Verhinderung führt zum Ruhen der Sorge. Sie wird anhand der realen Möglichkeit beurteilt, Verantwortung und notwendige Entscheidungen zuverlässig wahrzunehmen.

Voraussetzungen und Folgen

Erforderlich sind eine gewisse Dauer und ein Gewicht, das die Sorgeausübung praktisch ausschließt. Der andere Elternteil oder ein Vormund sichert währenddessen die Vertretung des Kindes.

Beispiel

Nach einem schweren Unfall liegt ein Elternteil monatelang ohne Kommunikationsmöglichkeit im Krankenhaus. Das Familiengericht stellt die tatsächliche Verhinderung fest.

Häufige Fragen

Reicht ein Auslandsaufenthalt?

Nicht automatisch. Entscheidend ist, ob Kommunikation, Entscheidungen und Vertretung trotz Entfernung tatsächlich möglich bleiben.

Wie lange muss die Verhinderung dauern?

Das Gesetz nennt keine starre Frist; sie muss nach den Umständen auf längere Zeit angelegt sein.

Was geschieht nach Genesung?

Das Familiengericht stellt fest, dass der Grund entfallen ist; dann lebt die Sorgeausübung wieder auf.

Weiterführende Hinweise

Ergänzend sind die Wörterbuchartikel Elterliche Sorge, Kindeswohl, Kindeswille und Getrenntleben hilfreich. Vertiefende, nicht werbliche Informationen bietet § 1674 BGB.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Auslobung

    Auslobung ist das öffentliche Versprechen einer Belohnung für die Vornahme einer Handlung oder die Herbeiführung eines Erfolgs. Nach § 657 BGB entsteht der Anspruch grundsätzlich, wenn jemand die geforderte Leistung erbringt, auch wenn er das Versprechen nicht kannte. Die Auslobung ist eine nicht empfangsbedürftige Willenserklärung und kein Vertrag. Sie kann bis zur Vornahme der Handlung…

  • | | |

    Vertretung vor dem EGMR

    Vertretung vor dem EGMR betrifft die Befugnis und Pflicht, einen Beschwerdeführer im Verfahren durch einen Rechtsanwalt oder eine andere zugelassene Person vertreten zu lassen. Das erste Beschwerdeformular kann grundsätzlich selbst eingereicht werden. Nach Zustellung der Beschwerde an den Vertragsstaat verlangt der Gerichtshof regelmäßig eine anwaltliche Vertretung. Der Vertreter muss zur Berufsausübung in einem Vertragsstaat berechtigt…

  • | |

    Strafklageverbrauch

    Strafklageverbrauch bedeutet, dass eine Tat nach einer rechtskräftigen strafgerichtlichen Sachentscheidung grundsätzlich nicht erneut zum Gegenstand eines Strafverfahrens und einer Bestrafung gemacht werden darf. Er folgt aus dem Verbot mehrfacher Bestrafung in Artikel 103 Absatz 3 GG. Maßgeblich ist der prozessuale Tatbegriff, der den einheitlichen geschichtlichen Vorgang erfasst, nicht nur die rechtliche Bezeichnung im ersten Urteil….

  • Umgangspflegschaft

    Die Umgangspflegschaft ist eine familiengerichtliche Maßnahme zur Durchführung einer Umgangsregelung, wenn die betreuende Person ihre Pflicht zur Ermöglichung des Umgangs dauerhaft oder wiederholt erheblich verletzt. Der Umgangspfleger erhält einen begrenzten Wirkungskreis und darf insbesondere die Herausgabe des Kindes zur Durchführung des Umgangs verlangen sowie den Aufenthalt für die Umgangsdauer bestimmen. Die Maßnahme greift in die…

  • |

    Annahmeberufung

    Die Annahmeberufung ist eine Berufung gegen ein strafgerichtliches Urteil, die nur durchgeführt wird, wenn das Berufungsgericht sie ausdrücklich annimmt. Sie betrifft Bagatellentscheidungen des Amtsgerichts, insbesondere geringe Geldstrafen, Verwarnungen mit Strafvorbehalt oder geringe Geldbußen. Die Berufung wird angenommen, wenn sie nicht offensichtlich unbegründet ist. Ohne Annahme wird sie als unzulässig verworfen. Das Verfahren soll die zweite…