Tötungsdelikte
Tötungsdelikte sind Straftaten, deren tatbestandlicher Erfolg im Tod eines Menschen liegt oder die einen solchen Erfolg anstreben. Das StGB unterscheidet insbesondere Mord, Totschlag, minder schweren Fall des Totschlags, Tötung auf Verlangen, fahrlässige Tötung und besondere Delikte zum Schutz Neugeborener oder suizidgefährdeter Personen. Zentral sind Beginn und Ende menschlichen Lebens, Kausalität, objektive Zurechnung, Vorsatz oder Fahrlässigkeit, Mordmerkmale und mögliche Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsgründe.
Geschütztes Rechtsgut
Geschützt wird das menschliche Leben als höchstrangiges Individualrechtsgut. Der strafrechtliche Lebensschutz beginnt grundsätzlich mit Einsetzen der Eröffnungswehen beziehungsweise beim Kaiserschnitt mit Beginn des ärztlichen Eingriffs und endet mit dem Gesamthirntod.
Totschlag
Totschlag nach § 212 StGB begeht, wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein. Bedingter Tötungsvorsatz genügt. Der Strafrahmen beginnt grundsätzlich bei fünf Jahren Freiheitsstrafe.
Mord
Mord nach § 211 StGB setzt eine vorsätzliche Tötung und mindestens ein Mordmerkmal voraus. Dazu gehören bestimmte Beweggründe wie Habgier, Begehungsweisen wie Heimtücke oder gemeingefährliche Mittel und Zielsetzungen wie Ermöglichungs- oder Verdeckungsabsicht.
Tötung auf Verlangen
§ 216 StGB privilegiert die Tötung, wenn das Opfer den Täter durch ausdrückliches und ernstliches Verlangen zur Tat bestimmt hat. Das Verlangen muss handlungsleitend sein. Eine bloße Einwilligung genügt nicht; zugleich schließt § 216 StGB die Rechtfertigung durch Einwilligung aus.
Fahrlässige Tötung
§ 222 StGB verlangt Tod, objektive Sorgfaltspflichtverletzung, Vorhersehbarkeit, Vermeidbarkeit und Pflichtwidrigkeitszusammenhang. Auf Schuldebene muss der Erfolg für den Täter persönlich vorhersehbar und vermeidbar gewesen sein.
Kausalität und objektive Zurechnung
Die Handlung muss für den Tod ursächlich sein. Zusätzlich muss der Täter eine rechtlich missbilligte Gefahr geschaffen haben, die sich im Tod realisiert. Eigenverantwortliche Selbstgefährdung, atypische Kausalverläufe oder ein außerhalb des Schutzzwecks liegender Erfolg können die Zurechnung ausschließen.
Tötung durch Unterlassen
Eine Tötung kann nach § 13 StGB durch Unterlassen begangen werden, wenn der Täter rechtlich dafür einzustehen hat, den Tod abzuwenden. Erforderlich sind Garantenstellung, Handlungsmöglichkeit, hypothetische Kausalität und Entsprechung von Tun und Unterlassen.
Abgrenzung Vorsatz und Fahrlässigkeit
Bedingter Tötungsvorsatz liegt vor, wenn der Täter den Tod als möglich erkennt und billigend in Kauf nimmt. Bei bewusster Fahrlässigkeit vertraut er ernsthaft auf dessen Ausbleiben. Maßgeblich ist eine Gesamtwürdigung insbesondere von Gefährlichkeit, Motivation und Verhalten vor und nach der Tat.
Beispiel
A sticht B gezielt mit einem Messer in die Brust und nimmt dessen Tod billigend in Kauf. B stirbt an der Verletzung. Damit ist grundsätzlich Totschlag erfüllt; ob Mord vorliegt, hängt vom Vorliegen eines Mordmerkmals ab.
Häufige Fragen
Ist jede vorsätzliche Tötung Mord?
Nein. Mord verlangt zusätzlich mindestens ein Merkmal des § 211 StGB.
Kann eine Tötung durch Unterlassen erfolgen?
Ja, wenn der Täter Garant ist und den Tod rechtlich sowie tatsächlich abwenden kann.
Ist Einwilligung in die eigene Tötung wirksam?
Nein. Sie kann lediglich zur Prüfung des § 216 StGB führen.
Was unterscheidet Vorsatz und Fahrlässigkeit?
Beim Vorsatz nimmt der Täter den Tod billigend in Kauf; bei bewusster Fahrlässigkeit vertraut er auf sein Ausbleiben.
Rechtsgrundlagen und weitere Informationen
Zentral sind §§ 211 bis 216 StGB und § 222 StGB. Weitere Erläuterungen bietet strafrecht-faq.de.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.