|

Verfahrenshindernis

Ein Verfahrenshindernis ist ein rechtlicher Umstand, der die Durchführung oder Fortsetzung eines Strafverfahrens unzulässig macht. Dazu zählen beispielsweise fehlender Strafantrag, eingetretene Verjährung, anderweitige Rechtskraft, dauerhafte Verhandlungsunfähigkeit oder wirksame Immunität. Das Gericht prüft solche Hindernisse grundsätzlich von Amts wegen. Besteht das Hindernis bereits vor der Hauptverhandlung oder tritt es später ein, wird das Verfahren je nach Stadium durch Beschluss oder Urteil eingestellt. Die Schuldfrage wird dabei nicht abschließend entschieden.

Rechtliche Bedeutung

Verfahrenshindernisse betreffen die Zulässigkeit staatlicher Strafverfolgung, nicht die materielle Frage, ob der Angeklagte die Tat begangen hat.

Voraussetzungen und Folgen

Zweifel an tatsächlichen Voraussetzungen sind aufzuklären. Bleibt ein behebbares Hindernis nur vorübergehend bestehen, kann statt endgültiger Einstellung eine vorläufige Lösung geboten sein.

Beispiel

Nach Eröffnung des Hauptverfahrens stellt das Gericht fest, dass dieselbe Tat bereits rechtskräftig abgeurteilt wurde. Es stellt das neue Verfahren wegen Strafklageverbrauchs ein.

Häufige Fragen

Wer prüft das Hindernis?

Jedes befasste Strafgericht muss Verfahrenshindernisse grundsätzlich von Amts wegen beachten.

Ergeht immer ein Freispruch?

Nein. Regelmäßig wird das Verfahren eingestellt, weil keine Sachentscheidung zulässig ist.

Kann ein Hindernis wegfallen?

Manche Hindernisse sind behebbar oder vorübergehend, andere dauerhaft.

Weiterführende Hinweise

Siehe auch Ermittlungsverfahren, Beschuldigter, Angeklagter, Hauptverhandlung und Beweisverwertungsverbot. Vertiefend: Strafrecht FAQ und gesetzliche Grundlage.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • | |

    Ärztliche Schweigepflicht

    Die ärztliche Schweigepflicht verpflichtet den Arzt, Geheimnisse des Patienten vertraulich zu behandeln. Geschützt sind nicht nur Diagnosen und Behandlungsdaten, sondern bereits die Tatsache, dass ein Patient ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt. Die Pflicht ergibt sich aus dem Behandlungsverhältnis, dem Berufsrecht, dem Datenschutzrecht und § 203 StGB. Sie besteht grundsätzlich auch gegenüber Angehörigen und über den…

  • | |

    Nachlassverwaltung

    Nachlassverwaltung ist ein gerichtlich angeordnetes Verfahren zur Verwaltung und Befriedigung eines überschuldeten oder unübersichtlichen Nachlasses durch einen Nachlassverwalter. Sie trennt den Nachlass haftungsrechtlich weitgehend vom Eigenvermögen des Erben und dient vorrangig den Nachlassgläubigern. Der Erbe verliert die Befugnis, den Nachlass selbst zu verwalten oder über ihn zu verfügen. Nach Begleichung der Verbindlichkeiten erhält er einen…

  • Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

    Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr ist das Beeinträchtigen der Sicherheit des Straßenverkehrs durch einen gesetzlich bezeichneten verkehrsfremden Eingriff und die dadurch verursachte konkrete Gefahr. Der Begriff gehört zum Strafrecht und dient dem Schutz bestimmter individueller oder allgemeiner Rechtsgüter. Für eine Strafbarkeit müssen die gesetzlichen objektiven und subjektiven Voraussetzungen sowie grundsätzlich Rechtswidrigkeit und Schuld vorliegen. Maßgeblich…

  • Risikoverringerung

    Risikoverringerung bezeichnet im Strafrecht eine Fallgruppe, in der der Täter eine bereits bestehende Gefahr für ein Rechtsgut nicht erhöht, sondern vermindert oder in einen weniger schweren Verlauf umlenkt. Trotz naturwissenschaftlicher Mitverursachung wird der Erfolg regelmäßig nicht objektiv zugerechnet, weil das Verhalten kein rechtlich missbilligtes Risiko geschaffen oder gesteigert hat. Maßgeblich ist ein Vergleich der Gefahrenlage…

  • Brandstiftung

    Brandstiftung ist das Inbrandsetzen oder durch Brandlegung ganz oder teilweise Zerstören eines gesetzlich geschützten Tatobjekts. Der Begriff gehört zum Strafrecht und dient dem Schutz bestimmter individueller oder allgemeiner Rechtsgüter. Für eine Strafbarkeit müssen die gesetzlichen objektiven und subjektiven Voraussetzungen sowie grundsätzlich Rechtswidrigkeit und Schuld vorliegen. Maßgeblich sind die einschlägigen Strafgesetze und ihre Auslegung durch die…

  • |

    Verfahrensgrundrecht

    Verfahrensgrundrecht ist ein Grundrecht oder grundrechtsgleiches Recht, das die faire, rechtsstaatliche und wirksame Durchführung staatlicher Verfahren schützt. Dazu zählen insbesondere rechtliches Gehör, gesetzlicher Richter, effektiver Rechtsschutz und Verfahrensgarantien bei Freiheitsentziehungen. Solche Rechte sichern nicht zwingend ein bestimmtes materielles Ergebnis, sondern eine ordnungsgemäße Entscheidungsfindung. Eine Verletzung kann bereits im fehlerhaften Verfahren liegen und zur Aufhebung oder…