|

Zwischenurteil

Zwischenurteil ist eine gerichtliche Entscheidung über eine einzelne, vorgreifliche Streitfrage, ohne den gesamten Rechtsstreit abschließend zu erledigen. Die Zivilprozessordnung unterscheidet insbesondere Zwischenurteile über die Zulässigkeit der Klage und andere Zwischenstreitigkeiten. Nur gesetzlich vorgesehene Zwischenurteile sind selbständig anfechtbar; andere können regelmäßig erst zusammen mit dem Endurteil überprüft werden. Die Entscheidung bindet das Gericht im weiteren Verfahren, soweit die betreffende Frage abschließend geklärt worden ist.

Rechtliche Bedeutung

Es strukturiert komplexe Verfahren, indem eine entscheidungserhebliche Vorfrage vor der Hauptsache geklärt wird.

Voraussetzungen und Folgen

Ein Zwischenurteil setzt eine abgrenzbare, entscheidungsreife Vorfrage voraus. Die jeweilige Vorschrift bestimmt Wirkung und selbständige Anfechtbarkeit.

Beispiel

Der Beklagte bestreitet die internationale Zuständigkeit. Das Gericht bejaht zunächst durch Zwischenurteil die Zulässigkeit der Klage und verhandelt danach über den Anspruch.

Häufige Fragen

Beendet es den Prozess?

Nein. Das Verfahren über die noch offenen Fragen wird fortgesetzt.

Ist es immer anfechtbar?

Nein. Eine selbständige Anfechtung besteht nur, soweit das Gesetz sie vorsieht.

Bindet die Entscheidung später?

Ja, soweit die entschiedene Vorfrage innerhalb des Verfahrens verbindlich geklärt ist.

Weiterführende Hinweise

Siehe auch Prozessvoraussetzungen, Zulässigkeit einer Klage, Rechtshängigkeit, Klageantrag und Begründetheit einer Klage. Vertiefend: Zivilrecht FAQ und gesetzliche Grundlage.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • Zustellung des Vollstreckungstitels

    Die Zustellung des Vollstreckungstitels ist die förmliche Bekanntgabe des vollstreckbaren Titels an den Schuldner. Sie soll sicherstellen, dass der Schuldner vor Beginn der Zwangsvollstreckung weiß, welcher Anspruch gegen ihn durchgesetzt werden soll. In der Regel muss der Titel mit Vollstreckungsklausel zugestellt sein, bevor Vollstreckungsmaßnahmen beginnen. Die Einzelheiten richten sich nach den Vorschriften über die Zustellung…

  • |

    Code de commerce von 1807

    Der Code de commerce von 1807 ist das napoleonische französische Handelsgesetzbuch, das besondere Rechtsregeln für den Handel in einer Kodifikation zusammenfasste. Es behandelte unter anderem Kaufleute, Handelsgeschäfte, Seehandel, Insolvenz und Handelsgerichtsbarkeit. Das Gesetzbuch ergänzte den Code civil um handelsbezogene Vorschriften und knüpfte dabei an ältere königliche Handelsordnungen an. Seine historische Fassung darf weder mit dem…

  • | |

    Mandatsrelevanz

    Mandatsrelevanz bedeutet im Wahlprüfungsrecht, dass ein festgestellter Wahlfehler die Verteilung der Parlamentssitze beeinflusst hat oder bei realistischer Betrachtung beeinflusst haben könnte. Sie begrenzt die Rechtsfolgen der Wahlprüfung: Rein formale Verstöße ohne mögliche Auswirkung auf die Zusammensetzung des Parlaments führen regelmäßig nicht zur Ungültigerklärung. Erforderlich ist eine konkrete, nicht nur theoretische Möglichkeit eines anderen Wahlergebnisses. Prüfungsmaßstab…

  • |

    Arzthaftungsprozess

    Der Arzthaftungsprozess ist ein gerichtliches Zivilverfahren über Ansprüche wegen einer fehlerhaften medizinischen Behandlung oder unzureichenden Aufklärung. Der Patient verlangt typischerweise Schadensersatz und Schmerzensgeld vom Behandelnden oder Krankenhausträger. Kennzeichnend sind medizinisch komplexe Tatsachenfragen, die regelmäßig durch Sachverständigengutachten geklärt werden, sowie besondere Beweisregeln der §§ 630a bis 630h BGB und der hierzu entwickelten Rechtsprechung. Rechtliche Bedeutung Im…

  • |

    Strafvereitelung

    Strafvereitelung begeht nach § 258 StGB, wer absichtlich oder wissentlich ganz oder teilweise verhindert, dass ein anderer wegen einer rechtswidrigen Tat bestraft oder einer strafrechtlichen Maßnahme unterworfen wird. Ebenso strafbar ist die Vereitelung der Vollstreckung einer bereits verhängten Strafe oder Maßnahme. Erforderlich ist eine tatsächliche, zumindest vorübergehende Vereitelung; der Versuch ist jedoch ebenfalls strafbar. Selbstbegünstigung…

  • |

    Verfahrenshindernis

    Ein Verfahrenshindernis ist ein rechtlicher Umstand, der die Durchführung oder Fortsetzung eines Strafverfahrens unzulässig macht. Dazu zählen beispielsweise fehlender Strafantrag, eingetretene Verjährung, anderweitige Rechtskraft, dauerhafte Verhandlungsunfähigkeit oder wirksame Immunität. Das Gericht prüft solche Hindernisse grundsätzlich von Amts wegen. Besteht das Hindernis bereits vor der Hauptverhandlung oder tritt es später ein, wird das Verfahren je nach…