|

Essentialia negotii

Essentialia negotii sind die wesentlichen Vertragspunkte, über die sich die Parteien einigen müssen, damit ein Vertrag hinreichend bestimmt oder zumindest bestimmbar zustande kommt. Welche Punkte wesentlich sind, hängt vom Vertragstyp ab. Beim Kauf gehören regelmäßig Parteien, Kaufsache und Preis dazu; der Preis kann nach gesetzlichen oder vereinbarten Kriterien bestimmbar sein. Neben objektiv notwendigen Punkten können Parteien weitere Fragen ausdrücklich zur Voraussetzung ihrer Bindung machen.

Rechtliche Grundlagen

Fehlt Einigung über einen wesentlichen Punkt, liegt Dissens oder noch kein vollständiges Angebot vor. Dispositives Gesetzesrecht kann nicht jede fehlende Kerneinigung ersetzen.

Verfassungsrechtlicher Bezug

Bestimmtheit schützt Privatautonomie: Gerichte sollen keine Verpflichtung schaffen, deren grundlegenden Inhalt die Parteien nicht selbst festgelegt oder bestimmbar gemacht haben.

Beispiel

Die Parteien sprechen über den Verkauf eines von mehreren Grundstücken, legen aber nicht fest, welches gemeint ist. Ohne Bestimmbarkeit fehlt ein wesentlicher Vertragspunkt.

Häufige Fragen

Muss der Preis als Zahl feststehen?

Nicht immer. Er kann durch objektive Kriterien oder ein zulässiges Bestimmungsrecht bestimmbar sein.

Sind Nebenpunkte unwichtig?

Sie können wesentlich werden, wenn eine Partei erkennbar ihre Bindung davon abhängig macht.

Gibt es für jeden Vertrag dieselben Punkte?

Nein. Die notwendigen Inhalte richten sich nach Vertragstyp und Vereinbarung.

Weiterführende Hinweise

Siehe auch Zivilrecht, Vertragsfreiheit, Willenserklärung, Formfreiheit, Nichtigkeit und Angebot. Vertiefend: Zivilrecht FAQ, Grundrechte FAQ und Das Grundgesetz.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • | |

    Gehaltsabtretung

    Gehaltsabtretung ist die vertragliche Übertragung eines Anspruchs auf Arbeitsentgelt oder Diensteinkommen an einen anderen Gläubiger. Sie dient häufig der Kreditsicherung und kann auch künftig entstehende, hinreichend bestimmte Ansprüche erfassen. Unpfändbare Forderungsteile dürfen nach § 400 BGB nicht abgetreten werden; vertragliche Ausschlüsse sind ebenfalls zu prüfen. Für die in § 411 BGB genannten öffentlichen Dienstbezüge gelten…

  • Naturalunterhalt

    Naturalunterhalt ist Unterhalt, der nicht durch Geldzahlung, sondern durch tatsächliche Versorgung erbracht wird. Dazu gehören insbesondere Wohnung, Nahrung, Kleidung, Pflege, Betreuung und Erziehung. Bei einem minderjährigen Kind erfüllt der Elternteil, bei dem das Kind überwiegend lebt, seine Unterhaltspflicht regelmäßig auf diese Weise. Der andere Elternteil schuldet grundsätzlich Barunterhalt. Beide Leistungsformen sind rechtlich grundsätzlich gleichwertig, können…

  • |

    Vermächtnis

    Vermächtnis ist eine letztwillige Zuwendung, durch die der Erblasser einem Begünstigten einen Vermögensvorteil verschafft, ohne ihn zum Erben einzusetzen. Der Vermächtnisnehmer erhält den zugewendeten Gegenstand oder Geldbetrag nicht automatisch unmittelbar aus dem Nachlass, sondern grundsätzlich einen Anspruch gegen den beschwerten Erben. Gegenstand können Sachen, Forderungen, Nutzungsrechte oder andere Vorteile sein. Inhalt, Fälligkeit und Belasteter ergeben…

  • | |

    Notaranderkonto

    Notaranderkonto Notaranderkonto ist ein treuhänderisch geführtes Bankkonto des Notars, auf dem fremde Gelder bis zum Eintritt vereinbarter Auszahlungsbedingungen verwahrt werden. Beim Immobilienkauf ist seine Nutzung nur zulässig, wenn ein berechtigtes Sicherungsinteresse besteht; die bloße Bequemlichkeit genügt nicht. Regelmäßig zahlt der Käufer direkt an den Verkäufer oder abzulösende Gläubiger. Ein Anderkonto kann etwa bei komplexen Lastenfreistellungen,…

  • | | |

    Sicherungsgrundschuld

    Die Sicherungsgrundschuld ist eine Grundschuld, die aufgrund eines Sicherungsvertrags der Absicherung einer Forderung dient. Anders als die Hypothek ist sie rechtlich nicht akzessorisch; Bestand und Höhe des Grundpfandrechts hängen daher nicht automatisch von der Forderung ab. Die Sicherungsabrede bestimmt, wann der Gläubiger verwerten darf und welche Rückgewähransprüche bestehen. § 1192 Absatz 1a BGB schützt den…

  • |

    Einbenennung

    Einbenennung ist die familienrechtliche Namensänderung eines Kindes, durch die es den Ehenamen eines Elternteils und seines Ehegatten erhält. Sie soll die namensmäßige Zugehörigkeit zur neuen Familiengemeinschaft ermöglichen, ohne die rechtliche Abstammung zu verändern. Erforderlich sind gesetzlich bestimmte Erklärungen und häufig die Einwilligung des anderen rechtlichen Elternteils oder des Kindes. Verweigert ein Elternteil die Zustimmung, kann…