| | | |

Schadensminderungspflicht nach Verkehrsunfall

Schadensminderungspflicht nach Verkehrsunfall bezeichnet die Obliegenheit des Geschädigten, einen vermeidbaren Anstieg seines Unfallschadens zu verhindern. Er muss sich wirtschaftlich vernünftig verhalten, ohne die Interessen des Schädigers über seine eigenen stellen zu müssen. Verletzt er diese Pflicht schuldhaft, kann sein Ersatzanspruch gekürzt werden. Typische Fragen betreffen Reparaturdauer, Mietwagenkosten, Restwertangebote, Notreparaturen und die rechtzeitige Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs. Der Schädiger trägt grundsätzlich die Darlegungs- und Beweislast für den Verstoß.

Rechtliche Einordnung

Rechtsgrundlage ist § 254 Absatz 2 BGB. Die Anforderungen hängen von Erkenntnismöglichkeiten, Zumutbarkeit und der konkreten Situation des Geschädigten ab.

Bedeutung und Abgrenzung

Die Obliegenheit ist keine selbstständig einklagbare Pflicht. Ihre Verletzung führt vielmehr dazu, dass der Geschädigte einen vermeidbaren Teil seines Schadens selbst tragen muss.

Beispiel

Ein fahrbereites Unfallfahrzeug könnte mit einer kostengünstigen Notreparatur weitergenutzt werden. Der Geschädigte mietet stattdessen ohne nachvollziehbaren Grund für viele Wochen ein Ersatzfahrzeug; die Mehrkosten können gekürzt werden.

Häufige Fragen

Muss der Geschädigte die billigste Lösung wählen?

Nein. Er muss nur im Rahmen des Zumutbaren wirtschaftlich handeln und darf regelmäßig auf sachverständige oder fachliche Einschätzungen vertrauen.

Muss er ein Restwertangebot des Versicherers annehmen?

Nur unter bestimmten Voraussetzungen, insbesondere wenn es ihm rechtzeitig und zumutbar zugänglich gemacht wird.

Wer beweist den Pflichtverstoß?

Grundsätzlich muss der Ersatzpflichtige darlegen und beweisen, dass der Schaden vermeidbar erhöht wurde.

Verwandte Begriffe und Quellen

Verkehrsunfall, Schadensersatz, Halterhaftung, Betriebsgefahr, Mitverschulden und Kfz-Haftpflichtversicherung

Vertiefende Informationen bietet verkehrsrecht-faq.de. Maßgebliche Rechtsgrundlagen finden sich insbesondere im Straßenverkehrsgesetz, in der Straßenverkehrs-Ordnung, im Ordnungswidrigkeitengesetz und im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Haushaltsgegenstände

    Haushaltsgegenstände sind bewegliche Sachen, die nach den Lebensverhältnissen der Ehegatten für die gemeinsame Haushaltsführung, das familiäre Zusammenleben oder die Freizeitgestaltung bestimmt sind. Dazu können Möbel, Haushaltsgeräte und ein gemeinsam genutztes Familienfahrzeug gehören. Bei Trennung und Scheidung gelten besondere Regeln für Nutzung, Herausgabe und endgültige Verteilung. Nicht erfasst sind regelmäßig Gegenstände, die ausschließlich dem Beruf, dem…

  • Personensorge

    Die Personensorge ist der Teil der elterlichen Sorge, der die persönlichen Angelegenheiten eines minderjährigen Kindes betrifft. Sie umfasst insbesondere Pflege, Erziehung, Beaufsichtigung, Aufenthaltsbestimmung, Gesundheit, schulische und berufliche Ausbildung sowie die Bestimmung des Umgangs mit Dritten innerhalb gesetzlicher Grenzen. Eltern müssen dabei die wachsende Selbstständigkeit und den Willen des Kindes berücksichtigen. Sämtliche Entscheidungen sind am Kindeswohl…

  • | | | |

    Amtshaftungsanspruch

    Der Amtshaftungsanspruch gewährt Schadensersatz, wenn ein Amtsträger vorsätzlich oder fahrlässig eine ihm gegenüber einem Dritten obliegende Amtspflicht verletzt und dadurch einen Schaden verursacht. Rechtsgrundlagen sind § 839 BGB in Verbindung mit Art. 34 GG. Die Haftung trifft grundsätzlich den Staat oder die Körperschaft, in deren Dienst der Handelnde steht. Ersetzt wird der nach zivilrechtlichen Grundsätzen…

  • | | | |

    Prognoserisiko

    Prognoserisiko bezeichnet im Schadensersatzrecht das Risiko, dass eine fachlich vertretbare Prognose über Reparaturkosten, Reparaturweg oder Schadensumfang später nicht vollständig zutrifft. Trifft der Geschädigte seine Entscheidung auf Grundlage eines ordnungsgemäßen Gutachtens und ohne erkennbare Fehler, werden nachträgliche Abweichungen grundsätzlich dem Schädiger zugerechnet. Der Geschädigte soll nicht deshalb weniger Ersatz erhalten, weil sich die Wiederherstellung im Nachhinein…

  • | |

    Fundrecht

    Fundrecht ist die Gesamtheit der Vorschriften über verlorene und gefundene Sachen, insbesondere in den §§ 965 bis 984 BGB. Wer eine verlorene Sache findet und an sich nimmt, muss den Fund grundsätzlich anzeigen, die Sache verwahren und gegebenenfalls abliefern. Der Finder kann Aufwendungsersatz und Finderlohn beanspruchen. Meldet sich der Empfangsberechtigte nicht, kann nach Ablauf der…

  • |

    Einbenennung

    Einbenennung ist die familienrechtliche Namensänderung eines Kindes, durch die es den Ehenamen eines Elternteils und seines Ehegatten erhält. Sie soll die namensmäßige Zugehörigkeit zur neuen Familiengemeinschaft ermöglichen, ohne die rechtliche Abstammung zu verändern. Erforderlich sind gesetzlich bestimmte Erklärungen und häufig die Einwilligung des anderen rechtlichen Elternteils oder des Kindes. Verweigert ein Elternteil die Zustimmung, kann…