| |

Völkermord

Völkermord ist eine internationale Straftat, bei der bestimmte Handlungen in der Absicht begangen werden, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören. Zu den erfassten Handlungen gehören insbesondere Tötung, schwere körperliche oder seelische Schädigung, zerstörerische Lebensbedingungen, Geburtenverhinderung und gewaltsame Überführung von Kindern. Entscheidend ist die besondere Zerstörungsabsicht. Völkermord kann in Friedenszeiten und während bewaffneter Konflikte begangen werden.

Geschützte Gruppen

Der Tatbestand schützt die in der Völkermordkonvention abschließend genannten Gruppen. Politische oder soziale Gruppen fallen nicht ohne Weiteres darunter. Die beabsichtigte Teilzerstörung muss einen wesentlichen Teil der Gruppe betreffen.

Individuelle und staatliche Verantwortung

Natürliche Personen können strafrechtlich verfolgt werden, etwa vor nationalen Gerichten oder dem Internationalen Strafgerichtshof. Daneben kann ein Staat für Verletzungen der Pflicht zur Verhütung und Bestrafung verantwortlich sein.

Beispiel

Eine Führung ordnet planmäßig Tötungen an, um einen wesentlichen Teil einer geschützten ethnischen Gruppe zu vernichten. Darin kann Völkermord liegen.

Häufige Fragen

Genügen sehr viele Tötungen für sich allein?

Nein. Zusätzlich muss die spezifische Absicht nachgewiesen werden, die geschützte Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören.

Ist Anstiftung zu Völkermord strafbar?

Ja. Die unmittelbare und öffentliche Anreizung zum Völkermord wird eigenständig erfasst.

Verwandte Begriffe

Völkerstrafrecht, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Zerstörungsabsicht, Staatenverantwortlichkeit.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Retorsion

    Retorsion ist eine rechtmäßige, aber unfreundliche Reaktion eines Staates auf das Verhalten eines anderen Staates. Anders als eine Gegenmaßnahme verstößt sie selbst nicht gegen eine völkerrechtliche Pflicht und bedarf daher keiner vorausgegangenen Völkerrechtsverletzung. Typische Retorsionen sind die Einschränkung freiwilliger Zusammenarbeit, die Abberufung eines Botschafters, strengere Visumpolitik oder die Aussetzung nicht geschuldeter Hilfen. Auch Retorsionen müssen…

  • |

    Strafrecht

    Strafrecht: Strafrecht ist der Teil der Rechtsordnung, der strafbares Verhalten bestimmt und die Voraussetzungen sowie Folgen staatlicher Strafe regelt. Einordnung Der Begriff gehört zum deutschen Strafrecht. Ausgangspunkt ist das Strafgesetzbuch; daneben bestehen zahlreiche strafrechtliche Nebengesetze. Prüfung Eine Straftat wird grundsätzlich anhand von Tatbestandsmäßigkeit, Rechtswidrigkeit und Schuld geprüft. Zum Tatbestand gehören objektive und subjektive Merkmale. Beispiel…

  • |

    Reparation

    Reparation bezeichnet im Völkerrecht die vollständige Wiedergutmachung der Folgen einer einem Staat zurechenbaren völkerrechtswidrigen Handlung. Sie ist eine zentrale Rechtsfolge der Staatenverantwortlichkeit und soll den Zustand herstellen, der ohne die Pflichtverletzung bestanden hätte. Je nach Art des Schadens erfolgt Reparation durch Wiederherstellung, finanzielle Entschädigung oder Genugtuung; diese Formen können miteinander verbunden werden. Der Umfang wird…

  • Einspruchsgesetz

    Ein Einspruchsgesetz ist ein Bundesgesetz, bei dem die Zustimmung des Bundesrates nicht erforderlich ist. Der Bundesrat kann jedoch nach einem Vermittlungsverfahren Einspruch einlegen. Diesen Einspruch darf der Bundestag mit den verfassungsrechtlich vorgeschriebenen Mehrheiten zurückweisen. Anders als beim Zustimmungsgesetz besitzt der Bundesrat daher kein endgültiges Vetorecht. Ob ein Gesetz Einspruchs- oder Zustimmungsgesetz ist, richtet sich danach,…

  • | |

    Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)

    Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, abgekürzt EGMR, ist ein internationales Gericht des Europarats mit Sitz in Straßburg. Er überwacht die Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention durch ihre Vertragsstaaten. Der Gerichtshof entscheidet insbesondere über Individual- und Staatenbeschwerden und kann verbindlich feststellen, dass ein Staat Konventionsrechte verletzt hat. Er ist keine weitere nationale Rechtsmittelinstanz und korrigiert nicht jeden…

  • | | |

    Living Instrument Doctrine

    Die Living Instrument Doctrine bezeichnet den Auslegungsgrundsatz, nach dem die Europäische Menschenrechtskonvention als lebendiges Instrument im Licht der heutigen Verhältnisse verstanden wird. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte beschränkt sich daher nicht auf das gesellschaftliche Verständnis von 1950, sondern berücksichtigt rechtliche, soziale und technische Entwicklungen. Die dynamische Auslegung soll gewährleisten, dass Konventionsrechte praktisch und wirksam bleiben….