|

Weltrechtsprinzip

Weltrechtsprinzip ist ein strafrechtlicher Anknüpfungsgrund, nach dem ein Staat besonders schwere internationale Straftaten verfolgen darf, obwohl Tat, Täter und Opfer keinen unmittelbaren Bezug zu seinem Hoheitsgebiet oder seiner Staatsangehörigkeit haben. Grundlage ist das gemeinsame Interesse der Staatengemeinschaft an der Ahndung bestimmter Verbrechen. Reichweite und Verfahrensvoraussetzungen bestimmen Völkerrecht und nationales Recht. In Deutschland enthält insbesondere das Völkerstrafgesetzbuch entsprechende Zuständigkeiten.

Rechtliche Bedeutung

Das Prinzip bekämpft Straflosigkeit bei Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, bleibt aber von Immunitäten und Prozessregeln begrenzt. Maßgebliche Grundlagen erläutert das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs. Passende Wörterbuchartikel sind Völkerrecht, Völkerrechtsquelle, völkerrechtlicher Vertrag und Staatensouveränität sowie Völkerstrafrecht.

Abgrenzung

Universelle nationale Gerichtsbarkeit ist von der Zuständigkeit internationaler Strafgerichte zu unterscheiden.

Beispiel

Deutsche Behörden ermitteln wegen im Ausland begangener Kriegsverbrechen gegen ausländische Opfer, obwohl der Beschuldigte kein Deutscher ist.

FAQ

Erfasst das Prinzip jede Straftat?

Nein. Es gilt nur für besonders bestimmte internationale Verbrechen und gesetzlich geregelte Fälle.

Muss der Beschuldigte in Deutschland sein?

Die materielle Zuständigkeit kann weiter reichen; tatsächliche Verfolgung hängt jedoch von Verfahrensregeln und Ermessensentscheidungen ab.

Entfallen Immunitäten?

Nicht automatisch. Persönliche und funktionelle Immunitäten sind gesondert zu prüfen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • | |

    Autonome Begriffe der EMRK

    Autonome Begriffe der EMRK sind Begriffe der Europäischen Menschenrechtskonvention, deren Bedeutung der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eigenständig und unabhängig von ihrer Einordnung im nationalen Recht bestimmt. Dadurch soll verhindert werden, dass Vertragsstaaten den Umfang des Konventionsschutzes durch unterschiedliche Bezeichnungen oder Rechtsformen beeinflussen. Autonom ausgelegt werden etwa die Begriffe strafrechtliche Anklage, zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen, Eigentum…

  • Einheitsstrafe im Jugendstrafrecht

    Die Einheitsstrafe im Jugendstrafrecht ist eine einheitliche Rechtsfolge, die bei mehreren Straftaten eines Jugendlichen oder Heranwachsenden an die Stelle einzelner Strafen tritt. Anders als im Erwachsenenstrafrecht werden grundsätzlich keine gesonderten Einzelstrafen zu einer Gesamtstrafe zusammengezogen. Das Jugendgericht bewertet vielmehr Persönlichkeit, Entwicklung und sämtliche Taten zusammen. So soll eine widerspruchsfreie, erzieherisch geeignete und am jungen Täter…

  • |

    Internationaler Seegerichtshof

    Der Internationale Seegerichtshof ist ein ständiges internationales Gericht mit Sitz in Hamburg, das Streitigkeiten über Auslegung und Anwendung des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen entscheidet. Er besteht aus unabhängigen Richtern verschiedener Weltregionen. Zuständig wird er nur auf völkerrechtlicher Grundlage, etwa durch Parteiwahl, besondere Vertragsklauseln oder spezielle Verfahren. Zu seinen Aufgaben gehören Hauptsacheverfahren, Gutachten in begrenzten Bereichen…

  • Direkter Vorsatz

    Direkter Vorsatz bezeichnet das sichere Wissen des Täters, dass er den gesetzlichen Tatbestand verwirklichen wird. Der Begriff gehört zum Allgemeinen Teil des Strafrechts und bestimmt Voraussetzungen, Zurechnung oder persönliche Verantwortlichkeit einer Straftat. Seine genaue Einordnung entscheidet häufig darüber, ob und wegen welcher Beteiligungs- oder Begehungsform ein Täter strafbar ist. Maßgeblich sind das Strafgesetzbuch und die…

  • |

    Pflichtverteidiger

    Pflichtverteidiger ist ein vom Gericht bestellter Strafverteidiger, dessen Mitwirkung wegen eines Falls notwendiger Verteidigung nach §§ 140 ff. StPO gesichert wird. Die Bestellung knüpft nicht an die Bedürftigkeit des Beschuldigten an, sondern an Bedeutung, Schwierigkeit oder besondere Verfahrenslagen. Sie erfolgt grundsätzlich, wenn notwendige Verteidigung besteht und kein Verteidiger vorhanden ist. Der Beschuldigte darf regelmäßig einen…

  • Privilegierung im Strafrecht

    Eine Privilegierung im Strafrecht ist ein selbständiger Tatbestand, der gegenüber einem Grunddelikt zusätzliche oder abweichende Merkmale aufweist und wegen eines typischerweise geringeren Unrechts- oder Schuldgehalts eine mildere Strafe androht. Sie ist keine bloße Strafzumessungsregel, sondern verändert den gesetzlichen Tatbestand. Sind ihre Voraussetzungen erfüllt, wird der Täter grundsätzlich aus der spezielleren Privilegierung bestraft. Ihre Merkmale sind…