Rechtsgeschichte

Historische Rechtsordnungen, Kodifikationen, Gerichte und Entwicklungen des deutschen und europäischen Rechts.

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    Kodifikation

    Eine Kodifikation ist die planmäßige, systematische und grundsätzlich umfassende Zusammenfassung eines größeren Rechtsgebiets in einem Gesetzbuch. Sie soll verstreute Regeln ordnen, vereinheitlichen und für Rechtsanwender zugänglich machen. Kodifikationen beruhen häufig auf einer bewussten gesetzgeberischen Gesamtkonzeption und unterscheiden sich von bloßen Sammlungen bestehender Vorschriften. Bedeutende Beispiele sind das Bürgerliche Gesetzbuch, der Code civil und historische Strafgesetzbücher….

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    Ministeranklage

    Ministeranklage ist ein besonderes verfassungsgerichtliches Verfahren, in dem ein Parlament einem Minister eine vorsätzliche oder grob fahrlässige Verletzung der Verfassung oder eines Gesetzes im Amt vorwirft. Voraussetzungen, Antragsquoren und mögliche Rechtsfolgen ergeben sich aus der jeweiligen Verfassung. Das Grundgesetz kennt keine allgemeine Ministeranklage auf Bundesebene; entsprechende Regelungen finden sich jedoch in einzelnen Landesverfassungen und in…

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    Deutsche Bundesakte

    Die Deutsche Bundesakte vom 8. Juni 1815 war der völkerrechtliche Gründungsvertrag des Deutschen Bundes. Sie verband souveräne deutsche Fürsten und freie Städte zu einem dauerhaften Staatenbund, schuf den Bundestag in Frankfurt am Main und regelte Grundzüge gemeinsamer Sicherheit. Ein deutscher Bundesstaat oder eine unmittelbar gewählte Volksvertretung entstand nicht. Artikel 13 kündigte landständische Verfassungen in den…

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    Karlsbader Beschlüsse

    Die Karlsbader Beschlüsse waren 1819 vereinbarte und vom Deutschen Bund umgesetzte Maßnahmen zur Bekämpfung liberaler und nationaler Bewegungen. Sie führten zu strenger Pressezensur, Überwachung der Universitäten, Verfolgung oppositioneller Zusammenschlüsse und einer zentralen Untersuchungskommission in Mainz. Anlass war die Ermordung August von Kotzebues; politisch setzte besonders Österreichs Staatskanzler Metternich die Beschlüsse durch. Die Regelungen schränkten Meinungs-,…

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    Grundrechte des deutschen Volkes

    Die Grundrechte des deutschen Volkes waren ein von der Frankfurter Nationalversammlung 1848 beschlossenes und als Reichsgesetz verkündetes Grundrechtsprogramm. Es gewährleistete unter anderem Gleichheit vor dem Gesetz, persönliche Freiheit, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Meinungs- und Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Eigentumsschutz und unabhängige Gerichte. Die Grundrechte wurden 1849 in die Paulskirchenverfassung aufgenommen. Politisch konnten sie sich nach dem Scheitern der…

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    Norddeutscher Bund

    Der Norddeutsche Bund war zunächst ein 1866 gegründetes Militärbündnis und ab 1867 ein Bundesstaat unter preußischer Führung. Seine Verfassung schuf Bundesrat, Reichstag, Bundespräsidium und Bundeskanzler und verband föderale Mitwirkung mit einer vom allgemeinen Männerwahlrecht legitimierten Volksvertretung. Die Mitgliedstaaten behielten eigene Staatlichkeit, übertrugen dem Bund aber wichtige Gesetzgebungs- und Außenkompetenzen. Nach dem Beitritt süddeutscher Staaten ging…

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    Reichsjustizgesetze

    Die Reichsjustizgesetze waren ein Bündel von 1877 verabschiedeten und 1879 in Kraft getretenen Gesetzen, die Gerichtsorganisation und Verfahren im Deutschen Reich vereinheitlichten. Im Zentrum standen Gerichtsverfassungsgesetz, Zivilprozessordnung, Strafprozessordnung und Konkursordnung; weitere Einführungs- und Gebührenregelungen ergänzten sie. Die Reform beseitigte zahlreiche einzelstaatliche Verfahrensordnungen, schuf einen weitgehend einheitlichen Instanzenaufbau und errichtete das Reichsgericht als obersten Gerichtshof. Wesentliche…

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    Reichshofrat

    Der Reichshofrat war neben dem Reichskammergericht eines der beiden höchsten Gerichte des Heiligen Römischen Reiches. Kaiser Maximilian I. richtete ihn 1497/1498 als kaiserliches Rats- und Rechtsprechungsorgan ein. Er entschied insbesondere über Reichslehen, Privilegien, Standesfragen und zahlreiche Zivilstreitigkeiten. Anders als das ständisch geprägte Reichskammergericht war er enger an den Kaiser gebunden und folgte ihm grundsätzlich an…

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    Reichspräsidentenverordnung

    Eine Reichspräsidentenverordnung war eine vom Reichspräsidenten der Weimarer Republik erlassene Verordnung, häufig gestützt auf die Notstandsbefugnisse des Artikels 48 Absatz 2 der Weimarer Reichsverfassung. Bei erheblicher Störung oder Gefährdung öffentlicher Sicherheit und Ordnung konnte der Reichspräsident Maßnahmen treffen und bestimmte Grundrechte vorübergehend außer Kraft setzen. Die Reichsregierung musste gegenzeichnen; der Reichstag konnte die Aufhebung verlangen….

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    Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis

    Der Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis war das 1756 in Kraft gesetzte bayerische Zivilgesetzbuch. Die unter Kurfürst Maximilian III. Joseph von Wiguläus von Kreittmayr ausgearbeitete Kodifikation ordnete das Privatrecht des Kurfürstentums Bayern systematisch, verband gemeines römisches Recht mit einheimischen Rechtsquellen und verwendete deutsche Gesetzessprache. Er gehörte zu den wichtigen Naturrechtskodifikationen des 18. Jahrhunderts, blieb jedoch ständisch…