| | |

Prozesskostenhilfe vor dem EGMR

Prozesskostenhilfe vor dem EGMR ist eine finanzielle Unterstützung für einen mittellosen Beschwerdeführer, wenn anwaltliche Vertretung oder Verfahrensführung nach Zustellung der Beschwerde an den betroffenen Staat erforderlich wird. Sie wird nicht automatisch und regelmäßig nicht für die anfängliche Einreichung des Beschwerdeformulars gewährt. Maßgeblich sind Bedürftigkeit und die Erforderlichkeit einer geordneten Rechtspflege. Die bewilligten Pauschalen decken tatsächliche Anwalts- und Übersetzungskosten häufig nur teilweise.

Rechtliche Einordnung

Die Unterstützung soll effektive Verfahrensbeteiligung ermöglichen, ohne ein allgemeines kostenloses Beratungsangebot vor Einleitung des Straßburger Verfahrens zu schaffen.

Voraussetzungen und Rechtsfolgen

Voraussetzungen

Erforderlich sind regelmäßig die Zustellung an den Vertragsstaat, hinreichende Bedürftigkeit und die Notwendigkeit der Hilfe für eine sachgerechte Verfahrensführung.

Rechtsfolgen

Bei Bewilligung übernimmt der Europarat bestimmte Kosten nach festgelegten Sätzen; weitergehende Kosten können beim Beschwerdeführer verbleiben.

Beispiel

Nach Kommunikation einer komplexen Beschwerde beantragt ein einkommensloser Beschwerdeführer Unterstützung für anwaltliche Schriftsätze und Übersetzungen.

Häufige Fragen

Gibt es Hilfe schon für das erste Formular?

Regelmäßig nein.

Wer entscheidet über die Bewilligung?

Der Gerichtshof entscheidet nach seinen Verfahrensregeln.

Werden alle tatsächlichen Kosten ersetzt?

Nicht zwingend; die Unterstützung erfolgt nach festgelegten Sätzen.

Weiterführende Hinweise

Passende Wörterbuchartikel: Individualbeschwerde zum EGMR, Große Kammer des EGMR, Gerechte Entschädigung. Als weiterführende, nicht werbliche Quellen dienen anwalt-menschenrechtsbeschwerde.de und Europäische Menschenrechtskonvention.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Organhaftung

    Organhaftung bezeichnet die persönliche Verantwortlichkeit von Organmitgliedern juristischer Personen für Schäden, die sie durch pflichtwidrige Geschäftsführung, Überwachung oder Vertretung verursachen. Betroffen sind etwa Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte oder Mitglieder öffentlich-rechtlicher Organe. Voraussetzungen und Haftungsmaßstab richten sich nach der jeweiligen Organisationsform und dem einschlägigen Gesetz. Zu prüfen sind Pflichtverletzung, Verschulden, Schaden, Kausalität sowie mögliche Haftungsbegrenzungen, Freistellungen oder…

  • Allgemeiner Gleichheitssatz

    Allgemeiner Gleichheitssatz bezeichnet das Gebot des Art. 3 Abs. 1 GG, wesentlich Gleiches gleich und wesentlich Ungleiches seiner Eigenart entsprechend verschieden zu behandeln. Der Begriff gehört zur allgemeinen Grundrechtslehre oder zu einem besonderen Freiheits- oder Gleichheitsrecht. Seine Anwendung bestimmt, wer geschützt ist, welche staatlichen Maßnahmen erfasst werden und unter welchen Voraussetzungen Beschränkungen verfassungsrechtlich zulässig sind….

  • Bundespräsident

    Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Er wird von der Bundesversammlung für fünf Jahre gewählt und kann einmal wiedergewählt werden. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere die völkerrechtliche Vertretung des Bundes, die Ausfertigung von Bundesgesetzen, die Ernennung und Entlassung bestimmter Amtsträger sowie Vorschlags- und Reservebefugnisse bei der Regierungsbildung. Die meisten seiner Anordnungen und Verfügungen…

  • |

    Nachforderungsbescheid

    Ein Nachforderungsbescheid ist im Steuerverfahren eine Steuerfestsetzung, mit der die Finanzbehörde eine bislang nicht oder zu niedrig angemeldete Steuer gegenüber dem Verpflichteten festsetzt. Bei gesetzlich vorgeschriebenen Steueranmeldungen ermöglicht § 167 AO einen Bescheid insbesondere dann, wenn die behördliche Festsetzung von der Anmeldung abweicht oder diese unterblieben ist. Der Bescheid beruht auf der eigenen steuerlichen Verpflichtung…

  • |

    Allgemeine Rechtsgrundsätze

    Allgemeine Rechtsgrundsätze sind grundlegende rechtliche Wertungen und Strukturprinzipien, die in den Rechtsordnungen allgemein anerkannt sind und zur Lösung völkerrechtlicher Fragen herangezogen werden können. Sie bilden neben Verträgen und Völkergewohnheitsrecht eine klassische Völkerrechtsquelle. Ihre Funktion besteht vor allem darin, Regelungslücken zu schließen und ein kohärentes Verfahren zu ermöglichen. Beispiele sind Treu und Glauben, Rechtskraft, Verbot des…

  • Erste Lesung

    Erste Lesung bezeichnet die erste Beratung eines Gesetzentwurfs im Plenum des Bundestages. Er gehört zu den wichtigen Regeln des parlamentarischen Regierungssystems und bestimmt Verfahren, Zuständigkeiten oder Kontrollbeziehungen zwischen Bundestag und Bundesregierung. Seine konkrete Ausgestaltung muss demokratische Legitimation und Funktionsfähigkeit staatlicher Organe miteinander verbinden. Maßgeblich sind das Grundgesetz, die Geschäftsordnungen der Verfassungsorgane und die verfassungsgerichtliche Rechtsprechung….