| | | |

Haftungsquote bei Verkehrsunfällen

Haftungsquote bei Verkehrsunfällen bezeichnet den prozentualen Anteil, zu dem jeder Unfallbeteiligte für den entstandenen Schaden einzustehen hat. Sie ergibt sich vor allem aus den feststellbaren Verursachungsbeiträgen, Verkehrsverstößen und den Betriebsgefahren der beteiligten Fahrzeuge. Kann der Unfall nicht ausschließlich einem Beteiligten zugerechnet werden, wird der ersatzfähige Schaden entsprechend geteilt. Die Quote gilt nicht automatisch für jeden Schadensposten gleich, sondern setzt eine Würdigung der konkreten Umstände voraus.

Rechtliche Einordnung

Bei Unfällen zwischen Kraftfahrzeugen richtet sich die Abwägung insbesondere nach § 17 StVG. Berücksichtigt werden nur feststehende Umstände, die sich nachweisbar auf die Entstehung oder den Umfang des Schadens ausgewirkt haben.

Bedeutung und Abgrenzung

Die Haftungsquote ist von einem pauschalen Mitverschuldensvorwurf zu unterscheiden. Auch die verschuldensunabhängige Betriebsgefahr kann eine Mithaftung begründen. Bei einem unabwendbaren Ereignis oder nachgewiesenem Alleinverschulden kann die Quote ausnahmsweise vollständig zulasten einer Seite gehen.

Beispiel

Ein Autofahrer missachtet beim Abbiegen die Vorfahrt; der andere fährt nachweislich deutlich zu schnell. Das Gericht bewertet beide Beiträge und nimmt beispielsweise eine Haftungsverteilung von 70 zu 30 Prozent vor.

Häufige Fragen

Wer legt die Quote fest?

Zunächst verhandeln regelmäßig die Versicherer. Kommt keine Einigung zustande, entscheidet das Gericht anhand der bewiesenen Unfallumstände.

Zählt jede Verkehrsregelverletzung?

Nur ein feststehender Verstoß, der für den Unfall ursächlich geworden ist, darf in die Abwägung eingestellt werden.

Was bedeutet eine Quote von 25 Prozent?

Der Geschädigte erhält grundsätzlich 75 Prozent seiner quotierbaren Schäden und trägt 25 Prozent selbst.

Verwandte Begriffe und Quellen

Verkehrsunfall, Schadensersatz, Halterhaftung, Betriebsgefahr, Mitverschulden und Kfz-Haftpflichtversicherung

Vertiefende Informationen bietet verkehrsrecht-faq.de. Maßgebliche Rechtsgrundlagen finden sich insbesondere im Straßenverkehrsgesetz, in der Straßenverkehrs-Ordnung, im Ordnungswidrigkeitengesetz und im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Heilung eines Formmangels

    Heilung eines Formmangels bedeutet, dass ein zunächst wegen fehlender gesetzlicher Form unwirksames Rechtsgeschäft durch ein späteres, gesetzlich bestimmtes Ereignis wirksam wird. Eine Heilung tritt nur ein, wenn das Gesetz sie ausdrücklich vorsieht. Beispiele sind bei Grundstückskaufverträgen Auflassung und Grundbucheintragung oder bei bestimmten Schenkungsversprechen die Bewirkung der versprochenen Leistung. Die Heilung kann je nach Regelung rückwirkend…

  • Umgangspflegschaft

    Die Umgangspflegschaft ist eine familiengerichtliche Maßnahme zur Durchführung einer Umgangsregelung, wenn die betreuende Person ihre Pflicht zur Ermöglichung des Umgangs dauerhaft oder wiederholt erheblich verletzt. Der Umgangspfleger erhält einen begrenzten Wirkungskreis und darf insbesondere die Herausgabe des Kindes zur Durchführung des Umgangs verlangen sowie den Aufenthalt für die Umgangsdauer bestimmen. Die Maßnahme greift in die…

  • |

    Zweigliedriger Streitgegenstandsbegriff

    Zweigliedriger Streitgegenstandsbegriff ist die im deutschen Zivilprozess vorherrschende Lehre, nach der der Streitgegenstand durch zwei Elemente bestimmt wird: den Klageantrag und den ihm zugrunde liegenden Lebenssachverhalt. Nicht die einzelne materiell-rechtliche Anspruchsgrundlage legt den Prozessgegenstand fest. Deshalb kann das Gericht denselben Sachverhalt unter verschiedenen Rechtsnormen prüfen, ohne den Streitgegenstand zu wechseln. Das Konzept ist entscheidend für…

  • | |

    Erbunwürdigkeit

    Erbunwürdigkeit ist der gesetzliche Ausschluss eines Erben oder Vermächtnisnehmers wegen besonders schwerwiegenden Fehlverhaltens gegenüber dem Erblasser oder dessen letzter Willensbildung. Gründe können etwa vorsätzliche Tötung, Verhinderung der Testamentserrichtung oder bestimmte Urkundendelikte sein. Die Unwürdigkeit wirkt grundsätzlich nicht automatisch, sondern muss nach dem Erbfall durch Anfechtungsklage geltend gemacht werden. Bei Erfolg gilt der Erwerb als nicht…

  • | | | |

    Rückstufungsschaden

    Rückstufungsschaden ist der wirtschaftliche Nachteil, den ein Versicherungsnehmer durch die Rückstufung seines Schadenfreiheitsrabatts nach der Regulierung eines Verkehrsunfalls erleidet. Die künftig höheren Versicherungsbeiträge können ersatzfähig sein, wenn der Unfallgegner für den Schaden haftet und die Inanspruchnahme der eigenen Kaskoversicherung aus Sicht des Geschädigten vernünftig war. Bei geteilter Haftung richtet sich der Ersatz nach den Umständen…

  • | |

    Betriebskosten

    Betriebskosten Betriebskosten sind laufende Kosten, die dem Eigentümer durch den bestimmungsgemäßen Gebrauch eines Grundstücks, Gebäudes und seiner Anlagen fortlaufend entstehen. Dazu zählen bei entsprechender Vereinbarung etwa Grundsteuer, Wasser, Heizung, Müllabfuhr, Gebäudereinigung, Gartenpflege, Beleuchtung und Sachversicherungen. Verwaltungs-, Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten gehören grundsätzlich nicht dazu. Der Mieter trägt Betriebskosten nur, wenn der Mietvertrag dies wirksam vorsieht; Abrechnung…

2 Kommentare

Die Kommentare sind geschlossen.