| |

Erbunwürdigkeit

Erbunwürdigkeit ist der gesetzliche Ausschluss eines Erben oder Vermächtnisnehmers wegen besonders schwerwiegenden Fehlverhaltens gegenüber dem Erblasser oder dessen letzter Willensbildung. Gründe können etwa vorsätzliche Tötung, Verhinderung der Testamentserrichtung oder bestimmte Urkundendelikte sein. Die Unwürdigkeit wirkt grundsätzlich nicht automatisch, sondern muss nach dem Erbfall durch Anfechtungsklage geltend gemacht werden. Bei Erfolg gilt der Erwerb als nicht erfolgt; an die Stelle des Unwürdigen treten die Personen, die ohne ihn berufen wären.

Rechtliche Einordnung

Die §§ 2339 bis 2345 BGB regeln Gründe, Anfechtungsberechtigung, Frist und Rechtsfolgen. Die Tatbestände sind wegen ihrer einschneidenden Wirkung eng auszulegen.

Bedeutung und Abgrenzung

Erbunwürdigkeit ist von Enterbung und Pflichtteilsentziehung zu unterscheiden. Enterbung beruht auf dem Willen des Erblassers; Erbunwürdigkeit auf gesetzlich bewerteten schweren Verfehlungen und gerichtlicher Anfechtung.

Beispiel

Ein eingesetzter Erbe vernichtet vorsätzlich ein späteres Testament, damit eine für ihn günstigere ältere Verfügung gilt. Ein nachrückender Berechtigter kann die Erbunwürdigkeit gerichtlich geltend machen.

Häufige Fragen

Verliert der Betroffene automatisch die Erbschaft?

Nein. Regelmäßig ist eine erfolgreiche Anfechtungsklage nach dem Erbfall erforderlich.

Wer darf anfechten?

Anfechtungsberechtigt ist grundsätzlich, wem der Wegfall des Erbunwürdigen erbrechtlich zugutekäme.

Kann der Erblasser verzeihen?

Ja. Eine wirksame Verzeihung kann die Anfechtung wegen Erbunwürdigkeit ausschließen.

Verwandte Begriffe und Quellen

Erbrecht, Erbe, Erblasser, Testament, Erbschein, Erbengemeinschaft und Pflichtteil

Weitere verständliche Informationen bieten zivilrecht-faq.de und, bei familienrechtlichen Bezügen, info-familienrecht.de. Die gesetzlichen Regelungen stehen insbesondere im Bürgerlichen Gesetzbuch und im Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Entfristungsklage

    Entfristungsklage ist die Klage eines Arbeitnehmers auf Feststellung, dass sein Arbeitsverhältnis nicht aufgrund einer vereinbarten Befristung beendet wurde. Sie dient der gerichtlichen Kontrolle, ob Befristungsgrund, Dauer, Form und weitere gesetzliche Voraussetzungen eingehalten sind. Besonders wichtig ist die kurze Klagefrist: Die Unwirksamkeit muss grundsätzlich innerhalb von drei Wochen nach dem vereinbarten Vertragsende geltend gemacht werden. Rechtliche…

  • |

    Draufgabe

    Draufgabe ist eine bei Vertragsschluss geleistete Geldsumme oder Sache, die nach §§ 336 bis 338 BGB im Zweifel als Zeichen des Abschlusses gilt. Sie ist grundsätzlich kein Reugeld, das einen freien Rücktritt ermöglicht. Wird der Vertrag erfüllt, ist sie auf die Leistung anzurechnen oder zurückzugeben. Ist der Geber für die Nichtdurchführung verantwortlich, kann der Empfänger…

  • |

    Nebenklage

    Die Nebenklage ermöglicht bestimmten Verletzten schwerwiegender Straftaten, sich der öffentlichen Klage der Staatsanwaltschaft anzuschließen und eigene Verfahrensrechte wahrzunehmen. Nebenklageberechtigte dürfen insbesondere an der Hauptverhandlung teilnehmen, Fragen und Anträge stellen, Erklärungen abgeben und unter gesetzlichen Voraussetzungen Rechtsmittel einlegen. Die Nebenklage macht den Verletzten nicht zum Ankläger anstelle der Staatsanwaltschaft, sondern stärkt seine selbstständige Beteiligung. Berechtigung und…

  • | | | |

    Wirtschaftlicher Totalschaden

    Wirtschaftlicher Totalschaden liegt vor, wenn die erforderlichen Reparaturkosten den Wert des Fahrzeugs vor dem Unfall im Verhältnis zu seinem Restwert wirtschaftlich übersteigen. Maßgeblich sind regelmäßig Wiederbeschaffungswert, Reparaturaufwand und Restwert. Der Geschädigte kann dann grundsätzlich den Wiederbeschaffungsaufwand verlangen, also Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert. Unter engen Voraussetzungen darf er wegen seines besonderen Interesses am vertrauten Fahrzeug dennoch bis…

  • Mieter

    Ein Mieter ist der Vertragspartner, dem der Vermieter eine Sache gegen Zahlung der vereinbarten Miete zum Gebrauch überlässt. Seine Rechtsstellung ergibt sich aus dem Mietvertrag und den §§ 535 ff. BGB. Bei Wohnraum schützen zahlreiche zwingende Vorschriften den Mieter, insbesondere im Zusammenhang mit Mängeln, Mieterhöhungen und Kündigungen. Der Mieter wird regelmäßig Besitzer der Mietsache, ohne…

  • |

    Trennungsvereinbarung

    Eine Trennungsvereinbarung ist ein Vertrag, mit dem Ehegatten oder Partner die rechtlichen und praktischen Folgen ihres Getrenntlebens ordnen. Regelbar sind etwa Nutzung der Wohnung, Haushaltsgegenstände, Konten, Kindes- und Trennungsunterhalt, Betreuung, Umgang sowie Kosten. Für einzelne Abreden verlangt das Gesetz notarielle Beurkundung oder gerichtliche Protokollierung, insbesondere bei Grundstücken oder bestimmten Vereinbarungen über Scheidungsfolgen. Unwirksame, sittenwidrige oder…